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Hückeswagen: Bürgermeister Persian hat keine Angst vor Übergriffen

Bürgermeister Dietmar Persian : Bürgermeister Persian: „Ich habe keine Angst!“

Zunehmend werden Kommunalpolitiker und Verwaltungschefs bedroht. In Hückeswagen scheint es dagegen noch sehr friedlich zu sein.

Die Meldung, dass der hauptamtliche Bürgermeister von Kamp-Lintfort, Christoph Langscheidt (SPD), sich bewaffnen wollte, um Angriffen aus der rechten Szene gegen sich und seine Familie nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, hatte Deutschland kürzlich aufgeweckt. Nun erklärte der Kerpener Bürgermeister seinen Rückzug, nachdem seine Kinder bedroht wurden. Nimmt das zunehmend aggressiver werdende Rauschen im Internet umfassender konkrete Formen an? Können sich Lokalpolitiker und Bürgermeister nicht mehr sicher fühlen? Was läuft schief in einem Land, in dem seine Vertreter sich zu solch drastischen Schritten genötigt sehen? Und was macht das mit den Kollegen im Amt des Bürgermeisters? Unsere Redaktion hat bei Hückeswagens Bürgermeister Dietmar Persian (Archivfoto: Jürgen Moll) nachgefragt. Er versichert: „Ich habe keine Angst!“

Dennoch habe es ihn natürlich sehr bewegt – „wie wohl jeden Bürgermeisterkollegen“ –, als die Meldung an die Öffentlichkeit gekommen war. „Wir hatten an jenem Tag Konferenz der Bürgermeister im Oberbergischen. Der Tenor unter den Kollegen war, dass uns die Hintergründe betroffen gemacht haben – aber auch, dass der Schritt, sich zu bewaffnen, der falsche ist“, sagt Persian. Es könne nicht sein, dass ein Bürgermeister eine Waffe tragen müsse. Gleiches gelte übrigens auch für Feuerwehrleute oder Mitarbeiter des Ordnungsamts. „Das Gewaltenmonopol liegt in unserem Land bei der Polizei“, betont Persian.

Er kenne Langscheidt nicht persönlich, habe ihm aber direkt nach Bekanntwerden der Meldung geschrieben und seine Solidarität gezeigt. Bedrohungen gegen Amtsträger, ob nun verbal oder physisch, sind kein Alltag in Deutschland, kommen aber immer wieder vor. „In Hückeswagen ist es, Gott sei Dank, so, dass uns das bislang nicht betrifft“, versichert Persian. Sicher gebe es ab und zu anonyme Nachrichten, Mitarbeiter des Ordnungsamts seien auch „unverhältnismäßig angegangen“ worden. „In solchen Fällen kenne ich auch nichts – das wird zur Anzeige gebracht. Hier stehe ich voll und ganz hinter meinen Mitarbeitern“, betont der Bürgermeister. Oft komme es dann im Gespräch zu einer Entschuldigung, und die Anzeige werde zurückgezogen. Insgesamt sei die Situation in der Schloss-Stadt aber friedlich.

Dennoch stelle auch er sich die Frage, wie man einer solchen verbalen und physischen Aggression begegnen könne – und woher sie komme. „Vielleicht sind die Menschen generell sauer auf ‚die da oben‘? Vielleicht fühlen sie sich nicht abgeholt? Genau das muss unsere Aufgabe sein“, sagt Persian. Das einzige Mittel, um die Menschen zu erreichen, sei, mit ihnen in Verbindung zu bleiben, ihnen zuzuhören. „So kann man verhindern, dass möglicherweise jemand anderes nach oben kommt, den man dort nicht haben will.“

Persian sieht aber auch in der Sprache ein Problem, beziehungsweise darin, dass dort zunehmend eine gewisse Respektlosigkeit Einzug halte. „Wir sind alle gefordert, darauf zu achten, wie wir über Politiker sprechen, über die Menschen, die ihren Dienst für die Allgemeinheit tun“, betont der Bürgermeister. Er glaube, dass Worte zu mehr führen können – eben auch im Negativen. Für Persian zähle auch in Zukunft, nahe beim Menschen zu sein. „Mir macht das keine Sorgen, ich werde mein Verhalten auch künftig nicht ändern, werde mich weiterhin offen auf den Straßen der Stadt bewegen und die Bürger treffen“, versichert er. Denn ein Bürgermeister müsse nahe bei den Menschen sein.