Heisser Draht: Gesperrte Brücke ist vor allem für ältere Anwohner ein Ärgernis

Heisser Draht: Gesperrte Brücke ist vor allem für ältere Anwohner ein Ärgernis

Hückeswagen Autofahrer vom Höchsten und vom Mühlenfeld können es verkraften, dass die Brücken-Verbindung der beiden Wohngebiete seit Mitte April gesperrt ist. Ist der Umweg für sie durch den bergischen Kreisel doch keine langwierige Angelegenheit. Die Fußgänger hingegen haben schon Probleme damit, dass die Brücke Brückenstraße am 13. April gesperrt wurde. Vor allem die älteren Anwohner.

"Wir müssen jetzt einen Riesenumweg nehmen, wenn wir Bekannte auf der anderen Seite der Brücke besuchen wollen", beschwert sich Rainer Schiewe, Anwohner der Weststraße, am "Heißen Draht" der BM.

Gerade die Älteren hätten die Brücke häufig als schnelle fußläufige Verbindung genutzt. "Man kann jetzt über den Spielplatz und den Radweg zum Sportplatz und von dort aus weitergehen", berichtet Schiewe. Aber bei Dunkelheit sei das unangenehm, zumal in diesem Bereich, vor allem auf der ehemaligen Bahntrasse, Laternen fehlten. "Da ist es stockdüster", hat der Hückeswagener festgestellt.

Schiewe fordert, dass die Brücke für Fußgänger wieder geöffnet wird. "Weil gerade viele Ältere Schwierigkeiten haben, so weit zu laufen", argumentiert er. Die Stadt müsse daher "mit allen Mitteln" die Brücke erhalten. "Irgendwo gibt es immer Möglichkeiten", glaubt Schiewe.

Die Stahlträger aus dem Jahr 1927 der Brücke, deren älteste Teile sogar 135 Jahre alt sind, sind derart massiv von Rost befallen, dass die Brücke selbst für Fußgänger rechnerisch überlastet ist. Zu diesem Ergebnis kam ein Gutachter, der der Stadt die Sperrung der Brücke für April ans Herzen legte. Spätestens Ende kommenden Jahres sollte die Brücke nach Auffassung des Gutachters komplett abgerissen werden - oder der Rad-/Gehweg unterhalb muss in diesem Bereich gesperrt werden. Der Grund dafür ist das hohe Eigengewicht der Brücke von drei Tonnen auf den Quadratmeter, das die Standsicherheit der Brücke selbst ohne Verkehrslast mittelfristig nicht gewährleistet.

Für Bürgermeister Dietmar Persian kommt nur der Abriss in Frage, denn der ist mit geschätzten 65 000 Euro die deutlich günstigste von insgesamt sechs Alternativen, die ein Ingenieurbüro im vorigen Jahr vorgestellt hatte. Die Kosten für die Sanierung oder den Neubau einer Brücke - nur für Fußgänger oder auch für Autos und Lkw - liegen zwischen 143 00 und 247 000 Euro. Mit Blick auf das Haushaltssicherungskonzept, dass er am Montag in den Rat einbringen wird, sagte er: "Wir haben kein Geld. Wir können deshalb keinen anderen Vorschlag als den Abriss machen." Zumal die Verwaltung die Brücke nicht zwingend für den Verkehr erachtet.

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Persian zeigte aber Verständnis für die Probleme der Anwohner: "Grundsätzlich kann ich die Gedankengänge nachvollziehen, weil die Brücke viel genutzt wurde." Und er wisse, dass es vielen schwer falle, weil da jetzt etwas fehle.

Rainer Schiewe regt an, wenn die Stadt denn keine neue Fußgängerbrücke finanzieren kann, eine Spendenaktion wie beim Kunstrasen für den Sportplatz zu organisieren. Er selber habe dafür damals auch gespendet, weswegen er auf der Sponsorentafel vertreten sei.

Diese Idee hat für den Bürgermeister durchaus Charme. "Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass viele Spenden hereinkommen würden." Zudem müsste die Stadt die Brücke nach einem Neubau immer noch unterhalten, was auch Geld kosten würde.

Letztlich ist die Entscheidung über die Zukunft der Brücke Brückenstraße noch nicht gefallen. Die Politik muss im Bauausschuss - entweder im August oder November - die endgültigen Weichen stellen. Wobei Persian aber davon ausgeht, dass eine Vorentscheidung bereits in der Sondersitzung des Rates am kommenden Montag fällt. Denn der Abriss der Brücke ist Teil des Haushaltssicherungskonzepts.

(RP)