Hückeswagen: Gericht verurteilt Fahrer von Diebesgut zu 15 Monaten Haft

Hückeswagen : Gericht verurteilt Fahrer von Diebesgut zu 15 Monaten Haft

Reiche Beute hatten Einbrecher in einer Nacht Ende August vorigen Jahres in einem Ladenlokal am Etapler Platz gemacht: Zigarettenstangen im Gesamtwert von etwa 10.500 Euro und etwa 1000 Euro Bargeld räumten sie aus dem Geschäft. Allerdings kamen sie damit nicht weit: Auf der Fahrt nach Düsseldorf wurde der Transporter mit dem Diebesgut schon bei Radevormwald im Rahmen einer Routine-Kontrolle von der Polizei gestoppt.

Der Fahrer des Wagens, ein 52-jähriger Kosovo-Albaner, musste sich nun als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihm einen gemeinschaftlich begangenen Diebstahl in einem besonders schweren Fall zur Last.

Der Mann, der in den etwa 30 Jahren nach seiner Flucht aus dem Kosovo, wo er eine Universität besucht hatte, in Deutschland auch beruflich nie Fuß fassen konnte, wurde aus der U-Haft vorgeführt, in der er seit Monaten wegen einer anderen Straftat einsitzt und noch auf die Erhebung der Anklage wartet. Im Prozess wegen des Einbruchsdiebstahls legte er nun gleich zu Beginn ein Geständnis ab. Allerdings beschränkte sich das auf die Aussage, dass er von dem Einbruch zwar gewusst habe, selbst aber nicht in das Ladenlokal eingedrungen sei.

Seine Aufgabe habe lediglich darin bestanden, den von ihm am Tag zuvor angemieteten Transporter zu fahren und die schon aus dem Laden geschaffte Beute in Hückeswagen auf einem Parkplatz in der Innenstadt abzuholen. Für diesen kriminellen "Kurierdienst", verabredet in einer Kneipe in der Düsseldorfer Altstadt, seien ihm 500 Euro versprochen worden. Dieses Geld wiederum habe er dringend gebraucht, um davon Spielschulden zu bezahlen. Die Namen seiner Auftraggeber, also der Einbrecher, die in der Tatnacht mit einem Pkw geflüchtet waren und danach nie gefasst wurden, kenne er nicht. Und an der Planung des Einbruchs sei er auch nicht beteiligt gewesen.

Zu widerlegen war diese Version im Strafverfahren nicht. Von einer "spontanen Tat" sprach denn auch der Verteidiger des 52-Jährigen. Es sei die Tragik im Leben des Mannes, dass er aus politischen Gründen in den 1980er Jahren sein Heimatland habe verlassen müssen und ohne Uniabschluss oder erlernten Beruf in Deutschland keine Arbeit habe finden können, zuerst auch keine Arbeitserlaubnis erhalten habe. So sei er zum Spieler geworden, habe auch Drogen wie Marihuana und Kokain konsumiert. Erste Straftaten folgten schnell, verurteilt wurde der Mann unter anderem wegen schwerem Bandendiebstahl und anderen Eigentumsdelikten. Erst ein Jahr vor dem Einbruch in Hückeswagen war der heute 52-Jährige aus fast sechsjähriger Haft wegen einer solchen Tat entlassen worden.

Im Gefängnis wird er auch weiter für längere Zeit bleiben, selbst wenn die Monate der U-Haft demnächst beendet sein werden: Das Schöffengericht verurteilte den Vater von vier Kindern mit Blick auf das lange Vorstrafen-Register wegen Beihilfe zum Diebstahl in einem besonders schweren Fall zu 15 Monaten Freiheitsstrafe. Auch wegen der schlechten Sozialprognose kam eine Bewährungsstrafe nicht in Frage: Der 52-Jährige muss die 15 Monate hinter Gittern absitzen.

(bn)
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