Hückeswagen: Breite Zustimmung für „Fridays for Future“

Umfrage bei Lokalpolitikern : Breite Zustimmung für „Fridays for Future“

Freitags demonstrieren weltweit Schüler für den Klimaschutz. In Hückeswagen wurde noch nicht demonstriert. Was denken die hiesigen Politiker über das Engagement der Schülerbewegung?

Es ist die Idee einer Einzelnen, die zu einer globalen Bewegung wurde. Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg wollte nicht hinnehmen, dass die Politik nicht genug für den Klimaschutz unternahm. Also ging sie freitags nicht zur Schule – mit dem Ziel, diesen Streik erst dann zu beenden, wenn die schwedische Regierung das Übereinkommen von Paris einhält. Daraus hat sich eine weltweite Bewegung von Schülern und Studierenden entwickelt, die freitags für den Klimaschutz auf die Straße geht. Die Reaktionen der Politik reichten von Häme und Hetze der Klimawandelleugner über Unverständnis bis hin zur Unterstützung.

Natürlich wird die Schülerbewegung auch in der Schloss-Stadt von der Politik beobachtet, selbst wenn in Hückeswagen bislang weder gestreikt noch demonstriert wurde. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Marc von der Neyen bezeichnete das Engagement der Jugendlichen als „vorbildlich“. Es werde von Seiten der Christdemokraten begrüßt und unterstützt. „Durch den Schulstreik haben die Jugendlichen schnell erreicht, dass kontrovers diskutiert wurde“, sagt von der Neyen. Es bleibe indes abzuwarten, ob diese Aktionsform dauerhaft im Interesse der Schüler sei. Schulleitungen und Schulämter sollten seiner Meinung nach einen einheitlichen Maßstab im Umgang mit dieser Protestform finden.

Horst Fink, Ortsvorsitzender der SPD, sieht im Klimastreik gar die Möglichkeit für den Beginn einer neuen politischen Jugendkultur. „Ich bezweifle aber, ob er auf Dauer ein geeignetes Mittel zur Aufmerksamkeit ist. Es ist aber dennoch sehr wichtig, dass die Kampagne für den Klimaschutz so weltweit wahrgenommen wird“, sagt Fink. Der SPD-Ortsvorsitzende vergleicht die Schülerbewegung mit den Studentenprotesten der 68er-Bewegung gegen Vietnamkrieg und Wiederaufrüstung.

Brigitte Thiel, Vorsitzende der FaB-Fraktion, sieht die Notwendigkeit, während der Schulzeit zu streiken als gegeben an: „Die Bewegung hätte wahrscheinlich sonst gar nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie hat“, sagt Thiel. Sie glaubt weiter, dass die Politik vermutlich schneller reagieren würde, wenn sich den Streiks auch Arbeitnehmer anschließen würden.

Shirley Finster, Vorsitzende des Ortsverbands von Bündins 90/Die Grünen, lobt den Weitblick der Jugendlichen. „Anders als die GroKo und die FDP haben die Jugendlichen erkannt, dass es beim Klima- und Umweltschutz um ihre und unsere Zukunft geht. Unser Fraktionsvorsitzender Egbert Sabelek hat die Schüler bei der großen Demonstration am 15. März in Köln unterstützt – und wird auch am 24. Mai wieder dabei sein“, sagt Finster. Die Form des Protests hält sie für richtig: „Wer erfolgreich Kampagne führen will, der schreibt seine Botschaften nicht im Badezimmer auf den Spiegel. Gewerkschaften streiken schließlich auch nicht am Sonntag“, sagt Finster. Sie bewundere die Schüler, die auch nicht dem Durck von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer nachgegeben hätten.

Der FDP-Ortsvorsitzende Jörg Kloppenburg würde lieber von „Demonstrationen während der Unterrichtszeit“ sprechen, als von einem Schulstreik. „Ich habe auch während des diesjährigen FDP-Kreisparteitags darauf hingewiesen, dass ich es für legitim halte, während der Unterrichtszeit zu demonstrieren“, sagt Kloppenburg. Seine Fraktion begrüße das Engagement der Jugendlichen besonders. Allerdings plädiere er dafür, jetzt, wo das Anliegen eine breite Öffentlichkeit erreicht habe, die Schulpflicht wieder in den Vordergrund zu stellen und die Demonstrationen in die außerschulische Zeit zu verlegen. „Aber hauptsächlich empfehle ich den Jugendlichen, sich in den demokratischen politischen Parteien einzubringen, um etwas zu verändern“, sagt Kloppenburg.

Michael Wolter, UWG-Fraktionsvorsitzender, findet es schade, dass die Jugendlichen offensichtlich das Vertrauen in die Politik verloren hätten. „Ich hoffe aber, dass die bei Fridays for Future aktiven Jugendlichen merken, dass man politisch etwas bewegen kann. Vielleicht findet der eine oder andere so den Weg in die Politik“, sagt Wolter. Ein kontinuierliches Verletzen der Schulpflicht hält der UWG-Politiker für nicht angebracht: „Ein Streik ist ein Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen, das ist auch gut so. Wenn man allerdings Regeln fordert, muss man diese auch einhalten.“ Wolter wünscht sich, dass die Mechanismen der Politik zum Thema Umwelt- und Klimaschutz in den Schulen zum Wirken kommen. „Das sollten nicht die Lehrkräfte, sondern die Umweltexperten vor Ort machen“, sagt Wolter.

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