Herweg, an der Grenze zwischen Hückeswagen und Radevormwald

Mein Hückeswagen : Herweg im Wandel der Zeit

Die Herweger lieben das ländliche Leben, auch wenn es in dem Ortsteil an der B 483 heute weder Geschäfte noch Gastronomiebetriebe gibt. Einen guten Ruf genossen die alte Landschule wie auch die spätere Volksschule in Herweg.

Aus der Ortschaft Herweg wegzuziehen kommt für Jörg Wüster nicht in Frage. „Das würde ich nicht machen. Hier hat man doch alles, was man braucht“, sagt der 48-Jährige. Als größter Landwirt in Herweg betreibt er Ackerbau – baut Getreide, Raps und Mais an. „Es sind die einzigen Rapsfelder in Hückeswagen“, sagt Wüster über die gelb-leuchtende Blütenpracht im Monat Mai. Seine Großeltern sind von Wuppertal zugezogen und haben 1938 den Hof gekauft, den Jörg Wüster von seinen Eltern übernommen hat. 42 Hektar Ackerland und 18,4 Hektar Wald gehören zu dem Hof.

Die Familie Wüster ist eng mit Herweg verbunden und auch in der Feuerwehr sehr aktiv. Vor Jörg Wüster war schon sein Vater Ernst Mitglied der Löschgruppe Herweg, Bruder Lutz ist heute Löschgruppenführer. „Das Spritzenhaus war früher weiter unten an der Straße, der Gruppenraum der Feuerwehr befand sich in der alten Schule“, erinnert sich Jörg Wüster.

Viel unternehmen können die Anwohner in Herweg vor Ort nicht. Gab es in früheren Zeiten noch Geschäfte und Kneipen, so ist der Ortsteil von Hückeswagen an der Grenze zu Radevormwald heute eher ein beschauliches, ländliches Wohngebiet. Bis 2010 gab es in Herweg die Gaststätte Lotterbach an der Einmündung der Kreisstraße 11, die zur Bever-Talsperre führt. In den 1980er- und 1990er-Jahren war das „Overland“ für Jugendliche ein beliebter Anziehungspunkt. Der letzte Wirt der Kneipe war Patrick Pesch. Er beendete die lange Tradition des Hauses in Neuenherweg, dass schon 1967 als Schankwirtschaft erwähnt wurde. Laut Jörg Wüster trafen sich hier freitags diverse Sportvereine aus Remscheid und natürlich die Jugend. „Das Overland war die Vermittlungsstation der jungen Landbevölkerung zu der Zeit, wo es noch kein Handy gab“, sagt der 48-Jährige und lacht. Auch er war Gast in der Kult-Kneipe. „Von Zuhause waren es genau 302 Schritte“, weiß er noch heute und fügt schmunzelnd hinzu: „Das waren ganz wilde Zeiten.“

Abschied nahm auch die Evangelische Kirchengemeinde von ihrem Gemeindehaus in Herweg. Es wurde 1972 mit viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder errichtet. Im Februar 2011 entwidmete die Kirche die Predigtstätte und verkaufte sie an die Evangelische Gesellschaft Wermelskirchen. Grund waren die hohen Unterhaltskosten. „Damit endet eine fast 40-jährige gottesdienstliche Präsenz auf dem Herweg“, sagte Martin Haupt-Schott bei der Entwidmung.

Einen hervorragenden Ruf genoss die alte Landschule in Herweg. Als Schulgebäude diente ein 1816/1817 errichtetes Fachwerkhaus, das heute als privates Wohnhaus genutzt wird. Dem damaligen Lehrer Heinrich Wilhelm Dortkampf wurde nach seinem Tod im Jahr 1863 ein Denkmal gesetzt. Nur wenige Meter weiter entstand nach dem ersten Weltkrieg die neue Volksschule, die ab 1922 genutzt wurde. Sie galt lange Zeit als eine der schönsten Landschulen Hückeswagens. Später kamen mit einem Anbau ein Werkraum, eine Lehrküche, moderne Sanitäranlagen, eine Pausenhalle und ein Fahrradraum hinzu. Zwischen 1966 und 1968 wurden der Schulstandort Herweg im Zuge der Schulreform aufgegeben.

Ableiten soll sich der Name „Herweg“ von einer mittelalterlichen Heer-, Handels- und Pilgerstraße, der heutigen Bundesstraße, an der die Ortschaft liegt.