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Hückeswagen: Bewährungsstrafe für Ex-Drogendealer

Hückeswagener vor Gericht : Ex-Drogendealer erhält Bewährungsstrafe – er bereut seine Taten

Weil er seine Drogenkarriere beendet und sein Leben grundlegend geändert hat, ließ das Amtsgericht in Wipperfürth im Falle eines Studenten aus Hückeswagen noch einmal Milde walten.

Wer auf Lehramt studiert und danach auch als Lehrer arbeiten will, sollte nicht unbedingt wegen eines Verbrechens vorbestraft sein. Das ist auch einem 32-jährigen Studenten aus Hückeswagen bewusst, der sich jetzt als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verantworten musste. Die Anklage legte ihm den Handel mit Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ zur Last – und das ist nach dem Strafgesetzbuch ein Verbrechen. Das aber gehöre zu seinem „früheren Leben“, mit dem er inzwischen endgültig abgeschlossen habe, beteuerte der Mann im Prozess.

Heute konsumiere er keine Drogen mehr und könne das auch mit Abstinenz-Tests belegen, sagte der Angeklagte. Denen musste er sich im Vorfeld einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen, um den Führerschein zurück zu bekommen. Der war ihm schon 2016 wegen einer Fahrt unter Drogen-Einfluss abgenommen worden war.

Die ihm zur Last gelegte Tat, die inzwischen über zwei Jahre zurückliegt, leugnete der Hückeswagener nicht. Allerdings sprachen die Beweise gegen ihn auch für sich: Im Mai 2018 hatte die Polizei seine Wohnung in Wiehagen durchsucht und mehr als 220 Gramm Marihuana gefunden. Zirka ein Viertel davon habe er für den eigenen Konsum gekauft, den großen Rest im Auftrag von Freunden und Bekannten, sagte er aus. Durch den Kauf der größeren Menge habe er das Marihuana günstiger bekommen. Das war wichtig für ihn, um seine Sucht finanzieren zu können.

Auf Nachfragen des Richters schilderte er: „Im Zeitraum der Hausdurchsuchung habe ich täglich geraucht, immer etwa ein Gramm am Tag.“ Begonnen habe er mit dem Drogenkonsum schon mit 14 Jahren. Dass auch sogenannte weiche Drogen erhebliche Schäden anrichten und in eine schwere Suchterkrankung führen, wenn sie schon in der Pubertät mit ihren ohnehin gegebenen neurologischen Veränderungsprozessen konsumiert werden, gilt als wissenschaftlich gesichert. „Dass es sich bei Marihuana um eine weiche Droge handelt, heißt eben nicht, dass sie ungefährlich ist“, betonte die Staatsanwältin.

„Manchmal kann es auch gut sein, wenn die Polizei plötzlich vor der Tür steht“, befand der Verteidiger des 32-Jährigen. Bei seinem Mandanten sei das 2018 jedenfalls der Auslöser gewesen, sein Leben grundlegend zu ändern: „Bei ihm hat‘s definitiv Klick gemacht!“ Heute sei der Hückeswagener in einem verantwortungsvollen Leben als Erwachsener angekommen, er habe sich von den früheren Drogenkreisen getrennt und studiere fleißig mit dem Ziel, danach als Lehrer zu arbeiten.

Auch der Richter sprach von einer positiven Sozialprognose. Zu Gunsten des Angeklagten spreche neben seinem Geständnis, dass er nicht vorbestraft ist und mit den Abstinenz-Nachweisen glaubhaft belegen könne, dass er schon lange keine Drogen mehr konsumiert. Insgesamt sei von einem minderschweren Fall des Besitzes von und Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge auszugehen. Das Urteil: Sieben Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Als Auflage muss der Hückeswagener 500 Euro an die Gefährdetenhilfe zahlen. Er nahm das Urteil an, es ist damit rechtskräftig.