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Hückeswagen: Als im Januar 2017 der Orkan "Kyrill" wütet

Hückeswagen im Januar 2007 : „Kyrills“ zerstörerische Kraft sorgt für Verwüstungen

Donnerstag, der 17. Januar 2007, ist vielen in Erinnerung geblieben. Wütete damals doch ein Orkantief auch über der Schloss-Stadt und hinterließ große Schäden.

Es ist später Nachmittag an diesem Donnerstag: Erst knackt es, dann kracht es – wie in Zeitlupe kippt ein riesiger Baum aus dem Schlosshagen auf die Bahnhofstraße. Zu diesem Zeitpunkt sind weder Autofahrer noch Fußgänger unterwegs, lediglich das Werbeschild einer Immobilienfirma wird beschädigt. Ebenfalls Glück im Unglück: Der Baum stürzt in eine Häuserlücke und streift lediglich ein Fachwerkhaus. Der aufgeweichte Boden des Hangs unterhalb des Schlosses in Kombination mit der enormen Wucht des Orkans „Kyrill“ hat ganze Arbeit geleistet – und zwar überall im Hückeswagener Stadtgebiet.

Es ist der 18. Januar 2007, als das Orkantief eine Schneise der Verwüstung durch Westdeutschland zieht. Ganze Wälder, vor allem im Sauerland, werden dem Erdboden gleichgemacht. In erster Linie die Fichten haben dort, aber auch in Hückeswagen der unglaublichen Kraft des Windes nichts entgegenzusetzen und werden eine nach der anderen entwurzelt. Etwa an der Wupper-Vorsperre, wo der Weg tagelang wegen der umgestürzten Bäume nicht begehbar ist. Weil der „bergische Brotbaum“ viel Wasser benötigt und daher über breite, aber nicht tief gehende Wurzelballen verfügt, hat „Kyrill“ an diesem Tag leichtes Spiel mit ihm. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) werden mehrere Tage im Dauereinsatz sein, um alle Gefahren wieder zu beseitigen.

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  • Britta Schulz, Thomas Hegmann, Frank Sundermann,
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Alle Hückeswagener Schulen haben den Unterricht früher als geplant beendet. „Wir hatten viele Anrufe besorgter Eltern“, berichtete Ingelore Jacobs, zu der Zeit Schulleiterin der Wiehagener Grundschule. Aus Sicherheitsgründen habe sie beschlossen, den Unterricht nach der vierten Stunde, um 11.30 Uhr, enden zu lassen. „Denn selbst das Spielen auf dem Schulhof ist eine Gefahr“, sagt sie am Mittag. Die Warnungen der Experten im Vorfeld haben viele Hückeswagener offenbar beherzigt und bleiben schon am Vormittag zu Hause. Das ist auch auf dem Wochenmarkt zu spüren, wo kaum Kundschaft zu sehen ist. Da ist‘s aber nur windig, stürmisch wird‘s dann gegen Mittag.

Der erste umgestürzte Baum wird aus Dörpmühle gemeldet, dann rückt die Feuerwehr fast im Minutentakt aus, um beispielsweise in Pixberg, Hambüchen, Mühlenberg oder an der „Zornigen Ameise“ umgeknickte Bäume zu zersägen und von der Straße oder von Stromleitungen zu ziehen. In Höhe Buchholz liegt gegen 18 Uhr ein Baum auf der viel befahrenen Bundesstraße 483 Richtung Radevormwald; hier geht erst einmal nichts mehr. In Kobeshofen wird eine Frau schwer verletzt. Sie hat versucht, einen Baum, der auf die B 237 gestürzt war, wegzuziehen. Als das nicht klappt, wählt sie den Notruf. Während des Gesprächs kommt wieder starker Wind auf, und eine Orkanböe erfasst den Stamm, der die Frau überrollt.

Das wahre Ausmaß der Schäden im Stadtgebiet wird erst tags drauf sichtbar. Sturmschäden gibt es etwa auch auf dem Friedhof und im Stadtpark. Sie alle sind so umfangreich, dass der Bauhof sie nicht allein beseitigen kann. Die Stadt muss auch Fremdfirmen dafür einsetzen, zumal in einigen Fällen Spezialgerät benötigt wird, über das der Bauhof nicht verfügt. Die dafür veranschlagten Kosten betragen 30.000 Euro.

Doch die Natur half sich anschließend selbst. Flächen, die nach „Kyrill“ nicht wieder aufgeforstet wurden, holte sich der Wald durch Verjüngung zurück. In manchen Teilen hat sich verstärkt die Birke durchgesetzt. Vermehrt wurden Laubbäume, vor allem die Rotbuche, neu gepflanzt. Dazu wurden Nadelhölzer wie Douglasien und Schwarzkiefern verwandt – Baumarten, die weniger Wasser brauchen und denen mögliche wärmere Sommer weniger ausmachen als der Fichte.