Hückeswagen: Hilfe für Angehörige von Demenzkranken

Hückeswagen: Hilfe für Angehörige von Demenzkranken

Das Seniorennetzwerk Hückeswagen gründet eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken. Am Mittwoch gab's dazu einen Themenabend im Heimatmuseum. Das erste Treffen der Gruppe findet am 4. April im "Wohnwerk" statt.

Der Bedarf ist da, aber bisher existiert sie noch nicht - eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, die einen Menschen mit Demenz betreuen. Welche emotionalen Herausforderungen diese Aufgabe darstellt, wurde am Mittwoch im Heimatmuseum deutlich. Die Alzheimer-Gesellschaft im Bergischen Land hatte in Kooperation mit dem Seniorennetzwerk zu einer Informationsstunde ins Heimatmuseum eingeladen.

Rund 25 Interessierte waren gekommen, teilweise mit und ohne Erfahrung mit dieser Form der Erkrankung. "Mein Mann hat die Diagnose erst vor vier Wochen gestellt bekommen", sagte eine Teilnehmerin unter Tränen. Ihr fehlten bislang Anlaufstellen und Ansprechpartner, an die sie sich wenden und von denen sie Unterstützung erhalten könne.

Referentin Ursula Wolf, die einen Vortrag zu den verschiedenen Formen der Demenz, Entstehung, Krankheitsverlauf bis zur Auswirkung auf das gesamte familiäre Umfeld hielt, beantwortete die aufkommenden Fragen zum Thema. "Die Pflege- und Seniorenberatung der Stadt ist auf jeden Fall eine erste Anlaufstelle", sagte die Vizevorsitzende der Alzheimer Gesellschaft im Bergischen Land.

In Deutschland sind zirka 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. 75 Prozent davon werden in der Familie, mehr als Zweidrittel davon von nur einer Person gepflegt. "Die Mehrheit der Pflegenden sind Frauen, die in der Regel selbst schon im Rentenalter sind", berichtete Wolf.

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Besonders wichtig sei daher die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Zu diesem Zweck bietet das Seniorennetzwerk nun eine begleitende Selbsthilfegruppe in den Tagespflegeräumen des "Wohnwerks", dem Wohnheim für Demenzkranke an der Peterstraße, an. "Wir laden Sie ein, in einer Runde von anderen Angehörigen in einen Austausch zu kommen und dadurch Entlastung, Verständnis und Hilfe zu erfahren", heißt es im neu erstellten Flyer.

Begleitet wird die Gruppe von Iris Prangenberg-Röntgen, die das "Wohnwerk" seit 2010 leitet und schon ihr ganzes Berufsleben Umgang und Erfahrung mit Demenzkranken hat. Ursula Wolf empfiehlt, die Treffen ohne die Erkrankten zu besuchen. "Für Betroffene ist es besonders im Frühstadium der Krankheit sehr schwer auszuhalten, wenn über sie oder ihre Krankheit gesprochen wird", machte sie deutlich. Dennoch bietet das "Wohnwerk" zu den Treffen der Selbsthilfegruppe die Möglichkeit einer kostenfreien Betreuung an. "Damit jeder die Möglichkeit hat teilzunehmen", betonte Iris Prangenberg-Röntgen. In diesem Fall wird um eine vorherige telefonische Anmeldung gebeten (siehe Info-Kasten).

An einigen Beispielen machte Ursula Wolf deutlich, wie schwer es für alle Beteiligten ist, wenn es aufgrund der Krankheit zu Gedächtnis- und Sprachstörungen, Orientierungslosigkeit bis hin zur Unfähigkeit Menschen zu erkennen kommt. "Es ist ein Abschied auf Raten. Immer mehr Einzelteile der Selbstständigkeit brechen unwiederbringlich weg, Gespräche sind nicht mehr möglich", zählte sie auf. Pflegende Angehörige müssten daher Unglaubliches leisten - und das rund um die Uhr. Daher sei es besonders wichtig, für sich selbst zu sorgen, soziale Kontakte nicht abreißen zu lassen und Hobbys zu pflegen.

Eine Zuhörerin, die ihren an Demenz erkrankten Ehemann schon seit 16 Jahren betreut, lebt nach dieser Empfehlung. "Ich treffe mich wöchentlich mit Freunden beim Sport, und der Umgang mit ,gesunden' Menschen tut mir gut", berichtete sie. So eine Auszeit vom Alltag soll auch die neu gegründete Selbsthilfegruppe bieten. Dort können dann auch Fragen zum Umgang mit der Krankheit wie auch zu Hilfeleistungen und weiteren Ansprechpartnern erörtert werden.

(heka)