Eva-Maria Ponsar und Achim Stollberg: "Gemeinsame Sache" mit den Nachbarn

Eva-Maria Ponsar und Achim Stollberg : "Gemeinsame Sache" mit den Nachbarn

Die Kattwinkelsche Fabrik gibt es nun schon seit 25 Jahren. Sie ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ab Januar gibt es ein Projekt mit WTT und Klosterkirche, im Herbst vielleicht mit dem Rader Kulturkreis und dem Kultur-Haus Zach.

Was umfasst die Einrichtung "Kattwinkelsche Fabrik"?

Ponsar Die Kattwinkelsche Fabrik oder "Katt", wie sie allgemein genannt wird, ist ein soziokulturelles Zentrum, das die Stadt Wermelskirchen sehr engagiert betreibt. Die Katt stützt sich auf drei Säulen: den Kulturveranstaltungsbereich, den Kinder- und Jugendbereich und das Bistro Katt.

Seit wann gibt es die Katt?

Ponsar In dieser jetzigen Form seit 1991.

Stollberg Die Katt hat sich natürlich im Laufe der Zeit entwickelt. Zum Beispiel haben wir erst ab 1994 das Kontor mit integriert.

Wie ist die Katt rechtlich aufgestellt?

Ponsar Die Katt ist ein sogenannter Eigenbetrieb der Stadt Wermelskirchen. Das heißt, wir arbeiten eigenverantwortlich, sind aber der Stadt Wermelskirchen verpflichtet, Rechenschaft abzulegen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft reibungslos. Wir sind direkt dem Bürgermeister unterstellt. Die Katt ist, wie es so schön heißt, ein "geborener Verlustbetrieb": Sie macht keine Gewinne.

Aber Sie nehmen doch Eintrittsgelder?

Stollberg Das gilt für den Veranstaltungsbereich. Die Verluste entstehen hauptsächlich beim Kinder- und Jugendbereich. Wir bieten hier eine offene Tür an mit einem niederschwelligen Angebot.

Und das heißt?

Ponsar Das Prinzip gilt: Es kann jeder kommen und mitmachen. Zum Beispiel kommen viele Kinder im Alter zwischen sechs bis zwölf Jahren zum offenen Kindertreff. Sie kommen auch spontan, ohne Eltern. Und ich nehme mal an, die Eltern sind froh, dass wir ihre Kinder beschäftigen.

Stollberg Wenn sie älter werden, wachsen sie dann quasi automatisch in den Jugendbereich hinein. Er ist offen für 12- bis 18-Jährige. Hier können sie kochen, backen, basteln, Musik hören oder einfach nur abhängen. Und dann ist da noch das offene Atelier, das allen kostenlos zur Verfügung steht. Zum Teil kommen Kinder zu uns, deren Eltern auch schon da waren. Die Eltern machen vielleicht bei der Frauenkleider- und Kindersachenbörse mit und landen später im Laufe ihres Lebens beim Seniorentanztreff, der offenes Tanzen anbietet. Die Katt begleitet also durchs ganze Leben. Sie ist ein Erfolgsmodell.

Das lässt sich die Stadt Wermelskirchen ja einiges kosten ...

Ponsar Im Prinzip muss sie das sogar. Das steht so im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Die Kinder und Jugendlichen haben einen Anspruch darauf. Geld fließt hierfür auch vom Land NRW im Rahmen des Kinder- und Jugendförderplans. Allerdings ist der Umfang des Angebots für Kinder- und Jugendliche nicht festgelegt. Wir denken aber, dass unser Angebot sich gut sehen lassen kann. Eigentlich könnten wir sogar noch mehr tun.

Woran hapert's?

Ponsar Am Platz: Die Katt platzt aus allen Nähten. Uns fehlt Lagerfläche. Zum Beispiel für Requisiten. Ohne sie ist eine vernünftige Theaterarbeit mit den Kindern und Jugendlichen kaum möglich. Hinzu kommt, dass alle Räume auch nicht gleichzeitig benutzt werden können. Ein Yoga-Kursus macht keinen Sinn, wenn nebenan eine Rock-Band probt. Wir haben den Anspruch, für fast alles offen sein. Privatleute können Räume mieten, wie etwa für Hochzeiten, aber es sprengt unseren Rahmen, eine Hochzeit oder Firmenfeier für 150 Leute auszurichten.

Welche Rolle spielt das Bistro Katt hierbei?

Ponsar Die Katt hat das Bistro an den Betreiber verpachtet. Das liegt in unserer Eigenverantwortlichkeit. Ich möchte hier auch gerne sagen, dass wir mit unserem Pächterehepaar Anette und Jens Koriandt einen Glücksgriff getan haben. Die Zusammenarbeit mit den beiden läuft super-plus.

Reden wir über die Zukunft. Was plant die Katt im neuen Jahr?

Ponsar Die Kinderstadt mit 200 Kindern über 14 Tage geht 2017 ins elfte Jahr. Den überaus erfolgreichen Schnitzkursus werden wir fortsetzen und auch mit dem Künstler Take Bijlsma mit Lehm arbeiten nach dem Motto "Lehm lebt". Und die Klettergruppe plant eine "Alpenüberquerung".

Stollberg Die Kunstausstellung in der Bogenbinderhalle, die erstmalig im Oktober stattfand, wird in 2017 eine Neuauflage finden. Das "Couchgeflüster" - handgemachte Musik - wird weiter fortgeführt. Wir führen hier die Jugendlichen schrittweise an die Organisation von Veranstaltungen heran. Dann gibt's natürlich auch wie immer ein paar neue Gesichter bei der Kleinkunst und Musik. Ich freue mich schon sehr auf die "Zucchini Sistaz" am 13. Januar, auf Fee Badenius, René Sydow und Jule Malischke.

Wo kommen denn eigentlich die Katt-Gäste her?

Stollberg Jeder Zweite kommt aus den Städten im Umland. Früher haben wir das an den Adressen gesehen, an die wir die Karten geschickt haben. Heute erfahren wir das über das Online-Buchungssystem.

Warum kommen so viele Auswärtige?

Stollberg Sie mögen die Atmosphäre, vor allem in der kleinen Halle. Davon sind viele Gäste angetan. Sie sitzen sehr nahe an den Künstlern.

Die Katt arbeitet ab Januar mit der Klosterkirche in Lennep und dem Westdeutschen Tourneetheater aus Remscheid zusammen.

Stollberg Ja, wir machen mit ihnen "Gemeinsame Sache" - so lautet das Projekt. Es gibt drei Veranstaltungen an drei verschiedenen Orten für einen Super-Preis.

Warum geht die Katt diesen Schritt?

Stollberg Wir wollen die jeweiligen Besucher für die anderen Häuser neugierig machen. Das Ergebnis ist offen, aber ich denke da noch weiter.

Was meinen Sie damit?

Stollberg Ich habe schon Gespräche mit dem Kulturkreis in Radevormwald, dem Kultur-Haus Zach in Hückeswagen und der Drahtzieherei in Wipperfürth geführt. Ich möchte im Herbst dieses Projekt mit diesen Häusern fortsetzen. Ich bin optimistisch, dass es funktioniert. Konkurrenz darf es nicht geben.

BERND GEISLER UND UDO TEIFEL STELLTEN DIE FRAGEN.

(RP)
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