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Hückeswage: Hilfe für Menschen mit Handicap mit Funkklingeln

Hückeswagener Hilfe für Menschen mit Handicap : Mehr Barrierefreiheit dank Funkklingeln

Die Stadt hat die Hilfsmittel mehreren Einzelhändlern und Dienstleistern in der Stadt zur Verfügung gestellt, deren Geschäfte nicht barrierefrei sind. So können etwa Rollstuhlfahrer auf sich aufmerksam machen.

Es ist eine Idee, die ihren Ursprung im Arbeitskreis Inklusion hat, und die nun innerhalb kürzerer Zeit umgesetzt worden ist. Mario Moritz von der Stabsstelle für Soziale Arbeit der Stadtverwaltung, Wirtschafsförderin Andrea Poranzke und Benjamin Lenatz, der seit einem Unfall 2003 auf den Rollstuhl angewiesen ist, waren jetzt im Island unterwegs, um bei den letzten beiden der teilnehmenden Geschäften des Einzelhandels Aufkleber und Funkklingeln vorbeizubringen.

„Viele der Geschäfte an der Islandstraße sind nicht barrierefrei. Wenn ich einkaufen will, bin ich darauf angewiesen, dass man im Ladeninneren mitbekommt, dass ich draußen stehe“, berichtete Lenatz aus eigener Erfahrung. „Wenn man das nicht selbst mal erlebt hat, dann ist es sicherlich schwer nachzuvollziehen.“ 

Die Idee, mit Funkklingeln, die an den Eingangsbereichen der Geschäfte angebracht sind, den Rollstuhlfahrern die Möglichkeit zu geben, auf sich aufmerksam zu machen, sei im Arbeitskreis direkt gut angekommen. „Gleiches gilt natürlich auch für Menschen, die mit einem Rollator oder einem Kinderwagen unterwegs sind“, betonte Moritz. Er hatte nach der Sitzung des Arbeitskreises mit der Wirtschaftsförderin gesprochen, die direkt ihre Unterstützung zugesagt hatte. Letztlich wurden Funkklingeln für die Geschäfte angeschafft und verteilt.

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„Die Klingeln kann man entweder per Bohrung oder mit Klebemittel anbringen“, erläuterte Andrea Poranzke. Einfallsreich habe sich Modehändler Dirk Sessinghaus gezeigt, ergänzte Moritz: „Er hat die Klingel mit einem Magneten angebracht. So kann er sie über Nacht ins Geschäft nehmen.“ Verbunden sind die Klingeln mit einem Funkelement, das im Geschäft an eine Steckdose angeschlossen werden muss.

Blumenhändler Heinz-Gerd Koch bekamm jetzt auch noch seine Klingel überreicht und überlegte direkt gemeinsam mit Lenatz, wo sie am sinnvollsten anzubringen ist. Der entsprechende Aufkleber hingegen ist schnell im Schaufenster platziert. „Es ist eine wirklich gute Sache, vor allem für die kalte Jahreszeit. Im Sommer ist unsere Tür ohnehin immer offen“, sagte Koch. Er will nun überprüfen, ob die Klingel mit doppelseitigem Klebeband ausreichend befestigt werden kann oder ob doch der Magnet die bessere Lösung ist. „Aber auf die eine oder andere Weise wird sie angebracht“, betonte er.

Mit ein Auslöser für die Idee waren Lenatz‘ Erfahrungen im Weihnachtseinkauf. „Das war wirklich anstrengend, weil tatsächlich oft in den Läden viel los und das Personal beschäftigt war“, berichtete er. „Ich will ja die regionalen Geschäfte unterstützen. Aber wenn ich zum dritten Mal nichts einkaufen kann, weil man mich nicht bemerkt, dann verliere ich auch die Lust.“ Er habe auch seiner Frau schon Blumen kaufen wollen, sei aber nicht bemerkt worden. „Das hat jetzt ein Ende, die Ausrede zählt nicht mehr“, betonte er lachend.

Auch Frisörmeister Kevin Gedert wollte die Funkklingel direkt anbringen, denn die Aktion sei super – und „typisch Hückeswagen“, wie er betonte. „Wir sehen halt zu, dass wir die Dinge hier schnell geregelt bekommen“, sagte Gedert. Der Eingang in seinen Frisörladen  mit der hohen Treppe ist alles andere als barrierefrei. „Im Sommer stelle ich auch meinen Frisörstuhl nach draußen und schneide die Haare auf der Islandstraße. Und wenn jemand Hilfe beim Betreten des Salons braucht, legen wir direkt Hand an“, versicherte er.

Moritz hofft, dass alle Einzelhändler in der Stadt mitmachen und sich eine Funkklingel an den Eingang hängen. „Einige haben aber nicht mitgemacht, weil sie sagen, dass sie ihre Kunden im Blick hätten“, sagte der Verwaltungsmitarbeiter. „Wir als Stadt können das natürlich nur anbieten. Aber wenn jemand noch Teil der Aktion werden möchte, kann er sich einfach bei mir melden.“

Die Funkklingel ist nur eine von mehreren Ideen aus dem Arbeitskreis. Eine andere, die Moritz in den kommenden Wochen angehen will, betrifft die Behindertentoilette am Etapler Platz. „Die Tür ist schwergängig“, hat er festgestellt. „Ich bin im Gespräch mit dem Hersteller, damit dort eine Automatik eingebaut wird.“ Mit den Funkklingeln sei nun indes ein weiterer Schritt hin zu einer barrierefreieren Stadt getan worden.