Hückeswagen: Demonstration vor Klingelnberg-Tor

Verärgerte Mitarbeiter aus Ettlingen reisen nach Hückeswagen : Am Donnerstag Demonstration vor Klingelnberg-Tor

Beschäftigte aus Ettlingen protestieren gegen eine Verlagerung der Stirnrad-Produktion ins Bergische.

Um ihre Arbeitsplätze in ihrer badischen Heimat zu retten, nehmen sie eine große Strecke auf sich: Heute, Donnerstag, 6 Uhr, werden 80 bis 100 Beschäftigte des Klingelnberg-Werks in Ettlingen, einer Kreisstadt am Rande des Schwarzwalds in direkter Nachbarschaft zu Karlsruhe, die gut 340 Kilometer bis nach Hückeswagen fahren, um hier ab etwa 11 Uhr für eine Stunde vor dem Haupttor des Stammwerks (foto: Stephan Büllesbach) zu demonstrieren. Sie wehren sich dabei gegen die drohende Verlagerung der Produktion und Entwicklung der Stirnäder – große Zahnräder, die etwa in Windkraftanlagen oder Bohrtürmen eingebaut werden – von Ettlingen nach Hückeswagen. Bis zu 160 Stellen könnten in dem badischen Werk davon betroffen sein, befürchtet Martin Obst, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Karlsruhe. Im November hatte die Unternehmensleitung den Gesamtbetriebsrat über diese Planspiele informiert.

„Nach zwei weiteren informellen Gesprächen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben Betriebsräte und Beschäftigte aus Ettlingen-Oberweier mit Unterstützung eines externen Sachverständigen ein Konzept entwickelt, das Alternativen zu dem Vorhaben der Arbeitgeber aufzeigt“, schreibt Obst in einer Pressemitteilung. Der Gewerkschafter ist sich sicher: „Mit diesem Konzept würde sowohl das Gesamtunternehmen gestärkt, als auch der Produktionsstandort und Arbeitsplätze in Ettlingen-Oberweier gesichert.“ Davon wollen Gewerkschaft und Beschäftigte die Arbeitgeberseite heute Morgen bei ihrer Protestaktion vor dem Stammwerk überzeugen. Mit dem Protest wollten die Ettlinger Beschäftigten zeigen, dass sie sich nach wie vor für den Erfolg des Unternehmens einsetzen wollen, unterstreicht Obst.

Und Arthur Garcia, Betriebsratsvorsitzender von Klingelnberg Ettlingen, versichert: „Unsere Beschäftigten haben in der Vergangenheit immer gute Arbeit für das Unternehmen geleistet. Sie wollen das auch weiterhin tun.“ Dass die Kolleginnen und Kollegen eine solch lange Fahrt auf sich nähmen, um in Hückeswagen für eine Zukunft in diesem Unternehmen zu demonstrieren, zeige, wie engagiert diese Belegschaft sei. Auch er fordert die Unternehmensführung auf, sich auf das alternative Konzept einzulassen, „um daraus Maßnahmen zu entwickeln, die das Unternehmen nachhaltig stärken“.

Die Klingelnberg-Gruppe verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres, das vom 1. April bis 30. März läuft, einen Rückgang beim Nettoumsatz von rund 10,7 Millionen auf 88,4 Millionen Euro. Als Gründe dafür nannte das Unternehmen im Dezember den „weltweiten Rückgang der gesamten Industrieproduktion – insbesondere der Automobilproduktion –, deutliche Belastungen aus dem Brexit und Handelskonflikten sowie fehlende Richtungsvorgaben etwa zur Zukunft der Mobilität“. Daher steht möglicherweise im Raum, die Produktion komplett in Hückeswagen zu bündeln. Das könnte bedeuten, dass die Stirnrad-Produktion aus dem Badischen ins Bergische verlagert wird. In Ettlingen verblieben dann lediglich die Bereiche Software-Entwicklung, Kundenservice und Vertrieb.

Im Vorfeld der Klingelnberg-Jubilarehrung Ende Januar hatte Finanzvorstand Christoph Küster im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt: „Zu diesem Thema befinden wir uns derzeit im intensiven Austausch. Wir arbeiten aber auf jeden Fall an entsprechenden Lösungen.“ Zudem sprach er sich deutlich für beide Hückeswagener Werke aus. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Standort und tief verbunden mit der Stadt“, versicherte Küster.