Gemeinsam gegen Ausgrenzung - neue Gruppierung in Hückeswagen

Für mehr Toleranz in Hückeswagen : Gemeinsam gegen Ausgrenzung

Die neue Gruppierung „Wir sind mehr im Bergischen“ setzt sich für mehr Toleranz, Dialog und Respekt im Miteinander ein. Entstanden ist sie aus einer WhatsApp-Gruppe heraus. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig in der Stadtbibliothek.

Das Erstarken von rechten, rechtspopulistischen und nationalen Ideen auch in der Mitte der Gesellschaft war für einige Menschen aus Hückeswagen und der Umgebung jetzt der Grund, aktiv zu werden. Die Gruppe „Wir sind mehr im Bergischen – Mehr Toleranz, Respekt, Dialog“ ist entstanden, weil die Hückeswagenerin Britta Bognanni mit Shirley Finster gesprochen hatte, um auch jenseits aller parteipolitischen Strukturen aktiv zu werden. „Wir wollen ein Zeichen setzen – und zwar bevor es zu Dingen kommt, wie etwa der Gründung eines AfD-Ortsverbands in unserer Stadt“, sagt Shirley Finster, die für die Grünen im Stadtrat sitzt.

Als erstes habe man nun eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, in der sich spontan um die 20 Bürgerinnen und Bürger zusammengefunden hätten. „Da ging es eigentlich zunächst nur darum, eine gemeinsame Plattform zu haben, um Termine für Demonstrationen und Veranstaltungen zu haben“, berichtet Finster. Doch schon bald war der Wunsch aufgekommen, sich auch persönlich zu treffen. „Bei einem ersten Treffen im Januar in der Stadtbibliothek wurde klar, dass wir ganz viele unterschiedliche Ideen und Visionen haben“, versichert Shirley Finster.

Sie alle eine jedoch der Wunsch nach mehr Toleranz, Respekt, Dialog und Vielfalt in der Gesellschaft. „Wenn ich höre, dass Menschen mit Kippa in Berlin nur mit Angst auf die Straße gehen, dann habe ich ein ganz fieses Gefühl“, sagt Wolfgang Schäfer aus Wipperfürth. Und Birgit Breuer aus Hückeswagen ergänzt: „Uns geht es nicht um Ausgrenzung, sondern um Toleranz. Wir wollen uns auch nicht hinstellen und sagen: Wir sind die Guten, die anderen sind Bösen. Wir wollen das Positive in den Vordergrund stellen.“ Schäfer: „Wir wollen nicht teilen, sondern in den Dialog kommen.“

Wie bei neuen Gruppierungen üblich, standen zu Anfang erst einmal ausführliche Gespräche über Ziele, Inhalte und Vorstellungen im Vordergrund. Dazu hatte die Gruppe einen Stammtisch in der Stadtbibliothek ins Leben gerufen, wo auch die Idee zur ersten Aktion entstanden sei. „Wir haben eine Lesung organisiert, die an eine Zeit in unserem Land erinnern sollte, in der die Gesellschaft nicht auf demokratischen Füßen stand“, sagte Beate Bröring. Diese Lesung fand am vergangenen Freitag statt (die BM berichtete). Entgegen totalitärer und faschistischer Regimes suche die Gruppe das Gespräch auch mit Andersdenkenden. „Wir wollen keinen ausgrenzen, nur im Dialog kommt man weiter“, berichtet Beate Bröring. Für die Hückeswagenerin war ihre Arbeit in der Flüchtlingshilfe eine starke Motivation für die Gründung der Gruppe.

Diese Toleranz gegenüber anderen Meinungen und die positive Herangehensweise spiegelten sich auch auf den Postkarten wider, die die Gruppe statt Flyern verteile. „Da steht zwar auch darauf, wogegen wir sind. Das ist aber vergleichsweise wenig“, versichert Shirley Finster. So heiße es da: „Wir sind gegen Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung.“

Die Gruppe informiere sich in den Netzwerken „Oberberg gegen Rechts“ und „Oberberg ist bunt, nicht braun“. „Da können wir auch unsere Aktionen publik machen“, sagt Shirley Finster. Als nächstes sei ein Beitrag zur interkulturellen Woche im September geplant. „Wir überlegen gerade, einen gastronomischen Abend zu veranstalten – mit allen möglichen Nationalitäten, die es eben in Hückeswagen gibt.“

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