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Hückeswagen: Der faire Handel braucht viele Mitmacher

Fairtrade-Town : Der faire Handel braucht viele Mitmacher

Noch im alten Jahr hat der Stadtrat der Schloss-Stadt den Grundsatz-Beschluss gefasst: Hückeswagen macht sich auf den Weg zur „Fairtrade-Town“. Zum Start ins neue Jahr beginnt nun die konkrete Umsetzung. Es gibt noch viel zu tun.

Wenn Bürgermeister Dietmar Persian Besuchern im Schloss einen Kaffee anbietet, dann sieht der aus, duftet und schmeckt so wie normaler Filterkaffee eben aussieht, duftet und schmeckt. Aber so ganz der Norm entspricht er dennoch nicht: Der Kaffee ist ein zertifiziertes Produkt aus fairem Handel. Dahinter steht eine Handelspartnerschaft, die Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika angemessene Preise für ihre Produkte garantiert und den biologischen Anbau fördert. Das faire Kaffeeangebot rettet nicht die Welt, aber es ist ein erster Schritt auf dem langen Weg der Kleinstadt hin zur „Fairtrade-Town“.

Der eingetragene Verein TransFair verleiht nach festgesetzten Kriterien diesen Titel. Dahinter steht eine im Jahr 2000 in Großbritannien gestartete internationale Kampagne zur Förderung des fairen Handels weltweit. In seiner Sitzung Anfang Dezember hat der Stadtrat mit großer Mehrheit (nur die FDP stimmte dagegen) beschlossen, sich der Kampagne anzuschließen. Auslöser war eine Bürgeranregung, getragen von den Jugendorganisationen der Grünen, der SPD und der CDU, die das Projekt vorantreiben wollen.

Hinter den Kulissen hat sich in den wenigen Wochen seit dem Ratsbeschluss schon einiges getan, berichtet Felix Frauendorf (25). Der junge Ratsherr der Grünen hatte die Bürgeranregung im Stadtrat begründet und gehört zu denen, die sich für die praktische Umsetzung engagieren. Dazu wurde eine Steuerungsgruppe gebildet. Das erste offizielle Treffen erfolgt Mitte Januar. Dabei sind Vertreter der Jungen Grünen, der Jusos, der Jungen Union, aber auch Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde. Der Bürgermeister entsendet einen Mitarbeiter der Verwaltung in die Gruppe, Persian will zumindest am ersten Treffen ebenfalls teilnehmen. Für Felix Frauendorf ist das ein sehr positives Signal: „Es zeigt, dass die Stadt uns und unser Anliegen ernst nimmt und es unterstützt.“ Denn viele Unterstützer brauche das Projekt. Deswegen werde es zunächst darum gehen, die Kampagne „Fairtrade-Town“ in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Dazu wurde ein Informations-Flyer entwickelt, der in Kürze verteilt werden soll.

Außerdem wollen Frauendorf und seine Mitstreiter Kirchen, Schulen und Vereine ansprechen – und zu Beginn vor allem den örtlichen Einzelhandel und die Gastronomen. Mindestens vier Geschäfte und zwei Gastronomiebetriebe in Hückeswagen müssen mitmachen und jeweils wenigstens zwei Produkte aus zertifiziert fairem Handel anbieten. Felix Frauendorf ist sicher, dass das ehrgeizige Projekt daran nicht scheitern wird: „Wir haben erste Kontakte zu Einzelhändlern geknüpft, da ist viel Aufgeschlossenheit.“ Hinzu kommt, dass auch Supermärkte und Discounter inzwischen Waren aus fairem Handel vom Kaffee über Kekse bis hin zur Schokolade oder Obst im Sortiment haben.

„Wir stehen nicht unter Zeitdruck, aber wir wollen im neuen Jahr ganz konkret weiterkommen auf dem Weg zur ,Fairtrade-Town‘“, sagt Frauendorf. Dass es auch in der Kleinstadt gelingen kann, haben andere oberbergische Kommunen vorgemacht: Die Gemeinde Engelskirchen zum Beispiel fasste schon im Februar 2014 den grundsätzlichen Ratsbeschluss, der immer am Anfang des Prozesses stehen muss. Inzwischen tragen dort viele Institutionen, darunter Kirchen, Vereine und Schulen, das Projekt mit. Frauendorf ist überzeugt: „Das schaffen wir auch in Hückeswagen.“

Das sieht auch der Bürgermeister so, wie er bei einer Tasse Kaffee aus fairem Handel bestätigt. Dietmar Persian: „Ich bin froh, dass hier junge Leute über Parteigrenzen hinweg die Initiative ergriffen haben. Wir alle müssen uns auch bei unserem eigenen Konsumverhalten bewusst machen, dass wir eben nur eine Welt haben, für die wir alle verantwortlich sind.“