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Hückeswagen: Ben Musaeus vom JC Mifune holt Gold bei Special Olympics

Judoka in Hückeswagen : Ben Musaeus holt Gold bei Special Olympics

Drei Kämpfe, drei Siege: Der junge Judoka vom Hückeswagener Judoclub Mifune begeisterte bei den Wettkämpfen in Berlin. Dabei hatte der Wermelskirchener gerade erst eine Corona-Infektion überwunden.

Fast eine Woche lang hatte Ben Musaeus auf seinen großen Einsatz gewartet. In den anderen Sportarten waren die Sieger bereits gekürt, bei den Special Olympics in Berlin hatten Sportler große Triumphe errungen und Niederlagen wegstecken müssen. Am vorletzten Tag durften dann endlich die Judoka auf die Matte. „Und zum ersten Mal entdeckte ich bei Ben eine Spur von Nervosität“, erzählt Vater und Trainer Jörg Musaeus. Während eigentlich er als Trainer die schweißnassen Hände vor dem Wettkampf habe, stehe Ben für gewöhnlich auf, klopfe sich kurz ins Gesicht, hüpfe energiegeladen hoch und starte dann auf der Matte. Dieses Mal war es anders: Umso näher sein Einsatz kam, desto nervöser schien der 20-Jährige zu werden – trotz der unzähligen Wettkämpfe der Vergangenheit und der vielen Titel, die der junge Judoka bereits geholt hat.

Aber die Bedingungen vor dem Wettkampf waren in diesem Jahr auch alles andere als leicht gewesen: Keine zehn Tage, bevor sich Ben Musaeus mit seinem Vater auf den Weg Richtung Berlin machen wollte, zeigte der Schnelltest ein positives Ergebnis. „Corona“, sagt Jörg Musaeus. Die Infektion fesselte den jungen Wermelskirchener, der für den JC Mifune aus Hückeswagen startet, für ein paar Tage ans Bett. Und danach musste er sich mit dem Training noch zurückhalten. „Wir mussten ihn ein bisschen bremsen, weil er sofort wieder durchstarten wollte“, erzählt der Vater. Aber schließlich sei die Gesundheit seines Sohnes immer schon das wichtigste gewesen. Also pausierte der Judoka – so kurz vor dem Wettkampf. „Am Ende war es eine Punktlandung“, sagt Jörg Musaeus. Das negative Testergebnis ließ es zu, dass sich der 20-Jährige und seine Eltern zur Eröffnung der Special Olympics am 19. Juni auf den Weg nach Berlin machten.

 Drei Kämpfe, drei Siege:Ben Musaeus vom JC Mifune zeigte sein Können.
Drei Kämpfe, drei Siege:Ben Musaeus vom JC Mifune zeigte sein Können. Foto: Jörg Musaeus
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4500 Athleten mit und ohne Behinderung kämpften bei den nationalen Sommerspielen in insgesamt 20 Sportarten um die Titel – mittendrin der erfolgreiche Judoka aus dem Bergischen. „Es war eine besondere Atmosphäre“, erzählen Ben und Jörg Musaeus, „wie kleine olympische Spiele“. In der ganzen Stadt habe man die Sportbegeisterung gespürt. Wenn sie abends im Restaurant saßen, wurden sie auf ihre Teilnahme bei den Sommerspielen angesprochen. „Alle waren sehr interessiert, das hat uns total motiviert“, sagt Jörg Musaeus.

 Gold: Ben Musaeus brachte den Titel mit nach Hause.
Gold: Ben Musaeus brachte den Titel mit nach Hause. Foto: Jörg Musaeus

Diese Motivation nahm der junge Sportler dann auch mit auf die Matte: Am Donnerstagmorgen bekam er sportliche Unterstützung an die Seite gestellt – ein anderer Judoka mit Down-Syndrom bot ihm an, sich gemeinsam auf der Matte aufzuwärmen. Er trug dem Sportler aus Wermelskirchen gut gelaunt die Tasche, massierte ihm den Nacken und band den Gürtel. „Das war einfach schön, wie die beiden losgezogen sind“, sagt Jörg Musaeus.

Und am Ende verschwand dann auch die Aufregung: Kaum hatte Ben die Matte betreten, hatte er den Gegner auch schon bezwungen. „Jeder der drei Kämpfe hat kaum 30 Sekunden gedauert“, erzählt Jörg Musaeus. Zuschauer, die sich extra auf den Weg in die Halle gemacht hatten, blieben erstaunt zurück. „Die Freude war hinterher riesig“, erzählen Vater und Sohn.

Vor großem Publikum bekam Ben Musaeus schließlich die Goldmedaille verliehen – ein Erfolg auch für das Bergische Land. „Er trainiert jetzt schon über Jahre mit uns“, erinnert Trainer Eddy Tscheschlog, Trainer und Vorsitzender des Judoclubs Mifune. „Er ist einer der engagiertesten und stärksten Judoka.“ Es sei toll anzusehen, wie sich die Sportler mit und ohne Behinderung im Verein den Rücken stärkten. Jüngst habe Familie Musaeus einen jungen Sportler aus der Ukraine mit zum Training gebracht. „Wir sprechen nicht dieselbe Sprache“, Eddy Tscheschlog, „aber beim Sport haben wir keine Probleme, uns zu verständigen“.

Inzwischen ist Ben Musaeus mit seiner Familie wieder daheim angekommen. Seit vergangenem Jahr arbeitet er in einem Pferdestall in Odenthal. Damals hatte seine Familie einen Aufruf gestartet, weil Ben einen Minijob außerhalb der Werkstätten für Menschen mit Behinderung suchte. Auf einen Fernsehbericht hin hatten sich schließlich mehrere Betriebe mit Angeboten gemeldet, und Ben entschied sich für den Reiterhof. „Er ist dort richtig glücklich“, sagt Jörg Musaeus. Das familiäre Miteinander, die Arbeit in der Nähe der Tiere und häufig unter freiem Himmel mache ihm großen Spaß. Nach getaner Arbeit geht es zu Hause dann aber erstmal auf die Judo-Matte. Die ist schließlich sein Element.