Hückeswagens größter Arbeitgeber Klingelnberg präsentiert sich in Bestform

Hückeswagen · Erneut gute Nachrichten von Hückeswagens größtem Arbeitgeber: Die Klingelnberg-Gruppe hat ein „außerordentlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2023/24“ hinter sich. So wurde das ohnehin schon „beeindruckende“ Vorjahresergebnis übertroffen, bei den Auftragseingängen gab‘s einen historischen Höchststand.

Die Firma Klingelnberg ist Hückeswagens größter Arbeitgeber. Hier der Standort an der Peterstraße vom Montanuskreisel aus gesehen, einen eiteren in der Schloss-Stadt gibt es in West 2 bei Scheideweg.

Die Firma Klingelnberg ist Hückeswagens größter Arbeitgeber. Hier der Standort an der Peterstraße vom Montanuskreisel aus gesehen, einen eiteren in der Schloss-Stadt gibt es in West 2 bei Scheideweg.

Foto: Stephan Büllesbach

In dreieinhalb Wochen jährt sich zum dritten Mal eine Katastrophe, die bis dato unvorstellbar erschien und die vor allem Hückeswagens größten Arbeitgeber am Standort Peterstraße schwer traf: das Kostenpflichtiger Inhalt Wupper-Hochwasser infolge des 24-stündigen Starkregens. Die Folgen für das Unternehmen waren derart heftig, dass kurzzeitig sogar eine Insolvenz im Raum stand, die aber abgewendet werden konnte. Der Schaden jedoch war immens: Das Wasser hatte beinahe das ganze Betriebsgelände überflutet und vor allem in den nahe der Wupper stehenden Hallen die eigenen Maschinen, aber auch die zum Transport vorbereiteten Maschinen stark beschädigt und teils zerstört. Die Katastrophe hatte für Schäden in Höhe von gut 65 Millionen Euro gesorgt.

Doch das ist Schnee von gestern. In ihrem Bericht zum Geschäftsjahr 2023/24, das am 31. März abgelaufen war, verwiesen Geschäftsführer (CEO) Jan Klingelnberg und Finanzvorstand (CFO) Christoph Küster am Donnerstag wieder auf teils beeindruckende Zahlen. „Die Klingelnberg-Gruppe, ein weltweit führender Hersteller von Hochtechnologie im Bereich der Verzahntechnik für eine Vielzahl von Branchen, verzeichnete bei den Auftragseingängen zum dritten Mal in Folge einen historischen Höchststand und konnte das bereits beeindruckende Vorjahresergebnis mit einem Volumen von rund 311,4 Millionen Euro nochmals übertreffen“, heißt es in dem Bericht. Das ist ein Plus von elf Millionen Euro. Der Auftragsbestand stieg um weitere drei Prozent an.

Ein Plus verzeichnete auch das operative Ergebnis (EBIT): Der Gewinn vor Steuern stieg ebenfalls nochmals von rund 23,8 Millionen in 2022/23 auf 25,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023/24 an. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich zum Stichtag 31. März 2024 um drei Prozentpunkte auf 47,5 Prozent, womit die Unternehmensgruppe ihre stabile Finanzlage weiter gestärkt hat. „Zu diesem großen Erfolg trug vor allem bei, dass sich Klingelnberg im Zukunftsmarkt Windenergie und dem weltweiten Automobilmarkt – sowohl bei reinen Elektroantrieben als auch Hybridantrieben – international eine herausragende Position erarbeitet hat“, berichteten Klingelnberg und Küster.

 Philipp Kannengießer soll zum 1. September neuer Geschäftsführer (CEO) der Klingelnberg-Gruppe werden.

Philipp Kannengießer soll zum 1. September neuer Geschäftsführer (CEO) der Klingelnberg-Gruppe werden.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Das Unternehmen beabsichtigt, den Aktionären auf der bevorstehenden Hauptversammlung am 20. August eine Dividende in Höhe von 0,50 Schweizer Franken pro Aktie vorzuschlagen, was einer Erhöhung von 25 Prozent entspricht. Die Aktien der Klingelnberg-Gruppe mit ihrem Hauptsitz in Zürich werden an der Schweizer Börse (SIX) gehandelt, der drittgrößten in Europa.

Jan Klingelnberg betonte: „Die strategische Ausrichtung erweist sich als treffsicher, und die Produkte unseres Hauses werden zweifellos als Spitzenklasse auf globaler Ebene anerkannt.“ Der Markterfolg unterstreiche eindrucksvoll, dass Klingelnberg vieles richtig mache. Denn während viele europäische Maschinenbauunternehmen Schwächen im Auftragseingang zu verzeichnen hätten, bliebe Klingelnberg davon unberührt. „Das Unternehmen präsentiert sich heute in Bestform“, unterstrich der CEO. Eine Tatsache, die auch im Geschäftsjahr 2023/24 ihre Bestätigung gefunden habe. „Dies geschah trotz des Fakts, dass weder die Marktsituation noch die geopolitischen Umstände dem Unternehmen zusätzlichen Schub verliehen haben.“

Die gute globale Diversifizierung von Klingelnberg hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahr dazu geführt, regionale Marktschwächen zu kompensieren. So ist das Unternehmen in Märkten wie Indien, China, Nordamerika erfolgreich unterwegs. 55,5 Prozent des Umsatzes erzielte es in Asien, weitere 31,1 Prozent in der EMEA-Region (Europa, Arabien, Afrika).

Zum 1. September, im Anschluss an die Generalversammlung 2024, soll ein langfristig geplanter Wechsel in der Geschäftsführung des Unternehmens vollzogen werden: Jan Klingelnberg, CEO und Delegierter des Verwaltungsrats der Klingelnberg-Gruppe, wird sich dann auf seine Aufgaben im Verwaltungsrat der Gesellschaft konzentrieren. Philipp Kannengießer, COO (Leiter des operativen Geschäfts) und Mitglied der Geschäftsleitung der Klingelnberg-Gruppe, wird seine Nachfolge als CEO antreten. Verwaltungsratspräsident Dr. Jörg Wolle: „Wir danken Jan Klingelnberg für 20 Jahre äußerst erfolgreiche Führung der Klingelnberg-Gruppe.“ In seiner Zeit sei das Unternehmen eindrucksvoll gewachsen und habe seine strategische Ausrichtung auf Zukunftsmärkte bestens gemeistert. „Auch Rückschläge, wie Corona und die Überflutung des Hauptwerks, hat das Unternehmen unter seiner Führung gut verkraftet.“

Der CEO-Wechsel zu Kannengießer war von langer Hand vorbereitet und geht mit einer Verschlankung der Geschäftsleitung einher. „Er hat seine erfolgreiche Karriere im internationalen Maschinenbau bei Klingelnberg fortgesetzt und in den letzten zwei Jahren durch die Bank überzeugt“, bestätigte Wolle. „Auch hier sind wir überzeugt, die Weichen für die Zukunft richtig gestellt zu haben.“

Für das Geschäftsjahr 2024/25 erwartet Klingelnberg nun erneut einen erfolgreichen Geschäftsverlauf, bei voller Auslastung. „Der Umsatz wird voraussichtlich leicht steigen, die EBIT-Marge wird erneut über acht Prozent liegen“, heißt es im Jahresbericht.