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Hückeswagen: Der Alltag kehrt langsam ins Johannsstift zurück

Johannesstift Hückeswagen : Der Alltag kehrt langsam zurück

Die Corona-Pandemie hatte das Altenzentrum Johannesstift schwer gebeutelt. Doch die Krise hatte auch gute Seiten: Die Mitarbeiter erfuhren viel Solidarität und Unterstützung, und so mancher Arbeitsablauf wurde optimiert.

Die Masken sind noch allgegenwärtig. Und so ohne Weiteres, wie vor Corona, kann das Foyer des Altenzentrums Johannesstift nicht betreten werden. Das geht erst nach dem Klingeln an der Eingangstür, dem Desinfizieren der Hände und dem Öffnen der Tür durch eine Mitarbeiterin. Aber sonst? Vieles scheint wieder seinen gewohnten Gang zu gehen in der Einrichtung, in der etwa 135 Bewohner leben, die von zirka 180 Mitarbeitern betreut werden.

Wie lief die Betreuung während der Corona-Hoch-Zeit? Ende März werden die ersten positiven Coronafälle aus dem Haus am Park gemeldet (s. Info-Kasten). „Wir haben von jetzt auf gleich alles eingestellt“, berichtet Anke Weiler, seit 1. Januar Leiterin der Sozialen Betreuung des Johannesstifts. Im Haus am Park gab es keine Gruppenangebote mehr, dafür musste die Einzelbetreuung ausgeweitet werden. „Es gab eine große Nachfrage nach Seelsorge“, erzählt Anke Weiler. Und vor allem hätten die Angehörigen gefehlt. Daher lernten viele Bewohner das Skypen kennen, konnten sie doch so über das Internet mit ihren Liebsten kommunizieren

Anke Weiler, Leiterin der Sozialen Betreuung, desinfiziert sich im Eingangsbereich des Foyers die Hände. Foto: Stephan Büllesbach

Wie war die Unterstützung? Der Freundeskreis des Johannesstifts unterstützte die Einrichtung vor allem finanziell. „Es gab aber auch unglaublich viele Menschen, die Hilfe von außen angeboten haben“, berichtet die Leiterin der Sozialen Betreuung. Darunter seien auch viele Schüler sowie Hückeswagener gewesen, die im Homeoffice arbeiteten und die zum Beispiel für die Heimbewohner einkaufen gingen. Zudem waren die Helferlein der Stadt im Einsatz. „Die Stadt hatte da ein tolles System, wie sie uns unterstützen konnte“, lobt Anke Weiler. Per Mail gingen die Bestellungen heraus, etwa für Drogerieprodukte. „Weitblick“-Lotsin Margarete Coenen verteilte die Aufgaben, und die Helferlein besorgten die benötigten Dinge. „Der Bürgermeister und die Hilfsorganisationen hatten viele Ideen, wie sie uns helfen konnten“, sagt Anke Weiler. So bezahlte die Stadt erst einmal die Rechnungen der Einkäufe, und Verwaltungsleiterin Andrea Kürten vom Johannesstift rechnete das dann mit den Bewohnern ab.

Wodurch wurde die Lage noch entspannt? Die Kinder des angeschlossenen Kindergartens bastelten und malten für die Heimbewohner. Außenstehende schrieben Gedichte und Briefe „für jemanden, der einsam ist“ oder „der schöne Worte braucht“. Dazu gab es Fotos zur Aufmunterung. Und im Eingangsbereich hatte die Heimleitung Tische und Gitterwagen abgestellt, wo Geschenke, Blumen oder Süßigkeiten für die Bewohner abgegeben werden konnten. „Wir haben die Sachen täglich ein- bis zweimal verteilt“, berichtet Anke Weiler.

War die Umstellung auf die Hygienemaßnahmen schwierig? „Wir hatten das Virus schnell im Griff“, versichert die Mitarbeiterin. Daher sei es auch nicht auf das andere Haus gewechselt: Das Haus am Buschweg war nie von einem positiven Coronafall betroffen. Um die Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel hätten die Verantwortlichen zwar gerade zu Beginn mitunter kämpfen müssen, „aber es war immer genug da“.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert? „Ihr Engagement ist weit über das Üblichen hinaus gegangen“, versichert Anke Weiler. Ohne das wäre das alles auch nicht gegangen.

Und wie haben die Bewohner die Corona-Krise bewältigt? Sie haben versucht, die Situation so positiv wie möglich zu nehmen. „Das hat uns die Arbeit erleichtert“, lobt Anke Weiler. Schwer gefallen sei ihnen aber vor allem, dass sie eine Zeit lang keine Besuche empfangen konnten. Und die meisten würden noch die Gottesdienste und die großen Veranstaltungen im und am Haus vermissen.

Wie geht’s weiter? Der Alltag kehrt Stück für Stück zurück. So öffnet sich die Tagesbetreuung immer mehr, in dem die Bewohner zum Beispiel wieder gemeinsam essen. „Das ist wichtig, um der Vereinsamung entgegenzuwirken“, erläutert die Leiterin der Sozialen Betreuung. Gerade bei demenziell Erkrankten spiele das eine große Rolle. Zudem soll jetzt mit kleinen Gartengruppen wieder angefangen werden.

Was bleibt für die Zukunft? Die Mitarbeiter des Johannesstifts haben eine Bedarfsanalyse gemacht: Was fehlt? Was muss verbessert werden? Was war gut? „Wir haben das System der Betreuung umgestellt, weil wir die Menschen in der Corona-Zeit intensiver und anders kennengelernt haben, berichtet Anke Weiler. So werden jetzt die Bewohner in der Einzelbetreuung täglich morgens kurz besucht, um abzufragen, wer etwa Beschäftigung oder Seelsorge benötigt. Auch die Pflegekräfte seien nun stärker involviert, und der Austausch zwischen ihnen und den Mitarbeitern der Sozialen Betreuung – vier vom Sozialen Dienst und etwa zehn Alltagshelfer – sei intensiver geworden.

Und auf was ruhen nun die Hoffnungen? „Zum einen darauf, dass wieder ein Stück weit Normalität im Johannesstift eintrifft und wir wieder große Veranstaltungen feiern können“, sagt Anke Weiler. Sie geht davon aus, dass das Altenzentrum bei einer möglichen zweiten Welle nicht mehr oder zumindest nicht mehr so stark betroffen sein wird. „Wir sind deutlich besser darauf vorbereitet – und vor allem entspannter.“