Hückeswagen: GBS zieht sich aus Projekt "Altes Archiv" zurück

Hückeswagen: GBS zieht sich aus Projekt "Altes Archiv" zurück

Die Stadt hatte geplant, die Mehrfamilienhäuser an der Ewald-Gnau-Straße durch die GBS bauen und vermieten zu lassen. Doch die macht einen Rückzieher, weil sich eine Vermietung für sie nicht rentiert. Nun sucht die Stadt einen neuen Bauherrn.

Für Bürgermeister Dietmar Persian ist die Genossenschaft für Bau- und Siedlungswesen (GBS) mit Sitz an der Blumenstraße, die in der Schloss-Stadt ein Viertel der Wohnungen zur Verfügung stellt, "der geborene Partner". Vor allem, weil sie viel Erfahrung im sozialen und auch im freifinanzierbaren Wohnungsbau habe, betonte er jetzt in einem Pressegespräch. "Sie weiß, wie man solche Gebäude bewirtschaftet", sagte Persian.

Foto: Moll Jürgen

Seit etwa zwei Jahren beschäftigt sich die Verwaltung mit den Überlegungen und Planungen für ein Neubaugebiet im Bereich Bolzplatz /Ewald-Gnau-Straße. In dieser Zeit hatte sie intensiven Kontakt mit der GBS und ihrem Vorstandsvorsitzenden Thomas Nebgen gepflegt. Die war lange nicht abgeneigt, die drei Mehrfamilienhäuser mit bis zu 18 Wohnungen im Neubaugebiet "Altes Archiv" zu errichten. "Doch jetzt sind wir an einen Punkt angekommen, dass die GBS das nicht mehr machen will", bedauerte der Bürgermeister.

Nebgen bestätigte das. Dabei habe er selbst das Thema angestoßen, "ist der Bolzplatz doch eine schöne Fläche zum Bebauen", sagte er. Auch wenn der nach Anwohnerprotesten von Häusern unberührt bleibt (siehe Info-Kasten), so hat die Stadt das Projekt dennoch vorangetrieben. Nebgen: "Wir haben lange überlegt und kalkuliert." Doch letztlich sei die GBS zu dem Schluss gekommen, dass sich der Bau und die Vermietung für sie nicht rechnet. "Ohne Fördermittel müssten wir eine Miete von etwa 8,50 Euro pro Quadratmeter nehmen. Das ist in Hückeswagen schwer zu realisieren", stellte der Vorstandsvorsitzende klar. Das liegt an der für Hückeswagen geltenden Mietstufe 3, die im Landesgesetz so vorgeschrieben ist. Bei einem sozialen, also geförderten Wohnungsbau dürfe die Miete nicht höher als 5,55 Euro ausfallen - "das bekommen wir zwar vermietet, aber eben nicht gebaut", betonte Nebgen.

Ein weiterer Auslöser für den Rückzug seien eine Studie der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen und die Wohnraumbedarfsanalyse des Kreises gewesen. Beide gehen für Oberberg bis 2030 von einem Bevölkerungsrückgang aus. "Aktuell ist der Bedarf zwar noch vorhanden", sagte Nebgen. Doch weil wegen des Aufstellens des Bebauungsplans und der Genehmigung des Bauantrags viel Zeit ins Land gehen würde, könnte mit der Vermietung erst 2020 begonnen werden - und ab dann soll sich der Bedarf laut Nebgen wieder reduzieren.

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Momentan hat die Wohnungsbaugenossenschaft keine Probleme im eigenen Bestand - der Leerstand liegt bei gerade einmal 1,2 Prozent, sagte Nebgen. "Wir werden uns auch weiterhin auf unseren Bestand konzentrieren und etwa an der Wiehagener Straße weitere Häuser renovieren und dem heutigen Standard anpassen", versicherte der GBS-Chef.

Die Stadt wäre der GBS beim Verkauf des Grundstücks, das ihr gehört, entgegengekommen. "Das wäre unser Betrag gewesen, das Projekt zu stützen", sagte Persian. Doch hätte sich das auf den Mietpreis letztlich mit gerade einmal 20 Cent je Quadratmeter ausgewirkt.

Die Stadt wird das Projekt "Altes Archiv" aber nicht aufgeben, sondern das Grundstück nun zum Verkauf anbieten. Möglich ist laut Bürgermeister dort der Bau von Mietwohnungen und zu einem gewissen Anteil auch sozialer Wohnungsbau. Persian weiß, dass die Probleme, die die GBS sieht, auch andere Bauherren haben werden. "Ob es uns gelingt, das Grundstück zu verkaufen, müssen wir daher sehen", sagte er. Die Ausschreibung jedenfalls gehe noch vor Ostern raus. "Wir sind weiterhin überzeugt, dass es sich um einen guten Standort handelt", unterstrich Persian. Der Bau von Eigentumswohnungen in Hückeswagen laufe gut, "für den sozialen Wohnungsbau brauchen wir aber noch Angebote".

(büba)