Hückeswagen: Gespendete Fahrräder für Asylbewerber

Hückeswagen: Gespendete Fahrräder für Asylbewerber

Der Aufruf der Caritas-Damen Elisabeth Böhlefeld und Brigitte Wojewoda war ein großer Erfolg: Gestern wurden die ersten Räder übergeben. Lange Anfahrtswege werden kostengünstiger. Weiterer Bedarf besteht, die Warteliste ist lang.

Der Aufruf der Caritas, Fahrräder für Asylbewerber zu spenden, ist bei vielen Bürgern auf offene Ohren gestoßen: 15 Fahrräder, zum Teil kaum benutzt, wurden bislang im Caritashaus abgegeben. Gestern Morgen fand ein Teil der Fahrradübergabe statt. Die neuen Besitzer zeigten sich glücklich und dankbar, schließlich können sie ab sofort die langen Anfahrtswege vom Asylheim in Scheideweg aus kostengünstig zurücklegen. Doch die Anwärterliste ist lang. Weitere Rad-Spenden sind deshalb willkommen.

Der 25-Jährige José ist laut Caritas-Mitarbeiterin Brigitte Wojewoda ein Musterbeispiel: Seit vier Jahren ist der Angolaner in Deutschland, hat Sprachkurse besucht und teilweise aus eigener Tasche bezahlt. Vor einiger Zeit bekam er das erste Fahrrad gespendet, um damit vom Asylheim in Scheideweg zum Sprachunterricht nach Hückeswagen zu kommen. Für José eine unheimliche Erleichterung: "Zu Fuß war ich immer lange unterwegs und habe viel Zeit gebraucht, um zu Terminen in die Stadt zu kommen. Ich konnte mir ja nicht jedes Mal ein Busticket kaufen. Das ist zu teuer." José, der seine Familie in der von Bürgerkriegen und autoritären Regimen geplagten Heimat zurück ließ, ist dankbar für diese Möglichkeit und fühlt sich in Deutschland gut aufgehoben, auch wenn es nicht immer einfach für ihn ist. "Manchmal ist es schon sehr anstrengend, vor allem die Sprache zu lernen." Doch der 25-Jährige gibt sich alle Mühe, geht zusätzlich zu den angebotenen Deutschkursen, zweimal die Woche noch nach Wipperfürth zum Intensivkursus. "Es gefällt mir hier, und es ist ein gutes Gefühl, wenn es weiter geht." Mittlerweile lebt José nicht mehr im Asylheim, sondern hat eine Wohnung in Hückeswagen und ist offiziell bei der Ausländerbehörde registriert. Ein Aufenthaltsrecht hat er damit zwar noch nicht, wird aber immerhin in der Bundesrepublik "geduldet".

Der 34-jährige Abas aus Nigeria ist zwar auch, wie sein Freund José, seit vier Jahren in Deutschland, allerdings ist er längst noch nicht so weit mit seinen Deutschkenntnissen und wartet noch auf ein Fahrrad. "Es ist sehr schwierig, sich hier ohne Fahrrad fortzubewegen. Die Orte liegen weit weg, und die Transportmöglichkeiten sind für mich sehr begrenzt", sagt er. Vom Asylheim in Scheideweg zu Fuß irgendwo hin zu müssen, bedeutet, längere Wanderstrecken in Kauf zu nehmen - und Bustickets kann er sich auf Dauer nicht leisten.

Auch der 21-jährige Rami aus dem Irak hofft auf ein Fahrrad, um für Behördengänge oder zum Fußballtraining mobiler zu sein. "Allein zur Bushaltestelle sind es zwei Kilometer, wenn man von Scheideweg nach Remscheid oder Wipperfürth fahren muss", sagt der 21-Jährige. "Zu Fuß ist es schwieriger. Ein Fahrrad würde einiges erleichtern."

Die Caritas-Mitarbeiterinnen Brigitte Wojewoda und Elisabeth Böhlefeld verstehen die Anliegen der Asylbewerber gut, gehen aber, weil sie auf alle Rücksicht nehmen müssen, nach Liste vor. "Natürlich tut es uns weh, wenn wir einige abweisen müssen, weil nicht genug Fahrräder zur Verfügung stehen. Andererseits konnten wir schon viele zufrieden stellen." Wojewoda ist es wichtig, sich bei den Spendern zu bedanken: "Ich möchte ein großes Dankeschön loswerden an alle, die ihre zum Teil wenig gebrauchten Räder so selbstlos abgegeben haben. Das ist eine großartige Hilfe", sagt sie.

(sebu)
Mehr von RP ONLINE