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Hückeswagen: Das Virus sorgt für Feuerwehr-Auszeit

Hückeswagen in der Corona-Krise : Das Virus sorgt für Feuerwehr-Auszeit

Wegen der Corona-Pandemie musste auch die Hückeswagener Feuerwehr pausieren. Nur zu Einsätzen, wie dem großen Waldbrand Ende April in Gummersbach, rückte sie aus. Jetzt geht der Übungsdienst langsam wieder los.

Die Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr Ende Februar war einer der ersten offiziellen Termine, die wegen der damals noch im Anfang befindlichen Corona-Pandemie abgesagt worden war. Danach ging es Schlag auf Schlag, das öffentliche Leben wurde immer mehr eingeschränkt, ehe es sich nun mit langsamer Lockerung nach und nach wieder erholt. Und auch wenn die Feuerwehr im Notfall natürlich ausrücken muss, ruhten die Aktivitäten der freiwilligen Helfer in den vergangenen Wochen und Monaten. „Anfang März gab es ein Schreiben von Landrat Jochen Hagt und Kreisbrandinspektor Wilfried Fischer an alle Wehren im Kreis, dass der Übungsdienst mit sofortiger Wirkung ausgesetzt werden sollte“, sagt Stadtbrandinspektor Karsten Binder im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Gefahr, dass im Infektionsfall die gesamte Wehr nicht einsatzfähig wäre, war schlicht zu groß. Die 119 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen hätten sich dann drei Monate lang nicht im Rahmen von Übungsdiensten, Treffen oder anderen Begegnungen sehen können. „Es gab ein paar kleinere Einsätze, bei denen die Einsatzwagen nicht voll besetzt waren“, berichtet Binder. Bei den Einsätzen musste dann auf den Abstand geachtet werden – und es gab auch keine klassischen Nachbesprechungen in der Wache, sondern nur im kleinen Rahmen.

Die Schutzkleidung der Hückeswagener Feuerwehr in den vergangenen 40 Jahren. Foto: Feuerwehr Hückeswagen

Bei dem großen Waldbrand in Gummersbach Ende April war allerdings auch eine Einheit aus der Schloss-Stadt zur Unterstützung angefordert worden. „Da versucht man dann eben den Abstand so gut wie möglich einzuhalten. Aber es geht nicht immer“, hat Binder feststellen müssen. Insgesamt seien mehrere Hundert Feuerwehrleute in der Kreisstadt im Einsatz gewesen.

Jetzt gehe es darum, sich langsam wieder an den Normalbetrieb heranzutasten, betont der Stadtbrandinspektor. „Seit Anfang Juni treffen sich wieder kleinere Gruppen zwischen sechs und neun Personen zur Ausbildung.“ Es sei ein Prozess des Umdenkens erforderlich, um sich langsam wieder an die Übungseinheiten heranzutasten – immer im Hinterkopf behaltend, das Infektionsrisiko möglichst minimal zu halten. „Wer sich krank fühlt, soll nicht zur Übung kommen – und natürlich auch nicht zum Einsatz. Es ist eine vorsichtige Annäherung, die bestimmt noch einige Monate dauern wird“, sagt der Wehrchef.

Die Kameraden seien dennoch guter Dinge, versichert er. Auch wenn die Vorsicht allgegenwärtig sei. „Es ist manchmal etwas angespannt, weil das Virus ein wenig so ist, als hätte man es mit bestimmten Gasen zu tun, die gefährlich sind, die man aber weder sieht, riecht oder schmeckt“, sagt Binder. Es sei eine gesunde Vorsicht, die Freude überwiege dennoch bei den meisten. Dienst bei der Feuerwehr heißt aber auch kontinuierliche Fortbildung, auch auf Kreisebene. Auch diese Termine sind in den vergangenen Wochen und Monaten ausgefallen. „Stand jetzt ist, dass wir das nach den Sommerferien wieder anlaufen lassen wollen. Dazu darf es aber natürlich keine Verschlechterung der Infektionszahlen geben“, betont Binder.

Natürlich blicke man auch sonst nach vorne. So etwa in Bezug auf die neue Schutzkleidung für die Feuerwehrleute. „Eine kleine Arbeitsgruppe hat sich der Thematik angenommen“, berichtet der Stadtbrandinspektor. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Qualität und Ausstattung der Schutzkleidung stetig verändert. „Diejenige, die die Kameradinnen und Kameraden derzeit tragen, ist bereits über zehn Jahre im Einsatz.“ Daher schafft die Stadt voraussichtlich noch dieses Jahr neue Schutzbekleidung für die Einsatzkräfte an, die dem neuesten Stand der Technik entspricht. Der Haupt- und Finanzausschuss hatte Anfang Juni den Weg dafür freigemacht.

„Die Feuerwehrüberjacke und -überhose bilden zusammen mit Stiefel, Helm und Handschuhen die Basis der Schutzausrüstung“, erklärt Binder. Die neuen Jacken und Hosen würden aus einem extrem widerstandsfähigen Oberstoff bestehen, der optimalen Schutz gegen Hitze, Schnitte und Wettereinflüsse biete. „Dazu ist gerade die Jacke sehr leicht und damit komfortabel zu tragen.“ Dazu kommen modernere und hellere Farben. „Das hat allerdings nichts mit modischen Aspekten zu tun, sondern man kann so die Verschmutzung vor allem durch gefährliche Brandrauchpartikel, Blut oder chemische Stoffe leicht erkennen“, erläutert Binder.