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Hückeswagen: Der beliebte Gastronom Willi Kipper wird beerdigt

Rückblende Hückeswagen vor 50 Jahren : Gastronom Willi Kipper wird beerdigt

Wer war dieser Mann, der bei seinem Tod eine solche Betroffenheit auslöste? Ein handgeschriebener Lebenslauf in einer Akte des Stadtarchivs, in der die Konzessionen und Schankerlaubnisse seiner Gaststätte am Schmittweg aufbewahrt werden, klärt auf.

Das Ansehen eines Menschen in einer Stadtgesellschaft lässt sich schwer an der Formatgröße oder dem Textumfang eines Nachrufes festmachen, wohl aber an deren Anzahl. Innerhalb von zwei Tagen vor der Beerdigung des Gastronoms Willi Kipper am 3. September 1969 erschienen nicht weniger als fünf Inserate verschiedener Organisationen. Das war selbst in einer Epoche, in der man die breite Öffentlichkeit am besten über Zeitungsinserate erreichte, sehr ungewöhnlich.

Verabschiedet hatten sich der Hotel- und Gaststättenverband, die DLRG, die Alten Herren des RSV 09 Hückeswagen, die Sänger des Chors „Roemryke Berge“ und der Sportangler-Verein, allesamt Hückeswagener Organisationen. Es fielen Vokabeln wie „tatkräftig“, „selbstlos“, „hilfsbereit“, „aufrichtig“ und sogar mehrmals die Formulierung „Wir haben ihm viel zu verdanken“. Den Nachrufen lässt sich auch entnehmen, dass Kipper zumindest im Chor Ehrenmitglied war.

Wer war dieser Mann, der bei seinem Tod eine solche Betroffenheit auslöste? Geboren wurde Willi Kipper am 28. April 1916 als Sohn des Kaufmanns und Gastwirts August Kipper in Dortmund, der Stadt, in der er auch die Elementarschule und danach das Hindenburg-Realgymnasium besuchte. Seine Berufslaufbahn begann im elterlichen Betrieb, von 1932 bis 1936 absolvierte er anschließend eine Konditorlehre. Sein Lehrherr war der Konditor Ernst Wülfing in Dortmund, dessen Geschäft – es wäre heute in bester City-Lage – schon lange nicht mehr existiert. Auch Kippers nächste Station in der Ruhrgebietsstadt, die Konditorei Bergmann, ist lange Schnee von gestern. Über die Zeit im Zweiten Weltkrieg gibt er nur insofern Auskunft, als dass er von 1939 bis 1945 Soldat war und dann in englische Kriegsgefangenschaft kam.

Nach seiner Freilassung im September 1945 arbeitete er zunächst nahe Iserlohn als Bäcker, dann für zwei Jahre als (verpflichteter) Bergmann. Seine letzte Station, bevor Kipper nach Hückeswagen kam, führte ihn wieder in seinen Gesellenberuf zurück, denn er war als erster Konditormeister in Hörde beschäftigt.

Warum er in die Schloss-Stadt gekommen war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wohl aber die Tatsache, dass er 1956 eine Gaststätte am Schmittweg pachtete, die zuvor von Paul Grafer geführt wurde. Ausgestattet mit einem tadellosen Führungszeugnis, das er den Behörden zusammen mit dem eigentlichen Konzessionsantrag vorlegen musste, begann seine Karriere als Gastronom in Hückeswagen, wo er es zu gehörigem Ansehen brachte.

Dort, wo später im Bürgerstübchen und danach im „Paul’s“ den Gästen ausgeschenkt wurde und gegenwärtig eine Kernsanierung stattfindet, war Willi Kipper der Gastgeber. Unter anderen, so wird im Nachruf auch betont, war er „Gastwirt des Verkehrslokals“ der Alten Herren des Raspo.

Willi Kipper starb zum Monatswechsel August/September 1969 im Alter von nur 53 Jahren.

NORBERT BANGERT

(nob)