Hückeswagen: Ganz wie im richtigen Leben

Hückeswagen : Ganz wie im richtigen Leben

Selbst auf dem Friedhof ist es noch wie im richtigen Leben: Wo der Raum eng begrenzt ist, ist der Streit unter Nachbarn programmiert. Der im eigenen kleinen Garten geliebte Baum stört den Mitmenschen nebenan, weil er seiner Natur nach Laub abwirft und vorher Schatten wirft, der nicht erwünscht ist.

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p class="text">Das ist der Stoff, aus dem erbitterter Nachbarschaftsstreit entsteht. Auch noch über den letzten Ruhestätten, quasi stellvertretend ausgetragen von den Angehörigen. Und weil das der Würde des Ortes wenig angemessen ist, müssen Regeln her, die Streitigkeiten im Keim ersticken, weil der Appell zur Rücksichtnahme gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen allein offenbar nicht ausreicht, Frieden zu stiften. Die Regulierung von oben herab bis ins kleinste Detail macht verdrossen. Immerhin: Abgesehen vom Verbot der Baum- und Sträucheranpflanzung wird (noch) nicht vorgeschrieben, welche Blumen aufs Grab gesetzt werden und von welcher Farbe sie sein dürfen.

Ein Rest von individueller Gestaltungsfreiheit bleibt mithin auf den wenigen Quadratmetern Erde, die die letzte Ruhestätte eines geliebten Menschen abdecken. Ansonsten gilt, ganz wie mitten im Leben und schon von Schiller konstatiert: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Hat ja auch etwas Tröstliches (und irgendwie sogar Amüsantes), dass manche Dinge sich eben niemals ändern.

(RP)