Hückeswagen: Für die Hückeswagener ist der Krieg zu Ende

Hückeswagen : Für die Hückeswagener ist der Krieg zu Ende

Für die Hückeswagener war der Zweite Weltkrieg heute vor 64 Jahren zu Ende: Am 14. April 1945 konnte durch das Einschreiten Einzelner die Stadt kampflos übergeben werden. Entgegen der Vereinbarung nahmen versprengte deutsche Wehrmachtseinheiten die amerikanische Panzerspitze unter Beschuss. Es gab an der Frontlinie Hückeswagen noch viele Tote auf beiden Seiten.

Am Morgen des 14. April krochen die Hückeswagener aus ihren Luftschutzkellern, wo sie vor dem anglo-amerikanischen Bombardement in den letzten Kriegsjahren viele hundert Mal ausgeharrt hatten. Die für die Kriegskatastrophe verantwortlich waren, waren längst über alle Berge. Die Hückeswagener Nazi-Clique hatte Reißaus genommen; sie tat es ihren Anführern gleich. Hitler, Goebbels, Himmler und wie sie alle hießen, hatten die Türen durch Selbstmord hinter sich zugeschlagen. Sie ließen das geschundene Volk, das sie einst auf den Schild gehoben hatte, allein.

Im Krieg (1939-1945) starben 277 junge Hückeswagener den "Heldentod für Führer, Volk und Vaterland": 1939 (1), 1940 (9), 1941 (25), 1942 (46), 1943 (75), 1944 (81), 1945 (40). Viele Hückeswagener werden in den Listen immer noch als "vermisst" geführt.

Inklusive der Opfer aus dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) gab es im Jahre 1950 in Hückeswagen 221 Kriegerwitwen, 383 Kriegswaisen. Im selben Jahr waren von über 1700 Hückeswagener Bürgern, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, 150 noch nicht zurückgekehrt.

44 Angehörige aus sowjetischen Republiken, die als Zwangsarbeiter im Lager Hammerstein untergebracht waren, starben. 39 davon an einer Fleckfieber-Epidemie, drei wurden "auf der Flucht erschossen", zwei nahmen sich das Leben.

In Hückeswagen waren 34 Häuser, darunter das Bahnhofsgebäude durch Luftminen, Spreng- und Brandbomben zerstört worden. Dabei gab es elf Todesopfer. Weitere Tote waren bei Tiefflieger-Angriffen zu beklagen.

Während des Krieges wurde in Hückeswagen 1811 Mal Fliegeralarm ausgelöst. Die Gesamtdauer zwischen "Vollalarm" und "Entwarnung" (Sirenensignale) betrug 45 Tage, drei Stunden und 13 Minuten. In den letzten Tagen vor dem Einmarsch der amerikanischen Fronttruppen hatte es in Hückeswagen nicht zu beschreibenden Turbulenzen gegeben. Im so genannten Ruhrkessel eingeschlossen, irrten abertausende Wehrmachtsangehörige fast aller Waffengattungen motorisiert, zu Pferde und zu Fuß über unsere Stadt- und Ausfallstraßen.

Nachdem die Wehrmachtslager in der Pauluskirche, in der ATV-Halle und in Hämmern mit Gewalt aufgebrochen worden waren, kam es zu rücksichtslosen Plünderungen der Bestände, an denen sich die Hückeswagener "in hellen Scharen" beteiligten. Das war der Abschluss der schlimmsten Zeit, die die Stadt je durchgemacht hat.

(RP)
Mehr von RP ONLINE