Hückeswagen: Gemeinsam gegen den Krebs

Hückeswagen : Gemeinsam gegen den Krebs

Eine kleine Gruppe von Frauen hat die erste Brustkrebs-Selbsthilfegruppe in Hückeswagen gegründet. Darin geht es um den Austausch von Erfahrungen, aber auch um gegenseitig Unterstützung.

Krebs gehört in der Gesellschaft noch immer zu den Tabu-Themen. Dabei sind Akzeptanz, Hilfe und Beratung für die an Krebs Erkrankten unerlässlich. Im Gemeindehaus an der Weierbachstraße wurde vor diesem Hintergrund am Dienstagabend die erste Hückeswagener Selbsthilfegruppe von Frauen gegründet, die von der Diagnose "Brustkrebs" betroffen sind. Teresa Badura und Elisabeth Böhlefeld waren die Initiatorinnen. Unterstützung fanden sie im Vorfeld der Gründung bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Susanne Müller.

Sieben Frauen aus Hückeswagen und Wipperfürth folgten der Einladung zum Gründungstreffen. Die anfängliche Befangenheit, über die eigenen Erfahrungen mit der Krankheit zu berichten, legte sich bei den Frauen im Alter von Mitte 40 bis Ende 60 schnell. Beim ersten Treffen standen das gegenseitige Kennenlernen und die unterschiedlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit im Vordergrund.

Wieder im Leben angekommen

Jede der akut kranken oder ehemaligen Krebs-Patientinnen hat ganz unterschiedliche Erlebnisse mit Ärzten, Behandlungsmethoden und teilweise unsensiblen Sachbearbeitern von Krankenkassen gehabt, so zeigte sich schnell. "Jetzt nach der Operation und der Reha, in der ich mich nur um mich selbst gekümmert habe, bin ich wieder mitten im Leben angekommen", sagte eine der Betroffenen.

Dabei sitzt der erste Schock nach der Diagnose immer tief – nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Familienangehörigen. "Ich musste nach der Diagnose erst einmal meinen Mann trösten", sagte Elisabeth Böhlefeld (69), die selbst vor drei Jahren erkrankt war.

Rege tauschte die Gruppe erste Tipps zur Bekämpfung der Nebenwirkungen einer Chemo- oder Bestrahlungstherapie aus. Praktische Fragen wie "Welche Krankenkasse übernimmt die Kosten für Taxifahrten zu den Behandlungen?" oder "Wie hoch ist die Zuzahlung für einen Haar-Ersatz?" tauchten auf. Für fachspezifische Fragen stand Dr. Isabell Stein, Frauenärztin in Hückeswagen, als Gesprächspartnerin zur Verfügung. Die Gynäkologin hat sich auf Brustkrebs und Vorbeugung spezialisiert. Sie berichtete am Dienstagabend auch über die neuesten Studien zur Früherkennung und zu vorbeugenden Jodpräparaten. Mit Ultraschall ließen sich heute bereits 80 Prozent der Krebsarten erkennen. Andere könnten mittels einer Mammographie diagnostiziert werden. Betroffen sind zirka zehn Prozent aller Frauen über 50. Zurzeit behandelt Dr. Isabell Stein 15 Brustkrebs-Patientinnen in ihrer Praxis.

Die Angst bleibt ein Leben lang

Die Selbsthilfegruppe will sich weiterhin regelmäßig treffen. "Man erfährt meist mehr von Mitpatientinnen als von den professionellen Krebsberatern", bestätigten die am Dienstagabend anwesenden Frauen. Eine weitere gemeinsame Erfahrung: Auch nach erfolgreicher Behandlung bliebe die Panik, erneut an Krebs zu erkranken, ein Leben lang bestehen. Auch um diese Ängste im Alltag, die zur Bewältigung der Krankheit gehören, wird es in den Gruppentreffen gehen.

(heka)
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