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Hückeswagen: Aerosole machen den Sängern das Proben schwer

Hückeswagener Chöre leiden besonders unter der Corona-Krise : Aerosole machen Sängern Proben schwer

Noch nicht alle Hückeswagener Chöre haben den Probenbetrieb wieder aufgenommen. Die Corona-Auflagen sind hoch und stellen für die Gesangsvereine und Chorleiter eine große Herausforderung dar.

In normalen Zeiten gilt das gemeinsame Singen als eine sehr gesunde Angelegenheit. Jetzt schätzen es Ärzte allerdings als eher gefährlich ein, da sich das Coronavirus über die ausgestoßenen Aerosole verteilen und durch das tiefe Einatmen in die Lungen eindringen kann. Große Abstände müssen eingehalten werden, die in den gewohnten Probenräumen kaum eingehalten werden können. Die Stadt bot Hilfe an und stellte den Chören für ihre Proben das Forum kostenfrei zur Verfügung. Dennoch haben noch nicht alle Hückeswagener Chöre aus Unsicherheit wieder mit der Probenarbeit begonnen.

Chorgemeinschaft Straßweg Auf eine Art Schichtbetrieb setzte die Chorgemeinschaft Straßweg bei ihrer ersten Probe seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Ende Juli. „Wir haben mit vier Stimmen und je zwei Sängern pro Stimme jeweils 40 Minuten geprobt, danach wurde für zehn Minuten gelüftet“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Ralf Schulte an den Wiedereinstieg. Jeder Sänger war alle 14 Tage an der Reihe. „Das waren sehr intensive Probe.“. Ab dem 31. August durfte wieder der gesamte Chor antreten – dann jedoch im Forum und nach der Klärung des Hygiene-Konzepts.

Die erste Probe der Joyful Gospels fand Ende August auf einer großen Wiese statt. Foto: Klaus Scheid / Joyful Gospels

Vollständig ist der Männerchor bis heute nicht, da auch viele ältere Sänger und jüngere aus den Risikogruppen der Chorgemeinschaft angehören. „Für sie wäre die Chorprobe zu riskant“, zeigt Schulte Verständnis. Durch die Auszeit fehlen dem Chor Einnahmen und Ziele, auf die sie hinarbeiten können. Das geplante Weihnachtskonzert in der Pauluskirche musste ebenso abgesagt werden wie das Sommerfest in Straßweg. „Unser einziger und letzter Auftritt in diesem Jahr war beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters“, bedauert Schulte. Trotzdem soll weitergeprobt werden, auch wenn das Singen mit Abstand extrem anstrengend ist. „Singen lohnt sich immer“, ist der Vorsitzende überzeugt.

Joyful Gospels Verteilt auf einer großen Wiese hatte sich der gemischte Chor Ende August zur ersten Probe getroffen. Danach wich auch er auf das Forum aus. „Wir haben angefangen mit einem Abstand von vier Metern“, berichtet Vorsitzender Klaus Scheid. Die Kapazität des Forums sei dabei mit 15 Personen erschöpft gewesen. Durch die Lockerungen der Auflagen probte der Chor danach mit nur noch halb so viel Abstand und etwa 20 Sängerinnen und Sängern. Aufgrund der gestiegenen Fallzahlen pausiert der Chor derzeit wieder.

„Der Aufwand ist schon sehr groß“, berichtet Scheid. Vor jeder Chorprobe wurde eine Teilnahmeumfrage per „Doodle“ gestartet und die Stühle mit den jeweiligen Namen versehen und anschließend desinfiziert. Durch den enormen Abstand sei es für die Sänger praktisch eine Soloprobe gewesen. „Man hat nichts von den anderen gehört“, sagt der Gospelsänger. „Es war trotzdem schön, mal wieder zu singen.“

Das geplante Konzert im November musste Joyful Gospels ebenso absagen wie die Chorfahrt im März. Stattdessen waren die Choristen digital aktiv und hatten sich an der Initiative „Der größte Chor des Westens“ beteiligt, zu dem der Chorverband NRW aufgerufen hatte. Jedes Chormitglied konnte das Lied „Ode an die Freude“ singen und als Video aufnehmen, was später zu einem Gesamtwerk zusammengeschnitten wurde. „27 Leute haben von uns teilgenommen, damit war Hückeswagen an den 225 Videos der Sparte ,Klassik’ zu zehn Prozent beteiligt“, betont Scheid stolz. Für digitale Proben vor dem PC fehle es definitiv an vernünftigen, technischen Möglichkeiten. Der Vorsitzende sieht die Corona-Krise zudem als Gefahr für die Existenz der Chöre, wenn der Zustand zu lange andauert. Nach den Herbstferien soll über die Fortführung der Proben entscheiden werden.

Evangelische Kirchenmusik Im Gottesdienst dürfen die Gemeindemitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde noch nicht wieder singen. Kantorin Inga Kuhnert hat die Proben mit den Musik- und Gesangsgruppen dennoch im Juni wieder aufgenommen. Der Kinderchor „Paulusspatzen“ trifft sich im Gemeindezentrum. Statt zu singen, kommen Rhythmusinstrumente zum Einsatz, zu denen die Kinder summen. Jugendchor, Kantorei und „Vocale“, wie der Kammerchor nach seiner Umbenennung nun heißt, proben in Kleinstgruppen.

„Die Proben sind total anders als sonst. Ich muss gucken, was möglich ist“, sagt die Kantorin. Wichtig sei es, am Ende der Probe ein fertiges Ergebnis zu haben. Dazu werden kleinere Stücke einstudiert. Eine besondere Herausforderung ist das Konzert zum Volkstrauertag im November mit achtstimmigen Stücken, für das derzeit auf der Empore der Pauluskirche geprobt wird. Die Sänger seien dankbar für die Möglichkeit. Es sei wichtig, am Ball zu bleiben, meint die Chorleiterin. „Wer weiß, wie lange es noch dauern wird. Wir können nicht alles auf Eis legen“, sagt Inga Kuhnert. Sie hat Verständnis für alle Sängerinnen und Sänger, die nicht zur Proben kommen, weil sie sich Sorgen um die eigene Gesundheit oder die ihrer Angehörigen machen.

Pfarrcäcilienchor Der Kirchenchor der Katholischen Kirchengemeinde nutzt die Corona-Zeit für die Suche nach einem neuen Dirigenten oder einer neuen Dirigentin. „Leider bisher erfolglos“, bedauert Vorsitzende Ursula Klatt.

Modern Generation Die Chorgemeinschaft Modern Generation hat die Probenarbeit noch nicht wieder aufgenommen. „Wir suchen noch nach Möglichkeiten, die alle Beteiligten bestmöglich schützen“, sagt die Vorsitzende Stefanie Gotzmann-Hessel.