Hückeswagen: Greifvogel verhindert weiter die B 237 n

Hückeswagen: Greifvogel verhindert weiter die B 237 n

Die Anwohner an der K 5 sind vom Verkehrslärm genervt. Der dort heimische Rotmilan verhindert derzeit noch den Bau der Umgehungsstraße aus Gründen des Artenschutzes. Die Stadt und der Landesbetrieb arbeiten an einer Lösung.

Horst Leimann ist sauer. Seine Frau und er wohnen in Westhoferhöhe unmittelbar an der Kreisstraße und bekommen den Verkehrslärm direkt mit. "Die K 5 ist nicht für das gebaut worden, was sie jetzt ist: eine Route für Lkw und Großtransporter in Richtung Gummersbach und der Autobahn 4", sagt Leimann. "Wir haben ab morgens um 3 Uhr ein ,Gewitter' nach dem anderen, denn dann geht der Verkehr schon los." Viele Anwohner litten seit Jahren unter Schlafstörungen wegen des Verkehrslärms. Eine Lösung dafür sei nicht in Sicht: "Obwohl die Pläne für die äußere Ortsumgehung B 237n schon seit Jahren in der Schublade liegen, passiert hier nichts", kritisiert Leimann.

Ein Grund dafür sei der Rotmilan, der in dem Gebiet heimisch ist. Der Vogel zählt zu den Arten, die unter besonderem Schutz stehen, so dass bei Bauvorhaben darauf Rücksicht genommen werden muss. Eine Umsiedlung der Tiere sei nicht einfach so möglich, sagt Leimann, was für ihn zum Schluss führt: "Der Plan der Stadt, die Umgehung zu bauen, wird auch weiter scheitern."

Der Eindruck, der dadurch auch bei den Anwohnern entstehe, gehe insgesamt in eine ungute Richtung, meint Leimann: "Wir glauben fast, dass die Stadt nur ungern die 19 Millionen Euro für die Ortsumgehung ausgeben möchte und dem Thema deshalb ausweicht." Man höre auf Anfragen nichts oder nur wenig von Bürgermeister oder Verwaltungsmitarbeitern. Zudem hätten die verantwortlichen Sachbearbeiter in den vergangenen Jahren mehrmals gewechselt, so dass keine Transparenz für die Bürger gegeben sei, bemängelt Leimann. "Schon vor 50 Jahren hat Peter Biesenbach den Anwohnern versprochen, dass er sich um eine Lösung des Verkehrsproblems kümmern würde - leider ist das bis heute immer wieder vertagt worden."

Dass die Baumaßnahme wegen eines Vogelpaars nicht angegangen werden kann, stößt auch bei anderen Hückeswagenern auf Unmut. So merkt Jürgen Hartmann pointiert an, dass der Rotmilan nun auch über dem Stadtgebiet gesichtet worden sei. "Also muss befürchtet werden, dass bald auch das neue Einzugsgebiet zur Schutzzone erklärt wird und alle notwendigen Infrastrukturmaßnahmen im Stadtgebiet untersagt werden", meint Hartmann. Der Artenschutz des Rotmilans gehe offensichtlich über den Artenschutz der Einwohner einer bergischen Kleinstadt hinaus.

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Bürgermeister Dietmar Persian kann den Unmut der Bürger verstehen. "Ich bin auch nicht zufrieden damit, dass der Vogel unser Verfahren zum Stopp bringt", versichert er. Es gebe aber nun einmal gesetzliche Vorgaben zum Tierschutz: "Der Rotmilan ist gefährdet - und auch wenn man ihn vermeintlich häufig sieht, ist er dennoch immer noch auf der Liste der geschützten Arten zu finden." Daher sei der Landesbetrieb Straßen.NRW gehalten, zu diesem Problem eine Lösung zu finden. Dies sei indes nicht so einfach. "Es geht darum, den Lebensraum für die Vogelart zu erhalten, und das bedeutet: Waldbestände, in denen sich der Rotmilan ansiedeln kann, auf Dauer zu sichern. Vor allem gegen Abholzung", erläutert Persian mit Blick auf ein Gebiet innerhalb Hückeswagens, das als mögliche "Ersatzwohnung" für den Rotmilan von der K 5 infrage kommt. Das jedoch mit Verträgen wasserdicht zu machen, sei die große Hürde, die Straßen.NRW derzeit zu meistern hätte. "Wir arbeiten Hand in Hand mit dem Landesbetrieb", betont der Bürgermeister.

Es sei nun also von vordringlicher Bedeutung, das Planfeststellungsverfahren durchzubekommen, um so "die Kuh vom Eis zu bringen". Der Bürgermeister betont weiter, dass es sich im konkreten Fall eben nicht nur um ein Vogelpaar handele: "Es geht um einen geschützten Bestandteil unserer Umwelt. Das kann einen natürlich nerven und ist unbefriedigend. Ich möchte aber auch nicht etwa in China leben, wo man sich um solche Dinge gar nicht kümmert."

Dennoch legt Persian großen Wert darauf, dass sich die Verwaltung in ständigem Austausch mit dem Landesbetrieb befinde, um das Problem schnellstmöglich zu lösen - im Sinne aller Beteiligten.

(wow)