1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hilfsaktion in Hückeswagen: ADFC verteilt Fahrräder an Geflüchtete

Hilfsaktion in Hückeswagen : ADFC verteilt Fahrräder an Geflüchtete

In den vergangenen Wochen sind mehr als 100 Fahrradspenden beim Ortsverein des Fahrradclubs eingegangen – mehr, als die Mitglieder bearbeiten konnten. Am Samstag wurden die ersten überreicht.

Der Andrang ist groß im Hof vor der ehemaligen Firma Zach an der Peterstraße. Dort steht eine große Menge Fahrräder – älter und neuer, groß und klein. Daneben stehen Menschen – die Hückeswagener ADFC-Mitglieder Manfred Brocksieper, Alfons Herweg, Matthias Müssener und Siegfried May sowie Geflüchtete aus der Ukraine oder Sri Lanka. Fahrräder werden ausprobiert, angepasst und wechseln so bestenfalls recht schnell den Besitzer. Es ist die erste Verteilaktion, die der ADFC in der Schloss-Stadt an diesem Samstagvormittag anbietet. „Die Fahrräder sind alle gespendet worden, wir haben mehr als 100 Anrufe bekommen“, berichtet Herweg. Darunter waren auch Menschen aus Radevormwald, Remscheid und sogar aus Schwelm. „In Wermelskirchen hat es eine ähnliche Aktion gegeben“, sagt Herweg. „Man hat uns angerufen und gefragt, ob wir noch weitere Räder brauchen können.“

Diese Masse an Rädern habe der ADFC allerdings nicht bewältigen können. „Wir haben alle Spender angerufen, auch die, die wir auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten mussten, weil wir schlicht nicht die Kapazität hatten, die Fahrräder zu sichten, geschweige denn zu reparieren“, sagt Brocksieper. Er hat sich zusammen mit seinem Sohn – und später mit Müssener – um ein Verwaltungssystem gekümmert. „Darin sind alle Kontaktdaten und Daten zu den Fahrrädern hinterlegt“, erläutert Brocksieper und klappt seinen Laptop auf. Im Obergeschoss der Produktionshalle der früheren Firma Zach reihen sich an die 40 Fahrräder, an der Wand hängt ein detaillierter Wartungs- und Reparaturplan. Die meisten Positionen sind schon durchgestrichen und abgehakt. Hier geht es ordentlich zu. In einer anderen Ecke liegen große Pappkartons, darin sind Helme zu erkennen. „Die haben wir von einer Geldspende von ,Weitblick‘ gekauft. Die SPD hat uns fünf Kindersitze gespendet“, erzählt Herweg.

  • Nachdem 2021 eine Ortsgruppe in Hückeswagen
    Fahrradfahren in Radevormwald : ADFC-Ortsgruppe steht vor der Gründung
  • Der bekannte Schauspieler Milan Peschel verkörpert
    Kultur-Haus Zach in Hückeswagen : Sieben Mal Filmvergnügen im Kinder-Ferienkino
  • Das Kinderhospiz Burgholz freut sich riesig
    Senioreneinrichtung in Remscheid : Tattoo-Aktion im Alloheim – Spende für Kinderhospiz 

Er ist sehr erfreut über die vielfältige Hilfe in Hückeswagen: „Es ist toll zu sehen, was alles geht bei uns.“ Hans-Otto Zach, dem die Immobilie an der Peterstraße gehört, hat dem Fahrradclub die Räumlichkeiten gegen eine Spende überlassen. „Er ist auch schon hier gewesen und hat sich nach dem Fortschritt unserer Arbeit erkundigt.“ Denn natürlich ist es mit der Verteilung nicht getan. „Es waren ganz unterschiedliche Fahrräder dabei“, berichtet Brocksieper. „Eines etwa, das praktisch nicht genutzt war, das die Besitzerin aber wieder verkauft hat, weil sie im Bergischen doch lieber ein E-Bike nutzen wollte.“ Teilweise waren auch tragische Geschichten dabei, etwa wenn die Besitzer sich aus Altersgründen nicht mehr trauten, das Fahrrad weiter zu nutzen.

Herweg lobt ebenfalls die gute Zusammenarbeit mit Mario Moritz von der Stadtverwaltung. „Wir stehen in engem Kontakt. Er meinte auch, dass wir zunächst die Menschen in den Wohnheimen, die etwas außerhalb sind, ansprechen sollten“, sagt Brocksieper. Entsprechend seien dort Listen ausgehängt worden, die auch bald ausgefüllt gewesen seien. Am früheren Samstagmorgen waren schon zwei Frauen mit Kindern an der Peterstraße gewesen, die mit Fahrrad und Kindersitz vom Hof gerollt waren. Aber nicht alle Fahrräder seien direkt wieder verwendbar gewesen. „Wir mussten vor allem Bremsen und Ketten warten, auch die Beleuchtung muss funktionieren – wir haben jede Menge Dynamos abgebaut, die nicht mehr in Ordnung waren“, sagt May.

Die Kommunikation mit den geflüchteten Menschen ist naturgemäß schwierig. „Wir haben zwei junge Männer aus Sri Lanka, die schon etwas länger hier sind. Die helfen uns dabei, die Fahrräder aus dem Obergeschoss auf den Hof zu bringen“, sagt Herweg. Die beiden hätten auch neue Fahrräder bekommen. Hier klappe die Verständigung einigermaßen. Bei den Menschen aus der Ukraine müssen hingegen die Übersetzungs-Apps am Handy dafür sorgen, dass man sich versteht. Mitunter geht‘s dennoch mit Händen und Füßen zu. So drückt ein Mann mit einem breiten Lächeln im Gesicht seine Freude darüber, dass seine Frau nun ein Fahrrad hat, so aus: Beide Daumen zeigen nach oben.