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Hückeswagen: Auf Erkundungstour zu den Libellen

Natur pur in Hückeswagen : Auf Erkundungstour zu den Libellen

Zusammen mit Libellen-Experte Wolfgang Schäfer erkundeten mehrere Teilnehmer Einer Exkursion an den Tümpeln in Steffenshagen die Artenvielfalt und Lebensweise der Libellen. Ein spannender Einblick.

Schon vor 320 Millionen Jahren flogen die Vorfahren der heutigen Libellen durch die Sumpfwälder der Karbonzeit – darunter Exemplare mit einer Flügelspannweite von bis zu 60 Zentimetern. Inzwischen sind die Libellen erheblich geschrumpft, aber immer noch wunderschön, weshalb sie auch als „schillernde Juwelen der Lüfte“ bezeichnet werden. Unter diesem Titel bot der Wupperverband zusammen mit der Biologischen Station Oberberg eine spannende Exkursion für Naturinteressierte an.

Wolfgang Schäfer führte die Teilnehmer an die Tümpel, die der Wupperverband in Steffenshagen als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Wupper-Talsperre angelegt hatte. Hier finden die Libellen einen idealen Lebensraum – allein sieben unterschiedliche Arten hat der Libellen-Experte an den Tümpeln bereits entdeckt. Den Teilnehmern bot sich das beeindruckende Bild eines idyllischen Biotops mit großer Insektenvielfalt und einem quirlig regen Treiben.

Pechlibelle Foto: Wolfgang Schäfer

Die Libellen ließen sich von den Beobachtern jedoch nicht stören und boten ihnen detailreiche Fotomotive. An den Schilfhalmen am Ufer fanden sich Exuvien – die abgestreifte Hülle der Häutungstiere. Die Blutrote Heidelibelle posierte regelrecht vor der Kameralinse, und ein Paar der Großen Pechlibelle gewährte einen Einblick in den komplizierten Paarungsakt, bei dem die beiden Körper ein herzförmiges Paarungsrad bilden.

Hufeisen-Azurjungfer beim Paarungsakt Foto: Wolfgang Schäfer

Weltweit gibt es 5800 Libellenarten, 35 davon hat Wolfgang Schäfer im nördlichen Oberbergischen Kreis entdeckt und dokumentiert. Seit mehr als 20 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im Bergischen Naturschutzverein und beobachtet Libellen, Schmetterlinge, Pflanzen und Reptilien. Ein Zeichen des Klimawandels ist das Auftauchen der Feuerlibelle, die Schäfer schon im Dhünntal gesehen hat. „Sie kommt aus dem Mittelmeerraum. Vor 20 Jahren gab es sie hier noch gar nicht“, berichtet der Naturfreund.

Heimische Libellen: Blutrote Heidelibelle (gr. Foto), Pechlibelle (o.), Hufeisen-Azurjungfer (M.) und Mosaikjungfer (u.). Foto: Wolfgang Schäfer

An den Tümpeln in Steffenshagen ließen sich besonders gut die waghalsigen Flugmanöver der grazilen Insekten beobachten. Sie können in der Luft stehenbleiben, rasant beschleunigen und sogar rückwärts fliegen. Trotz der sechs Beine können Libellen nicht laufen, wohl aber ihre Landeposition korrigieren. Die grazilen Beine greifen zudem nach Insekten, von denen sich die Libellen ernähren.

Mosaikjungfer Foto: Wolfgang Schäfer

Nach dem komplizierten Akt der Paarung erfolgt die Eiablage. Die Heidelibellen werfen noch in Tandemstellung ihre Eier über der Wasseroberfläche ab, wobei das Männchen diesen Vorgang begleitet, um herannahende Konkurrenten zu vertreiben. Die Larven leben im Wasser und häuten sich mehrmals, bis sie als Libelle zum Jungfernflug antreten. Exkursionsteilnehmer Manfred van Wahden hat das Schlüpfen der Libelle schon am eigenen Gartenteich beobachten und fotografieren können. „Libellen sind sehr spannend zu beobachten“, sagt auch Schäfer.

Die vor etwa 30 Jahren angelegten Tümpel wurden zunächst der Natur überlassen und wucherten komplett zu. „Es kam kein Sonnenstrahl mehr bis ans Wasser“, erinnert sich Schäfer an den überhandnehmenden Wildwuchs. Der Wupperverband regulierte, ließ die Fläche freischneiden und legte eine Obstbaumwiese an. Seitdem sind auch die Libellen zurückgekehrt. Schäfer ist froh über diese Aktion. „Früher dachte ich, Naturschutz heißt, nicht einzugreifen. Aber wir haben eine Kulturlandschaft, die sich über Jahre entwickelt hat“, betont der Wipperfürther. Mit Sorge beobachtet er hingegen den schleichenden Rückgang der Insektenpopulation und denkt dabei besonders an die nachfolgenden Generationen. „Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Friday-for-Future-Jugend sich der Sache sehr bewusst ist“, zeigt sich Schäfer optimistisch.

Außer in Steffenshagen befinden sich auch im nahegelegenen Hammerstein mehrere Tümpel, an denen die Libellen im Sommer bevorzugt tagsüber beobachtet werden können. „Wer anfängt, sich dafür zu interessieren, dem eröffnet sich eine ganz neue Welt“, motiviert der Experte zu weiteren Exkursionen in die Natur. Angst haben brauche imÜbrigen niemand vor den schillernden Flugkünstlern, denn sie seien völlig harmlos und könnten nicht stechen.