Rückblende Hückeswagen Vor 75 Jahren: Großes Fischsterben nach Bombenangriff auf die Bever-Talsperre

Rückblende Hückeswagen Vor 75 Jahren: Großes Fischsterben nach Bombenangriff auf die Bever-Talsperre

Wenn der damalige Rektor Wilhelm Stuckmann in seiner Zeitzeugen-Chronik des Zweiten Weltkrieges schreibt, dass viele Hückeswagener Familien am 17. Mai 1943 ein "herrliches Fischgericht" auf dem Tisch hatten, dann ist ein gewisser Galgenhumor unverkennbar. Denn die Zeiten vor 75 Jahren, mitten im Zweiten Weltkrieg, waren alles andere als vergnüglich.

Bei einem Fliegerangriff in der Nacht zuvor waren Bomben auf die Bever-Talsperre geworfen worden. Die städtische Chronik berichtet von insgesamt zwei Bomben, die eingeschlagen waren. Zwar blieb die Staumauer unbeschädigt, und Menschen waren auch nicht zu Schaden gekommen, jedoch war der Fischbestand stark in Mitleidenschaft gezogen worden. "Die Wasseroberfläche war mit Fischen bedeckt", berichtete Stuckmann. Trotzdem waren die Fische offenbar genießbar.

Das Ereignis hatte jedoch noch eine weitere Folge: Noch am gleichen Tag wurde "leichte Flak" an die Talsperre verlegt, um weiteren möglichen Angriffen nicht vollkommen wehrlos ausgesetzt zu sein. Später dann wurde das Personal durch Aushilfspolizisten ersetzt.

Doch warum nahmen die alliierten Kampfverbände überhaupt die Bever-Talsperre ins Visier? Auf der Casablanca-Konferenz am 21. Januar 1943 war die Direktive für eine "gemeinsame Bomberoffensive" der westlichen Alliierten USA und Großbritannien gegen das Deutsche Reich verabschiedet worden. Der Angriff auf die Talsperre ist mutmaßlich Teil einer Aktion, die in der Kriegsgeschichte unter dem Namen "Operation Chastise" ("Züchtigung") bekannt wurde und zum Ziel hatte, Staumauern von Talsperren in Hessen und dem späteren Nordrhein-Westfalen durch eine spezielle Staffel der Royal Air Force anzugreifen. Das Bild der zerstörten Eder-Talsperre, bei dem ein großes Stück aus der Mauerkrone herausgesprengt worden war, ist ins kollektive Bildergedächtnis der Deutschen übergegangen. Die überregionalen Kriegschroniken berichten zwar nicht über einen geplanten oder stattgefunden Angriff auf die Bever-Talsperre, doch das Datum ist mit Sicherheit kein Zufall. Der britische Premierminister Winston Churchill ging in einer Rede am 8. Juni 1943, knapp einen Monat nach dieser Operation, in einem Propaganda-Flugblatt auf die Motivation der Bombenabwürfe ein, damit Ursache und Wirkung nicht verdreht wurden: "Der Feind stimmt jetzt ein lautes Wehgeschrei darüber an, dass diese Form der Kriegsführung, durch die er selbst die Weltherrschaft zu erlangen gedachte, sich so entschieden zu seinem Nachteil gewendet hat."

Rektor Wilhelm Stuckmann beklagte in seiner Chronik, dass 1943 im zunehmenden Maße "die schönen deutschen Städte in Schutt und Asche gelegt werden". Alleine in Hückeswagen gab es 34 Mal Luftalarm, und an 55 Gebäuden entstanden Schäden. Fünf Menschen kamen ums Leben, 14 Kühe und ein Pferd verendeten nach Bränden.

NORBERT BANGERT

(nob)