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Hückeswagen: Campen ist wieder möglich trotz Corona

Bever-Talsperre in Hückeswagen : Campen wieder möglich – trotz Corona

Seit Montag dürfen Kurzzeitcamper und Besucher die Campingplätze an der Bever-Talsperre nutzen – unter Auflagen. Die Betreiber rechnen aber nicht damit, die Verluste wettmachen zu können.

Aus dem Wohnwagen von Sven Reichmann hört man die Übertragung der ersten Bundesliga-Geisterspiele nach der Corona-Zwangspause, im Garten vor dem Wagen wird gerade der Holzkohlegrill angeheizt. Für den Wuppertaler und seine Lebensgefährtin Stephanie Claudy ist der Aufenthalt auf dem Campingplatz an der Bever-Talsperre ein Kurzurlaub vom Alltag. „Eigentlich wollten wir dieses Jahr nach Ägypten reisen, aber das hier ist auch Urlaub“, versichert Reichmann, der den Wohnwagen von seinem Vater übernommen hat. „Für uns hat sich durch Corona hier nicht viel verändert, außer, dass wir keinen Besuch empfangen dürfen“, fügt der Dauercamper hinzu. Ab Montag gibt es jedoch endlich Lockerungen in der Camping-Branche. Dann darf auch Reichmanns Enkelin wieder zu Besuch auf den Platz kommen.

Auch wenn das wachsende Treiben auf dem Campingplatz der IG Zeltplätze in Großberghausen und auf Käfernberg wie eine heile Welt wirkt, so ist es dennoch alles andere als normal. „Von der Normalität sind wir noch weit entfernt“, stellt Platzwart Michael Radermacher klar. Der Saisonstart wäre eigentlich schon zu Ostern gewesen, zu Pfingsten sei der Platz rappelvoll. Doch nur die Dauercamper durften während der vergangenen Wochen aufgrund der Corona-Krise auf den Platz. Nach einer langen Durststrecke folgen nun die ersten Lockerungen: Übernachtungen auf den Kurzzeit-Camping-Stellplätzen und in den Blockhütten sind seit Montag wieder möglich. „Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, vorerst keine Zelt- und Liegewiesen-Gäste aufzunehmen“, sagt Axel Konsen, Geschäftsführer der IG Zeltplätze, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Sanitäranlagen seien dafür nicht ausreichend, da bedingt durch die Auflagen jeder zweite Waschplatz gesperrt sei.

Für Besucher besteht außerdem eine Anmelde- und Registrierungspflicht auf dem Campingplatz. Und auch auf den Mund-Nasen-Schutz kann hier nicht ganz verzichtet werden: Das Tragen der Masken ist in allen Sanitärgebäuden Pflicht. „Wir haben außerdem Spender mit Desinfektionsmittel aufgehangen“, berichtet Radermacher, der neben seiner Arbeit als Platzwart auch die Gaststätte „Beverklause“ im Campingpark der IG Zeltplätze betreibt. Die Gaststätte hat zwar nun wieder täglich (außer dienstags) ab 17 Uhr geöffnet, so viele Gäste wie früher bekommt der gelernte Koch jedoch nicht unter. „Im Innenraum stehen durch die Abstandsregel gerade mal fünf Tische“, sagt Radermacher. Die Speisekarte ist ebenfalls nur annähernd komplett. Der Gastronom will erst einmal abwarten, wie viele Gäste das Angebot in Anspruch nehmen und dann den Betrieb entsprechend hochfahren.

Seit der Lockerung der Schutzmaßnahmen gehen wieder vermehrt telefonische Anfragen ein. „Da die Zeltwiesen aber noch geschlossen bleiben, müssen wir viele vertrösten“, bedauert Radermacher. Das sei nicht nur schade, sondern gehe auch wirtschaftlich richtig an die Substanz. Aufholen könne man die verlorengegangen Einnahmen in diesem Jahr wohl nicht mehr.

Auf dem Campingplatz „Freizeitparadies Beverblick“ kehrt nun ebenfalls wieder Leben ein. „Als die Pressekonferenz mit den Lockerungen im Fernsehen war, ging abends schon das Telefon mit ersten Anfragen“, berichtet Betreiber Maik Wickesberg. „Da musste ich mich erst einmal informieren, was man darf und was nicht.“ Für die Camper und Wochenendhaus-Besitzer mit Zweitwohnsitz an der Bever-Talsperre hatte sich in den vorherigen Wochen nicht viel geändert. Lediglich die Sanitäranlagen waren geschlossen. Jetzt ist der Platz wieder für den Tourismus geöffnet, und schon trudeln die ersten Wohnmobile ein. Philipp und Doreen Katheras aus Erkrath gönnten etwa sich am Wochenende eine Auszeit vom Alltag. Seit Karneval sei ihr Wohnmobil nicht mehr bewegt worden, berichten sie. „Es ist schön, wieder wegfahren zu dürfen, um mal etwas anderes zu sehen und die Natur zu genießen“, sagt das Ehepaar.

Verluste hat auch Maik Wickesberg zu beklagen. „Das, was wir Ostern verpasst haben, holen wird nicht mehr auf“, sagt er und fügt optimistisch hinzu: „Hoffentlich wird der Rest nicht ganz so schlecht, wenn das Wetter mitspielt.“