Hückeswagen: Frühschwimmer mit Leib und Seele

Hückeswagen : Frühschwimmer mit Leib und Seele

Seit 17 Jahren schwimmt Gerhard Welp jeden Mittwochmorgen. Der 81-Jährige unterstützt, wie mehr als 1600 andere auch, das Hallenbad, das vor zehn Jahren in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt worden war.

Für Gerhard Welp ist eines klar: "Ein Bürgerbad gehört einfach zu einer Stadt der Größenordnung Hückeswagens dazu. Genau wie eine Hauptschule oder eine Stadtbücherei", sagt der 81-Jährige, der in Wuppertal geboren wurde, aber schon ein halbes Jahrhundert in der Schloss-Stadt lebt und noch ein Jahr länger in der FDP ist. Daher verwundert es nicht, dass der Ehrenvorsitzende der Hückeswagener Liberalen sich immer schon stark für das Bürgerbad gemacht hat.

Heute unterstützt er das Bürgerbad auf andere Weise, indem er das Angebot der IG Frühschwimmer nutzt. "Ich habe auch in meiner Zeit in der Politik dafür gearbeitet, dass das Bürgerbad erhalten bleibt", sagt Welp, der ein passionierter Schwimmer ist. "Seit etwa 17 Jahren schwimme ich einmal in der Woche rund 50 Bahnen", sagt der 81-Jährige, der früher als Ingenieur im Verkauf gearbeitet hat. Auch während seiner Berufszeit habe er das Schwimmen als Ausgleich genutzt: "Ich habe in Wuppertal gearbeitet, da bin ich morgens vor dem Büro ins Schwimmzentrum Küllenhagen gegangen", erzählt Welp.

Das sei zwar vor 30 Jahren abgebrannt, hätte aber einen Vorteil gegenüber dem Bürgerbad gehabt: "Eine 50-Meter-Bahn, das war für mich vom sportlichen Aspekt her attraktiv", sagt der 81-Jährige. Im Beruf war er viel mit dem Auto unterwegs - teils bis zu 50.000 Kilometer im Jahr: "Da braucht man einen sportlichen Ausgleich. Das Schwimmen war da für mich ideal." Auch als Rentner wolle er sich den Sport nicht nehmen lassen - mit ärztlichem Segen: "Die Ärzte sagen mir, dass ich das ruhig auch weiterhin machen soll", sagte Welp schmunzelnd.

So kann man den 81-Jährigen jeden Mittwochmorgen zu früher Stunde im Bürgerbad seine Runden ziehen sehen: "Ich komme immer schon ganz früh, so dass ich gegen 8 Uhr fertig bin. Für die 50 Bahnen brauche ich etwa eine Stunde", sagt Welp. Er ist Mitglied bei den Frühschwimmern, die durch ihren Mitgliedsbeitrag das Bürgerbad unterstützen - und dort schon früh morgens schwimmen können (s. Info-Kasten). Bis vor ein paar Jahren war Welp im Sommer morgens an die Bever-Talsperre zum Schwimmen gegangen: "Das ist mir aber jetzt im Alter zu gefährlich.

Denn da ist ja kein Mensch, wenn doch mal etwas sein sollte", sagt er. Neben der Tatsache, dass schon morgens um 6.30 Uhr Bademeister im Schwimmbad seien, die im Notfall eingreifen könnten, herrsche unter den Frühschwimmern eine nette Gemeinschaft: "Man kennt sich oder lernt sich auch neu kennen, weil alle eben einen gewissen regelmäßigen Turnus haben. Da kommen immer die gleichen Leute zur gleichen Zeit", erzählt der Hückeswagener.

Und man kümmere sich umeinander - etwa, wenn mal jemand nicht anwesend sei: "Da wird sich dann erkundigt, wo derjenige denn abgeblieben ist", sagt der 81-Jährige. Um Irritationen zu vermeiden, würde man sich etwa im Urlaubsfall abmelden. So sehe Gemeinschaft unter Frühschwimmern aus. Für Welp ist es überhaupt kein Problem, schon so früh am Tag sportlich aktiv zu sein: "Das hat mich noch nie gestört.

Früher bin ich auch regelmäßig morgens joggen gewesen." Vor den ehrenamtlichen Mitarbeitern im Bad hat Welp den größten Respekt: "Mein Betätigungsfeld für das Bad war die Politik, aber ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter hier im Bürgerbad würde es das Angebot heute sicher nicht mehr geben." Das Ehrenamt hängt der 81-Jährige grundsätzlich sehr hoch: "Der Staat und die Stadt können einfach nicht alles leisten.

Daher ist es immens gut und wichtig, dass sich Menschen für ein entsprechendes Projekt engagieren." Nicht zuletzt gehe es dabei oft um Dinge, die nicht nur anderen Menschen etwas bringen, sondern auch einem selbst.

(wow)
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