Musiker aus Hückeswagen Ein Heimspiel mit Jazz und Bier

Wipperfürth/Hückeswagen · Das Konzert der Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr und ihrer großartigen Band am Samstagabend in der Wipperfürther „Alten Drahtzieherei“ war ein voller Erfolg. Vorgestellt wurden Stücke des neuen Albums „Mosaic“.

Die Wasserfuhr-Brüder und Band stellten in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth Songs ihrer neuesten Veröffentlichung vor. Und natürlich gab’s auch Schnaff-Bier.

Die Wasserfuhr-Brüder und Band stellten in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth Songs ihrer neuesten Veröffentlichung vor. Und natürlich gab’s auch Schnaff-Bier.

Foto: Jürgen Moll

Hoffentlich haben es Hückeswagener Lokalpatrioten nicht als Affront aufgenommen, dass die Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr ihr erstes Konzert im neuen Jahr, das in Wipperfürth stattfand, als „Heimspiel“ bezeichnen. Immerhin ist man in Hückeswagen auf die Jazz-Musiker stolz, die bei  dieser Gelegenheit ihr – übrigens ganz hervorragendes – nagelneues Album „Mosaic“ offiziell vorstellten. Und dies in der „Alten Drahtzieherei“ in Wipperfürth. Man kann das auch als Zeichen dafür werten, wie eng die beiden Städte verflochten sind, wie gut man sich versteht und wie wenig dran ist an vermeintlichen Kabbeleien zwischen „Baulemännern“ und „Wittchessäcken“ – und auch dafür, dass es in Hückeswagen derzeit schlicht und einfach keine gut geeignete Location für ein Konzert dieser Größenordnung gibt.

Denn es ist wieder ein großes Ereignis und ausverkauft natürlich, das Konzert in der „Drahte“, das zudem unter dem mittlerweile beliebten „Schnaff-Night“-Motto läuft. Entsprechend groß prangt das Schnaff-Logo auch hinter der Bühne. Und ehe es los geht, läuft doch tatsächlich ein stylischer Schnaff-Werbespot in Schwarz-Weiß, den man sich problemlos auch im Hauptprogramm vor dem Kinofilm vorstellen könnte.

Ums Bier ging es freilich am Samstagabend nur am Rande. Denn immer noch ist es die Musik von Trompeter Julian und Pianist Roman Wasserfuhr, die im Mittelpunkt steht. In der „Drahte“ wurden die beiden von Markus Schieferdecker am Bass, Oliver Rehmann am Schlagzeug, Vitaliy Zolotov an der Gitarre und Paul Heller am Saxophon unterstützt. Gut gelaunt legte das Quintett – zunächst noch ohne Gitarre – mit „Target II“ vom neuen Album los, einem sehr treibenden, beinahe hektischen Stück, das konterkariert wird von „Solitude“, einem Stück, das ebenfalls in der Pandemie entstanden ist, und das vor allem Saxophonist Weller in Bestform zeigt.

Vier Jahre ist es her, dass die Wasserfuhr-Brüder zuletzt in der „Drahte“ gespielt haben. Dazwischen, so unglaublich es ist, liegen nicht nur eine Pandemie, sondern auch ein Betreiberwechsel und eine Jahrtausendflut, welche die Konzert-Location beinahe weggeschwemmt hätte. Um so schöner, dass hier jetzt wieder Musik gemacht werden kann. Die beiden Hückeswagener und ihre in wechselnder Besetzung auf der Bühne mitspielenden Begleiter haben wie gewohnt ein vielfältiges Paket mit älteren und neuen Songs geschnürt. Ein Höhepunkt sind dabei seit jeher die liebevoll arrangierten und sehr charakteristisch gestalteten Cover-Versionen. So etwa „Soulmates“ von Natasha Beddingfield, zu dem Zolotov erstmals auf die Bühne kam.

Der Sound ist insgesamt sehr schön differenziert, wenn gleich der Bass etwas arg wummert und die Feinheiten in Schieferdeckers hervorragendem Spiel manchmal etwas verlorengehen. Das tut der Freude am Zuhören allerdings keinen Abbruch. Und wer schon mal ein Konzert der Wasserfuhr-Brüder erlebt hat, weiß, dass immer alle Musiker mit unbändiger Leidenschaft bei der Sache sind. Das Einsteigen in die Solo-Parts funktioniert stets wie hineinkomponiert, was dann auch für die Improvisationen gilt. Und das führt dann zu begeisterten Spontanapplaus während der Songs, wenn man im Publikum etwa gemerkt hat, dass da gerade etwas ganz Besonderes zusammen entstanden ist, im gemeinsamen Hin- und Herwerfen der solistischen Bälle. Das wird honoriert, lauter als die Band, mit Jubel, Pfiffen und Klatschen. Das wiederum spornt weitere Musiker dazu an, solistisch aktiv zu werden. Und so entsteht nach und nach, erstaunlicherweise nur innerhalb eines einzigen Songs, ein sich gegenseitig hochschaukelndes Etwas, das einen im Publikum nur absolut andächtig staunend zurück lässt. Bis man dann wieder in begeisterten Applaus ausbricht und das Spiel sich entweder wiederholt, oder die Band wieder in die ursprüngliche Song-Struktur zurückfindet.

Diese „Schnaff-Night“ ist ein echtes Heimspiel gewesen. Und die Band hat, um im Bild zu bleiben, dieses Match haushoch gewonnen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort