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Hückeswagen: Anwohner beschweren sich über die Jagd

Jagdrevier : Anwohner beschweren sich anonym über einen Jagdpächter

In einem Hückeswagener Jagdrevier soll der zuständige Jagdpächter eine unverhältnismäßige Jagd betreiben. So lautet der Vorwurf einiger Anwohner. Die zuständigen Behörden sehen das aber ganz anders.

Man mag kaum glauben, was Anwohner im Bereich Heidt, Junkernbusch, Winterhagen, Westhofen und Scheideweg berichten: Immer wieder soll dort der zuständige Jagdpächter eine völlig unverhältnismäßige Jagd betreiben. „Hier wird massiv gejagt, bis ins Wohngebiet rein, der Jäger ist ständig präsent“, lautet der Vorwurf einer Anwohnerin, die sich nach eigenen Angaben stellvertretend für einige andere Bürger gemeldet hat, ihren Namen aber nicht nennen will. Man wundere sich, welche Lobby ein solcher Jäger habe. „Wir finden, dass das mit Bejagung nichts mehr zu tun hat, wir fühlen uns als Bürger nicht mehr sicher“, sagt die Anwohnerin. Auch nachts und am frühen Morgen werde geschossen, seit einiger Zeit mit Schalldämpfer. Vor allem Hundebesitzer berichteten immer wieder von Schüssen. Auch Kinder und Jugendliche könnten sich ruhigen Gewissens in der freien Natur nicht mehr aufhalten. „Das hat hier Dimensionen erreicht, die viele nicht mehr ertragen können“, berichtet die Leserin.

Die Vorwürfe der Anwohner stoßen bei allen beteiligten Behörden auf Unverständnis: Den Leiter des Hegerings, Johannes Meyer-Frankenfeld, beschäftigt das Thema seit einigen Wochen. Zu beanstanden gebe es nichts. „Das ist ein ganz normales Jagdverhalten in diesem Revier“, betont er. Er sei selbst Anwohner rund um das geplante Industriegebiet West III. Natürlich finde dort Jagd statt, und die ende nun auch schon mal am Gartenzaun der Bürger, ziehe sich aber nicht weiter auf befriedetes Gebiet. An den Vorwürfen der Anwohner sei nichts dran. Die Sorgen seien völlig unbegründet. In Hückeswagen habe er so etwas noch nicht erlebt. Und wenn die Bewohner behaupten würden, es handele sich mittlerweile um ein wildfreies Gebiet ganz ohne Rehe stimme das nicht. Gerade Richtung Heidt gebe es häufiger Rehe zu sehen. Außerdem würden 2019 die Bauarbeiten für West III beginnen, da sei es mit der Jagd dort ohnehin vorbei. In der Nähe von Wohnlagen zu jagen, sei immer schwierig, gerade in solchen Arealen seien Schalldämpfer erlaubt, um die Anwohner nicht zu beunruhigen. Für ihn laufe dort alles im gesetzlichen Rahmen und durch das Landesjagdgesetz gesichert ab.

Völlig überrascht von den vehementen Vorwürfen ist auch der betroffene Jäger, der sich das Revier mit einem Kollegen teilt. Sie haben das betroffene Revier 2012 gepachtet, wollen sich aber zu den Vorwürfen nicht öffentlich äußern und schließen sich den Ausführungen der Unteren Jagdbehörde an. Und die zuständige Behörde teilte mit, dass das Kreisordnungsamt bisher telefonisch von einigen Bürgern aus dem betreffenden Revier kontaktiert wurde, denen die Sach- und Rechtslage erklärt wurde. Und die sieht gemäß Paragraph 1 Bundesjagdgesetz (BJG) vor, dass das Jagdrecht die ausschließliche Befugnis beinhaltet, auf einem bestimmten Gebiet (Jagdbezirk) wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Die Jagdausübung erstrecke sich auf das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild. „Hierbei haben die Jagdausübungsberechtigten eigenverantwortlich das Recht, unter Beachtung der jagdrechtlichen Vorschriften jederzeit die Jagd auszuüben. Eine Anzeige bei einer Behörde oder sonst wo ist weder vorher noch nachher erforderlich“, teilt die Behörde mit. Insoweit sei die Untere Jagdbehörde auch nicht befugt, in dieses Recht, soweit nicht klare Verstöße gegen das Jagdrecht vorliegen, einzugreifen. „In Bezug auf eine mögliche Gefährdung wurden die Anrufer darüber informiert, dass sie die Möglichkeit haben, in einem solchen Fall Anzeige bei der Polizei zu erstatten“, teilt Kreispressesprecherin Iris Trespe mit.

Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt der Stadt Hückeswagen und dem zuständigen Hegeringleiter seien dort auch keine außergewöhnlichen Aktivitäten durch die Jäger bekannt. Der in Rede stehende Jagdpächter habe auf Nachfrage von Einzelabschüssen berichtet, die zudem mit Schalldämpfer erfolgt seien. „Dies wird auch vom Hegeringleiter bestätigt, der in unmittelbarer Nähe zu der Örtlichkeit wohnt“, schreibt Iris Trespe in einer Stellungnahme des Oberbergischen Kreises.