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Hückeswagen: Hoffnungsschimmer für Stadtbibliothek

Hückeswagen : Hoffnungsschimmer für Stadtbibliothek

Der Freundeskreis der Stadtbibliothek und der Stadtkulturverband sprechen mit dem Bürgermeister über die im Haushaltssicherungskonzept vorgesehene Schließung der Bücherei 2020. Fazit: Leichter Optimismus macht sich breit.

Auf Drängen des Freundeskreises der Stadtbibliothek und des Stadtkulturverbandes gab es gestern Morgen ein Gespräch mit Bürgermeister Dietmar Persian über die im Haushaltssicherungskonzept vorgesehene Schließung der Bücherei 2020. "Wir sehen uns nicht als Kontrahenten, sondern suchen gemeinsam nach Lösungen", sagte die Beisitzerin im Freundeskreis der Stadtbibliothek, Edith Gerhards. An dem Gespräch nahmen auch die Vorstandskollegen Dr. Axel Bornkessel (Schatzmeister), Dr. Rainer Hartmann (Vorsitzender) sowie Stefan Noppenberger vom Stadtkulturverband teil - Fazit: Verhaltener Optimismus macht sich breit.

Dr. Axel Bornkessel, Edith Gerhards und Dr. Rainer Hartmann (v.l.) kämpfen um den Erhalt der Stadtbibliothek. Foto: rüttgen

Persian sicherte zu, dass die Stadt Kontakt zu einer Fachstelle der Bezirksregierung Düsseldorf aufnimmt, die sich professionell um öffentliche Bibliotheken und die Beratung der Kommunen kümmert. "Hier geht es um Modelle, wie eine solche Bücherei geführt und finanziert werden kann. Da sitzen Profis, die uns sagen können, wie es weitergehen kann", sagt Edith Gerhards.

Nachdem der Freundeskreis bereits in einem Brief den Bürgermeister aufgefordert hatte, Tipps von außerhalb anzunehmen und dies nun erneut anmahnte, scheint die Verwaltung bereit, diesen Schritt zu gehen. "Bislang schien die Verwaltung beratungsresistent", kritisiert Bornkessel. Auch die Fachhochschule Köln hat Hückeswagen Hilfe angeboten und will ein Konzept erarbeiten, wie die professionelle Bibliothek erhalten bleiben kann. Auch hier signalisierte Persian Kooperationsbereitschaft.

"Jetzt erwarten wir aber auch Glaubwürdigkeit", fordert Edith Gerhards. Denn der Bürgermeister hat angekündigt, die Formulierung im Haushaltssicherungskonzept ("geplante Schließung bis 2020") durch einen Ratsbeschluss zu erweitern: Der Rat soll die Absicht erklären, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit der Zukunft der Stadtbibliothek beschäftigt. "Das stimmt uns optimistisch, denn damit ist ein offener Prozess möglich", sagt Edith Gerhards. Es sei wichtig, in den Köpfen der Menschen zu verankern, dass eine ehrenamtlich geführte Bürgerbibliothek (als Alternative zu einer professionell geführten Bücherei) faktisch bedeute, dass Hückeswagen keine Bücherei mehr hat. "Eine Bürgerbibliothek ist eine Bücherstube, die kein öffentliches Geld mehr erhält. Wir wären abgekoppelt von allen Förderprogrammen", sagt sie. Alle Sponsoren seien unter völlig anderen Voraussetzungen angetreten. Es gebe nicht mehr die Möglichkeit einer Fernleihe oder Onleihe. "Eine ehrenamtlich geführte Bücherei können sie vergleichen mit einer Badeanstalt ohne Bademeister, sie haben nur Nichtschwimmer, die nicht ins Wasser springen und nicht tief tauchen können", sagt die Beisitzerin. Bornkessel hat sich bei Bürgerbibliotheken in Lindlar und Nümbrecht erkundigt: "Da werden alle Wünsche der Nutzer nach Gummersbach weitergeleitet", sagt er.

Der Freundeskreis und der Stadtkulturverband wollen die Stadtbibliothek zu einem Kommunikationszentrum machen. "Bücherei muss sich entwickeln", sagt Hartmann. Bornkessel fürchtet, dass der Freundeskreis nun doppelte Überzeugungsarbeit leisten muss, um noch Sponsoren zu finden. "Wir sind keine heilige Kuh. Wenn man die schlachtet, schlachtet man auch den Standortvorteil", sagt er. Eine Stadtbibliothek sei gesamtgesellschaftlich wichtig. Den Nachweis über den Nutzen einer professionell geführten Bücherei hat Edith Gerhards schriftlich: Laut einer Studie macht die Stadt Melle für jeden investierten Euro in die Bücherei einen Gewinn von sieben Euro, in Berlin-Mitte sind es drei Euro. "Das ist ein wirtschaftlicher Faktor", sagt sie. Wenn Industrieunternehmen auf der Suche nach Fachkräften sind, bräuchten die eine Infrastruktur, die es in einer Schlafstadt nicht gibt. So ginge Kaufkraft verloren.

Bornkessel sieht nach dem Gespräch gestern hoffnungsvolle Zeichen. "Die Stadt darf nicht nur den Mangel verwalten", fordert er. Ihm gehe es um den Erhalt der Bibliothek, über den Standort ließe sich reden, obwohl Dr. Rainer Hartmann das Gebäude an der Friedrichstraße als optimal betrachtet.

Podiumsdiskussion über die Zukunft der Stadtbibliothek, Freitag, 22. Mai, 20 Uhr, Kultur-Haus Zach, Islandstraße 5-7.

(RP)