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Hückeswagen: Gotteslob aus vielen hundert Stimmen

Hückeswagen : Gotteslob aus vielen hundert Stimmen

Das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" begeisterte am Wochenende bei drei Vorführungen knapp 4500 Zuhörer auf dem Wipperfürther Marktplatz. Mit dabei waren auch zwei Chöre aus Hückeswagen. Die Leitung hatte Stefan Kammerer.

Was für ein Abend! Was für ein Auftritt! Man muss sich einfach noch einmal die Fakten vor Augen führen: Sieben Chöre aus Remscheid, Hückeswagen und Wipperfürth, insgesamt über 200 Sängerinnen und Sänger, dazu acht teils international erfolgreiche Solisten und eine hervorragende siebenköpfige Band spielen auf dem Marktplatz Wipperfürth vor bis zu 1800 Zuschauern ein 100-minütigen Pop-Oratorium - und das gleich dreimal hintereinander. Zumindest bei der letzten Vorstellung am Sonntagabend war der Wettergott gnädig gestimmt; am Samstagabend verregnete es die Open-Air-Veranstaltung leider, auch die Vorstellung am Sonntagnachmittag blieb nicht trocken. Der Begeisterung des Publikums sowie dem Enthusiasmus der Akteure taten die Regentropfen indes keinen Abbruch: Auch am Sonntagabend gab es zum Finale völlig verdient minutenlange Standing Ovations und donnernden Applaus.

In der Tat gab es nichts zu kritisieren. Von den ersten Tönen des Chores im Prolog, der die Genesis-Geschichte im Zeitraffer nacherzählte, war klar, dass die gut 200 Sänger nicht nur optisch einiges hermachten, sondern auch einen unglaublich dichten und mächtigen Klangkörper darstellten, dem zuzuhören eine wahre Freude war. Komponist Dieter Falk, der mit Librettist Michael Kunze das Oratorium geschrieben hat, legte Wert darauf, den Chor oft und mit wunderschönen Melodien einzusetzen. Definitiv mehr als bloßes Beiwerk.

Bald schon betraten mit Sebastian Wurth und Hannah Catharina Weitzel als Erzähler-Duo die ersten Solisten die geräumige Bühne. Die beiden Wipperfürther gestalteten den erzählerischen Rahmen der biblischen Geschichte um Moses, den Auszug aus Ägypten, das goldene Kalb und die göttliche Verkündigung der titelgebenden zehn Gebote auf dem Berg Sinai. Der Marktplatz mit seinen Kneipen und Cafés als Hintergrundkulisse wirkte in der dezenten Abendsonne gar nicht anachronistisch, sondern im Gegenteil sehr stimmig. Dann schlug die Stunde der großartigen Solisten. Moses (David Michael Johnson) war nicht nur charismatisch und von eindrucksvoller Statur, sondern überzeugte mit Ausdruck und Stimmgewalt, ganz genauso seine Frau Ziporah (Silvia Vicinelli). Die beiden harmonierten prächtig und sorgten im Publikum für Gänsehaut, wenn sie romantische Duette glockenklar in den blau-weißen Abendhimmel sangen.

Moses' Bruder Aaron (Frank Logemann) sorgte für Irritation, weil er, im Gegensatz zum Rest des Ensembles, nicht kostümiert, sondern in Jackett und Jeans auftrat, überzeugte aber durch lockere Leichtigkeit im Vortrag. Definitiv die amüsanteste Rolle, vor allem im Stück "Das goldene Kalb" konnte man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen ob des swingenden Chors und der witzigen Darbietung Logemanns. Pe Felten war güldener Engel Gottes, sang hell und leicht, während Naroch (Stefan Stara) der Antagonist zu Moses war, der nicht mit dessen Handeln einverstanden war. Daniel Coninx überzeugte als Ziporahs Vater Reguil, Timo Pulvermacher war die Allzweckwaffe im Ensemble: Der 17-Jährige spielte gleich mehrere Rollen.

Großer Höhepunkt war der Karlsruher Stefan Poslovski als Pharao. Nicht nur erinnerte seine Kostümierung an das 1970er-Jahre-Musical "Jesus Christ Superstar", auch sein Ausdruck, seine Gestik, Mimik und nicht zuletzt sein grandioser Gesang rissen das Publikum zu besonders lautem Applaus hin. Die Rolle des bösen ägyptischen Gott-Pharaos war Poslovski auf den Leib geschneidert.

Ebenso Erwähnung muss die Band finden: Hochvirtuos wurde die Rock-Musik fehlerfrei dargeboten. Fazit: Es war eine wunderbare, großartige Leistung, dieses vielhundertstimmige Gotteslob!

(wow)