1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: 33-Jähriger wegen versuchtem Einbruch und Diebstahl vor Gericht

Amtsgericht in Wipperfürth : Einbrecher gesteht Taten unter Tränen

Das Gericht verurteilte einen 33-jährigen Hückeswagener nach versuchtem Einbruch und Diebstahl zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Erst nach fast dreistündiger Verhandlung, als die Beweislast immer erdrückender wurde, legte ein 33-jähriger Hückeswagener vor dem Wipperfürther Amtsgericht ein Geständnis ab. Er hatte im Mai 2019 vergeblich versucht, auf der Marktstraße einen dort abgestellten Motorroller zu klauen. Zwei Monate später versuchte er, in ein Einfamilienhaus an der Ewald-Gnau-Straße einzubrechen. Das nichts gestohlen werden konnte, war nur den aufmerksamen Nachbarn zu verdanken. Für die Taten verurteilte das Gericht den gebürtigen Polen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Zu Beginn der Verhandlung wollte sich der Mann, der sich nur mit Hilfe einer Dolmetscherin verständigen konnte, nicht zu den Anklagevorwürfen äußern. Daher waren Schöffen, Richter und Staatsanwältin auf die Aussage der drei Zeugen angewiesen, darunter auch der Besitzer des betroffenen Einfamilienhauses. „Wir sind in dieser Nacht, in der eingebrochen wurde, in den Urlaub gefahren. Beim Packen des Autos, nachts um 1 Uhr, ist uns ein Mann aufgefallen, der sein Fahrrad die Straße hochschob, was uns um diese Zeit seltsam vorkam“, sagte der Familienvater. Der Einbrecher hatte später in dieser Nacht aus dem angrenzenden Schuppen eine Kinderschaufel und eine Kinderharke entwendet und damit versucht, die Terrassentür aufzuhebeln. Das Glas beschädigte er mit einem Stein, wodurch die Nachbarn hellhörig wurden und die Polizei riefen. Die Harke steckte noch unter der hochgedrückten Jalousie, und die Tür stand offen, doch der Täter war bereits geflüchtet. Zwar wurde das beschädigte Fenster repariert, die seelischen Folgen sind geblieben. „Wir gehen immer mit einem unguten Gefühl aus dem Haus und lassen deswegen im Dunkeln meistens ein Licht oder den Fernseher an“, berichtete der 40-Jährige.

Der zweite Zeuge, ein 33-jähriger Anwohner der Marktstraße, war im Mai von Schlaggeräuschen auf der Straße wachgeworden: „Ich hatte mit offenem Fenster auf der Couch geschlafen und sah vom Fenster aus einen Mann, der sich an dem Motorroller des Nachbarn zu schaffen machte“, begann er seine Aussage. Da ihm das nachts um 4 Uhr komisch vorkam, rief er die Polizei, die innerhalb weniger Minuten vor Ort war. Ein Polizeibeamter verfolgte den flüchtenden Mann in den Rosengarten und den Marktberg hinunter bis zur Islandstraße. Verloren hatte der Flüchtende dabei seine Baseball-Kappe, an der noch das frische Gestrüpp vom Rosengarten hing, durch das er geflüchtet war. An der Kappe wie auch an der Kinderschaufel wurden später DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. Das bestätigte ein Gutachten des Landeskriminalamts. Nach der Rücksprache mit seinem Verteidiger brach der Angeklagte sein Schweigen und gestand unter Tränen beide Taten. „Es ging mir dabei nicht ums Geld – meine Frau war schwer heroinabhängig, und ich wollte helfen, ihre Schulden zu begleichen“, ließ er übersetzen. Mittlerweile sei die Ehe gescheitert.

Das Gericht setzte die einjährige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus, da der Verurteilte zum Zeitpunkt der Tat keine Vorstrafen hatte und mittlerweile einer festen Arbeit nachgeht. Der Richter honorierte das späte Geständnis: „Nur derjenige, der sich zur Tat bekennt, gibt Hoffnung darauf, dass er sich ändert“, sagte er. Dem Verurteilten legte er ans Herz, sich möglichst bald mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Das letzte Wort hatte der Verurteilte: „Ich möchte um Verzeihung bitten, ich habe Fehler gemacht und versuche, mein Leben anders zu gestalten.“, versicherte der 33-Jährige mit gesenktem Kopf.