Helios-Klinik in Wipperfürth Kleiner Helfer gegen den Schmerz

Wipperfürth · Patienten mit chronischen Schmerzen bietet die Wipperfürter Helios-Klinik mit der Neuromodulation eine Möglichkeit zur Linderung. Bei vielen Leidenden kommt der implantierte „Schmerzschrittmacher“ bereits gut an.

Uwe Mutter, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Wipperfürther Krankenhaus, präsentiert das Gerät (l.), das im Rücken implantiert wird und mittels IPOD gesteuert werden kann.

Uwe Mutter, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Wipperfürther Krankenhaus, präsentiert das Gerät (l.), das im Rücken implantiert wird und mittels IPOD gesteuert werden kann.

Foto: Helios

Chronische Schmerzen schränken die Lebensqualität erheblich ein. Bleibt die Schmerzlinderung mittels üblicher Therapieverfahren aus, können neuromodulative Verfahren wie die Rückenmarkstimulation eine Alternative darstellen. Das interdisziplinäre Team der Schmerztherapie der Wipperfürther Helios-Klinik, für viele Hückeswagener Patienten seit der Schließung des Marienhospitals erste Anlaufstelle, konnte so bereits mehr als 100 Patienten ein Leben mit weniger Schmerzen ermöglichen.

Federführend für die neuromodulative Behandlung in der Klinik sind Uwe Mutter, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, und Ralf Trogemann, Leitender Arzt der Abteilung für Schmerztherapie. „Bei Patienten, bei denen konventionelle Therapieverfahren ausgeschöpft sind oder nicht mehr anschlagen, kann die Neuromodulation als ein etabliertes Verfahren viel bewirken“, versichert Trogemann. Die Rückenmarkstimulation sei eine Form der Neuromodulation zur Behandlung starker, chronischer Schmerzen mittels elektrischer Impulse. Hierbei werde dem Patienten eine dünne Elektrode hinter das Rückenmark in den Epiduralraum implantiert. Die Elektrode ist mit einem Generator (mit Batterie oder Akku) verbunden, die unter die Haut eingebracht wird und elektrische Impulse aussendet. „Dadurch wird die Schmerz-Weiterleitung auf ihrem Weg zum Gehirn geschwächt oder sogar unterbrochen“, erläutert Mutter. „Schmerzen werden deutlich reduziert, die Patienten werden mobiler und aktiver.“

Die Therapieform wird nach Angaben der Helios-Experten besonders häufig bei Schmerzpatienten mit Rücken- und Nackenschmerzen genutzt, die oft in Beine oder Arme ausstrahlen. Aber auch bei Nervenschmerzen anderer Ursache wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder lokale Verletzungen, die gekennzeichnet sind durch Brennen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, kann die Neuromodulation eine Alternative zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden darstellen.

Mit Hilfe eines Drahts funktioniert die Neuromodulation.

Mit Hilfe eines Drahts funktioniert die Neuromodulation.

Foto: Helios

Die Rückenmarkstimulation könne an Änderungen des Schmerzes angepasst und jederzeit ausgeschaltet werden, beispielsweise für eine MRT-Untersuchung, versichern die Mediziner. Generator und Elektroden könnten zudem auch operativ wieder entfernt werden. Das Gerät selbst ist dabei nicht größer als ein Brillenglas. „Gesteuert wurde dieses bisher mittels eines IPOD, in Zukunft ist die Steuerung sogar über eine App direkt über das Handy möglich“, teilt Helios-Sprecherin Janine Schulze mit. In den vergangenen sechs Jahren habe sich diese Form der Behandlung neben der konservativen multimodalen Schmerztherapie in der Helios-Klinik zu einem Schwerpunkt in der Behandlung von Schmerzpatienten etabliert, 2022 wurden mehr als 35 Patienten erfolgreich mit einem Generator versorgt.

Ralf Trogeman ist der Leitenden Arzt der Abteilung für Schmerztherapie

Ralf Trogeman ist der Leitenden Arzt der Abteilung für Schmerztherapie

Foto: Helios

Ob die Therapieform für einen Patienten in Frage kommt, kann bei dieser Art der Behandlung sogar ganz einfach im Vorfeld getestet werden: „Anders als bei anderen operativen Optionen zur Behandlung chronischer Schmerzen kann die Neuromodulation erst ausprobiert werden, bevor sich ein Patient dauerhaft dafür entscheidet“, erklärt Mutter den Behandlungsweg. Nach erfolgter Indikationsstellung durch den Schmerztherapeuten werden die Patienten vor der eigentlichen Implantation mit einem vorläufigen System ausgestattet, um die Wirkung zu testen. Die Mediziner platzieren dazu unter lokaler Betäubung und Sedierung eine dünne Elektrode im Bereich des Wirbelkanals innerhalb der Wirbelsäule. Die Elektrode wird an einen provisorischen Impulsgenerator angeschlossen, den der Patient in einer Pflastertasche auf der Haut trägt.

Der Eingriff dauert nicht länger als 60 Minuten. Nach einer sieben- bis vierzehntägigen Testphase unter Alltagsbelastungen entscheiden die Experten mit den Patienten, ob der Einbau eines Impulsgenerators unter die Haut für den Patienten in Frage kommt. Abhängig ist dies vom Nutzen der Stimulation. „Etwa 80 Prozent der Patienten profitieren von einer rückenmarksnahen Stimulation“, sagt der Leitende Arzt der Schmerztherapie. Inzwischen konnten bereits mehr als 100 Patienten mit den kleinen, umgangssprachlich „Schmerzschrittmacher“ genannten, Geräten erfolgreich behandelt werden.

„Es gibt Patienten, die sich zuvor nur mittels Rollstuhl bewegen konnten. Und dann kann dieser Mensch nach einigen Wochen plötzlich wieder laufen“, macht Mutter Mut. Etwa 85 Prozent aller Patienten erfahren mit dem neuromodulativen Therapieverfahren eine deutliche Schmerzlinderung. Und nach Einschätzung des Oberarztes sind die Behandlungsmöglichkeiten mit dieser Therapieform noch lange nicht ausgeschöpft und bieten noch viel Potenzial für die Schmerztherapie. „Ich bin mir sicher, dass wir uns erst am Anfang der Möglichkeiten befinden und in Zukunft noch viel mehr Schmerzpatienten mit dieser einfachen und gleichzeitig so effektiven Therapieform werden helfen können“, betont Mutter.

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