Hückeswagen: Beim Tanzen werden Senioren wieder jung

Seniorennetzwerk und Johannesstift Hückeswagen : Beim Tanzen werden Senioren wieder jung

Das Seniorennetzwerk lud für Samstag erstmals zum Tanz mit und ohne Demenz ins Johannesstift ein.

Der Schlager „Man müsste nochmal zwanzig sein“ von Sänger Willi Schneider signalisierte nicht nur den Auftakt für die neue Tanzveranstaltung im Altenzentrum Johannesstift am Samstagnachmittag. Der Liedtext drückte auch genau das aus, was die Teilnehmer fühlten. Dabei war es gar nicht nötig, jünger zu sein, als man eigentlich ist. Tanz-Motivator Stefan Kleinstück aus Köln verstand es, die Bewohner des Altenzentrums wie auch die Besucher aus der Stadt zu animieren. Ob Walzer oder Foxtrott – die Bewegung zur Musik und das gemütliche Miteinander im Mehrzweckraum machte allen Beteiligten sichtlich große Freude.

Bei der Polonaise zur „kölschen“ Musik stellten dann auch weder der Rollator noch der Rollstuhl ein Hindernis dar. „Ich habe früher für mein Leben gerne getanzt“, sagte Gertrud Ludewig, die für den Tanznachmittag aus Kleineichen ins Johannesstift gekommen war. „Ich finde es wunderschön, dass etwas für die Älteren gemacht wird“, fügte die 89-Jährige hinzu.

Das Motto des Nachmittags lautete „Tanzen mit und ohne Demenz“. „Mit der Initiative ‚Wir tanzen wieder’ bieten wir regelmäßig solche Veranstaltungen in Tanzschulen, aber auch in Altenheimen an“, berichtete der 57-jährige Kölner, der die älteren Damen am Samstag reihenweise zum Tanz aufforderte und ihnen damit ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Von Berührungsängsten keine Spur. „Wenn ich die hätte, dann wäre ich hier fehl am Platz“, sagte Kleinstück.

Tanzen ist für ihn mehr als perfekt aneinandergereihte Schritte. „Auch Schnipsen und mit dem Fuß zum Takt wippen zählen dazu“, fügte der Standardtänzer hinzu. Organisiert und ins Leben gerufen wurde das Angebot vom Seniorennetzwerk Hückeswagen. Diana Hintemann, Pflege- und Seniorenbeauftragte der Stadt, kann sich eine regelmäßige Wiederholung der Tanzveranstaltung durchaus vorstellen. „Die Hückeswagener tun sich oft schwer damit, Neues anzunehmen. Aber wir werden nicht nach dem ersten Mal aufgeben“, sagte sie zu Beginn der Veranstaltung, als der zum Ballsaal umfunktionierte Raum noch recht leer war.

Die frühe Startzeit von 14.30 Uhr war vielleicht etwas unglücklich gewählt. Erst nach und nach trudelten die Senioren nach der Mittagsruhe und der Tasse Kaffee im Mehrzweckraum ein. Zum Schluss waren es an die 30 Teilnehmer, die ihrer Freude am Tanzen freien Lauf ließen, einfach nur zuschauten oder sich den bereitstehenden Wein schmecken ließen.

Den Aufforderungen von Stefan Kleinstück und den flotten Rhythmen waren sie schnell erlegen. Auch Heimbewohnerin Elisabeth Schneppe wagte ein Tänzchen. „Es ist schön, meine Schwester wieder lächeln zu sehen, sie war so traurig“, sagte Otti Kremer aus Wipperfeld. Die 90 Minuten vergingen wie im Flug. „So ist das“, witzelte Stefan Kleinstück. „Tanzbeziehungen sind immer sehr kurz, aber intensiv.“