Hückeswagen: Ab sofort wird der Waldorfkindergarten gebaut

Neue Betreuungsform in Hückeswagen : Hier entsteht der Waldorfkindergarten

Seit Freitag liegt der Bauantrag vor. Jetzt können die Arbeiten auf dem Gelände an der Ewald-Gnau-Straße beginnen. In der „Zwergenbande“ sollen zwei Gruppen mit jeweils 20 Kindern von sieben bis acht Erzieherinnen betreut werden.

Die Baustelle an der Ewald-Gnau-Straße nimmt konkrete Formen an: Das Areal, auf dem die neue Waldorfkindertagesstätte errichtet wird, ist mit Holzplanken deutlich erkennbar eingegrenzt. Ein Bagger steht mitten im Lehm. Es kann endlich losgehen, denn seit Freitag liegt der als Verein eingetragenen Elterninitiative „Zwergenbande“ der Bauantrag vor. „Wir haben alles vorbereitet, was möglich und erlaubt ist, denn wir waren gezwungen, zu warten“, sagt Nicola Nocon, die die Leitung übernehmen wird. Eigentlich sollte die Einrichtung nach den Sommerferien öffnen, doch trotz der Verzögerung halten die Eltern an einem Eröffnungstermin im Herbst fest. „Wir haben das den Eltern auch so kommuniziert“, berichtet Nicola Nocon.

Für eine bessere Eingewöhnung der Mädchen und Jungen und für ein gutes Kennenlernen soll es im Vorfeld eine Gruppe im privaten Rahmen geben, ähnlich wie in der schon jetzt bestehenden Krabbelgruppe, die sich dienstags, 15.30 bis 16.30 Uhr, trifft. Noch sind Anmeldungen möglich. Erste Zusagen wird die Stadt nach Angaben von Nicola Nocon per Post zum 31. Januar verschicken.

30 bis 40 Kinder werden die neue Einrichtung künftig besuchen – verteilt auf zwei Gruppen. „Wir müssen jetzt schauen, wie die weitere Resonanz ist“, sagt Nicola Nocon. Gerade für Hückeswagener Kinder gibt es aber noch gute Chancen auf einen Platz in der ersten Waldorf-Kita der Schloss-Stadt überhaupt. Wichtig ist der künftigen Leiterin, dass die „Zwergenbande“ altershomogen startet. „Wir müssen eine Altersstruktur aufbauen, können nicht nur ganz junge Kinder aufnehmen, gerade Ältere haben deshalb noch gute Chancen“, berichtet Nicola Nocon, die seit einer Woche offiziell über den Verein angestellt ist, um sich um alle organisatorischen Dinge zu kümmern.

Personell hat die „Zwergenbande“ keine Probleme, denn es haben sich bereits zahlreiche Bewerberinnen gemeldet, mit denen auch schon Bewerbungsgespräche geführt wurden. „Leider nur Frauen, dabei würden wir gerne auch Männer im Team haben“, sagt Nicola Nocon. Einige Bewerberinnen machen zurzeit Hospitationen im Waldorfkindergarten „Zaunkönig“ in Bergisch Born. „Einige sind Waldorfanfängerinnen mit oder ohne Zusatzqualifikation“, berichtet die künftige Leiterin. Sie geht davon aus, dass zum Start sieben bis acht Bewerberinnen zum pädagogischen Stammpersonal gehören werden.

Nicola Nocon macht derzeit freiwillig eine Zusatzqualifikation zur „Fachwirtin für Kitas“, um das nötige Wissen für die Leitung einer Einrichtung zu bekommen. „Das macht Sinn“, sagt sie. Immerhin habe sie zehn Jahre in der Pädagogik gearbeitet, jetzt gebe es für sie wesentlich flexiblere Aufgabenbereiche. „Die Fortbildung macht Spaß, und es gibt einen guten Austausch“, sagt sie. Eine künftige Kollegin wurde bereits eingestellt, sie absolviert gerade ihre Waldorf-Zusatzqualifikation in Dortmund.

 Die Vergabe des Rohbaus hatten die Eltern zusammen mit Architektin Claudia Braun und Udo Clemens, Geschäftsführer des Waldorfschulvereins in Bergisch Born, wohlweislich schon rechtzeitig abgeschlossen, so dass die Firmen jetzt sofort loslegen können. „Es bleibt spannend, und wir hoffen, dass das Wetter mitspielt“, sagt Nicola Nocon und lässt ihren Blick über das Gelände schweifen. Das Areal umfasst auch den Hügel in Richtung Bolzplatz, die dortigen Bäume sind wichtige Schattenspender für den Waldorfkindergarten. Der Elternverein wird mit der Stadt eine Nutzungsvereinbarung treffen, wonach die Verwaltung die Bäume letztmalig schneiden wird und die Pflege dann an die Eltern übergeht. Diese wollen zeitnah einen Zaun setzen und eine Hecke um das Gelände pflanzen. Der Hang hin zum Bolzplatz soll künftig bespielt werden, zwei Bäume werden in einen Seilklettergarten integriert. Baumstämme sollen den kleinen Hügel entschärfen – und außerdem Natur- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere schaffen.

Für die Gestaltung des Außengeländes zeichnet Garten- und Landschaftsarchitektin Aletta Mortsiefer verantwortlich, die eng mit der Natur- und Abenteuerschule Bergisch Gladbach kooperiert. „Das Außengelände war unser großes Fragezeichen, weil der Verein die Gestaltung selber refinanzieren muss“, erläutert Nicola Nocon. Nun werde die Waldorfschule Bergisch Born die Gestaltung vorfinanzieren, und die „Zwergenbande“ zahlt die Kosten in Raten zurück. So dürfen sich die Kinder auf eine Wasserlandschaft, Sandkästen mit Naturmaterialien, einen Märchen- und Feuerplatz, Spielhäuschen sowie Hochbeete für Kräuter freuen.

Vorstandsmitglied Nadja Mause bezeichnet es als einen Traum, eine Kita nach eigenen Vorstellungen bauen zu können. „Das ist unser großer Vorteil, dass wir uns auch das Personal für unsere Kinder selbst aussuchen können“, sagt sie. Und um allen Anforderungen gerecht zu werden, bilden sich auch die Vorstandsmitglieder immer wieder weiter. „Wir sind auch da deutlich professioneller geworden“, sagt Nicola Nocon. Die Waldorfpädagogik sei mittlerweile auch in vielen Hückeswagener Köpfen angekommen. „Aber das wird sich mit der Eröffnung sicher auch noch etwas verstärken“, meint Nicola Nocon. In zahlreichen Gesprächen habe man erfahren, dass viele Eltern vor allem großen Wert auf natürliche Materialien und gutes Essen für ihre Kinder legen.

Info und Kontakt Tel. 0163 3678236, E-Mail: Zwergenbande.hueckeswagen@gmx.de