Pflanzaktion in Hückeswagen Bürger setzen Zeichen gegen den Klimawandel

Hückeswagen · Zur Aufforstungsaktion von Stadtverwaltung und Bürgern waren am Samstagvormittag über 40 Helfer an die Großberghauser Bucht gekommen. Auf 2200 Quadratmetern wurden rund 660 Bäume und Sträucher eingepflanzt.

David und Emmi haben fleißig bei der Aufforstaktion an der Großberghauser Bucht mitgeholfen.

David und Emmi haben fleißig bei der Aufforstaktion an der Großberghauser Bucht mitgeholfen.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Der Samstagvormittag ist einer jener beinahe perfekten Herbsttage. Die Sonne scheint, es ist kalt, nahe am Gefrierpunkt, aber die Sonne wärmt einen ein wenig. Es sind die perfekten Voraussetzungen für die Aufforstaktion an der Großberghauser Bucht, gleich am Wanderparkplatz am Bever-Staudamm. Dazu aufgerufen hat die Stadtverwaltung, Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Heymann ist die Idee bei einem Besuch in Ostdeutschland gekommen. „Dort wurde auch ein ehemaliges Waldstück aufgeforstet, aber eben unter Beteiligung der Bürger – vor allem Familien waren mit dabei“, sagt sie. Und genauso ist es dann auch gekommen, pünktlich um zehn Uhr am Vormittag sind rund 40 Personen in Arbeitskleidung und teilweise mit Schaufel und Hacke erschienen.

Auch Bürgermeister Dietmar Persian ist mit dabei – und ist begeistert. „Ich finde es großartig, dass so viele Erwachsene und Kinder hier sind und mithelfen wollen“, sagt er. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass die Menschen in der Schloss-Stadt gemeinsam Hand anlegen würden und zusammen Bäume einpflanzen wollten. „Wir sehen alle die großen Schäden, die Borkenkäfer und Klimawandel verursachen, und daher ist es toll, dass wir alle etwas dagegen machen wollen“, sagt der Bürgermeister. Er wolle dem Bauhof für die Vorbereitungen auf der rund 2200 Quadratmeter großen Brachfläche danken, aber auch der DLRG, die Kaffee und Grillwürstchen zur Stärkung vorbereitet habe.

Aloys Schlütter vom Bauhof berichtet den Anwesenden über die Details der Aktion. „Wir hatten hier einen großen Fichtenbestand, der durch den Borkenkäfer zerstört wurde. Wir haben hier aufgeräumt und uns zusammen mit Revierförster Heiner Grüter darüber ausgetauscht, was am besten angepflanzt werden sollte“, sagt er. Es sei entschieden worden, den Bereich einzuzäunen, um ihn so vor dem hungrigen Rehwild zu schützen. „Sonst haben wir nächstes Jahr nur noch Bonsai-Bestand“, sagt Schlütter. Der Revierförster ergänzt: „Es wäre auch eine Möglichkeit gewesen, die Fläche tatsächlich einfach einzuzäunen und der Natur freien Lauf zu lassen. Aber das hätte wesentlich länger gedauert.“ Dann wird er ernst und bringt die nüchternen Fakten der Zerstörung in der einst so waldreichen Bergischen Landschaft auf den Punkt. „Insgesamt haben wir in den vergangenen Jahren 120.000 Festmeter Fichtenholz abräumen müssen – das sind 4.000 Lastwagen voller Holz.“

Das ist natürlich überall sichtbar, und dennoch ist es erschreckend, wenn man eine solche gefühlte Wahrheit in Zahlen und Fakten serviert bekommt. „Wir werden hier jetzt aber etwas dagegen tun – und das ist ein gutes Gefühl, auch wenn es nur eine kleine Fläche ist. Aber hier wird ein guter und klimaresilienter Mischwald entstehen“, betont der Revierförster. Die Pflanzen, die von der Stadtverwaltung für die Ausgleichsfläche angeschafft worden seien, hätten sehr gute Wurzeln, so dass das Startsignal Grüters von den Helfern vor Ort wörtlich zu nehmen ist: „Jetzt können wir richtig Gas geben!“


Und dann strömen die Helfer auch schon auf die 2200 Quadratmeter große Fläche. Der Bauhof hat die Löcher für die Pflanzen bereits gesetzt, so dass die Bürger tatsächlich nur noch die Bäume und Sträucher in den Boden setzen müssen. „Nicht zu tief, aber so, dass die Wurzeln bedeckt sind“, sagt Grüter. Und dann müsse man die Erde ordentlich festtreten. Die siebenjährige Emmi kennt das schon. „Ich habe schon mal Bäume eingepflanzt, das macht richtig Spaß“, sagt das Mädchen. Ihre Mama Stefanie Heymann ergänzt: „Sie war in der Rostocker Heide mit dabei, wo ich die erwähnte Aktion erlebt habe, die Inspiration für unsere gewesen ist.“ Emmi ruft: „Das Loch ist zu groß hier, wir brauchen eine Schaufel!“ Der Bürgermeister ist prompt zur Stelle und füllt Erde auf. „So, jetzt passt das“, sagt die Siebenjährige zufrieden.

Utz Gessner hat ebenfalls entsprechende Vorerfahrungen – die allerdings länger zurückliegen. „Ich habe als Jugendlicher auf dem Grund meiner Eltern in Gummersbach im Sommer 1968 1000 Bäume eingepflanzt, das waren Eichen“, sagt der Grünen-Ratsherr. Er habe sich damit ein wenig Feriengeld verdient – eine Mark pro gepflanzten Baum. „Dafür hatte ich sechs Wochen Zeit und tatsächlich steht davon heute der eine oder andere große und dicke Baum auch noch“, sagt er. Für ihn sei es als Ratsmitglied selbstverständlich, bei der Aufforstaktion mitzumachen. „Und vielleicht gehe ich in 20 Jahren mit meiner Tochter hier vorbei und sehe die großen Bäume gesund hier stehen, die wir jetzt gepflanzt haben“, sagt er.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort