Hückeswagen: Fronleichnam nach Kriegsende

Hückeswagen : Fronleichnam nach Kriegsende

Für Hückeswagen war der Zweite Weltkrieg mit dem Tag des Einmarsches der amerikanischen Fronttruppen am 14. April 1945 zu Ende. Der Spuk des Dritten Reiches fand mit der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 seinen Abschluss. Drei Wochen später, am 31. Mai, war Fronleichnam.

In Hückeswagen wurden Girlanden geflochten und Ehrenpforten aufgestellt. Auf den Straßen wurde ein Blumenflor ausgebreitet, am Prozessionsweg bauten die Katholiken Hausaltäre auf. Die Hückeswagener atmeten auf. Die seit 300 Jahren gepflegte Sitte der "Gottestracht" durch die Altstadt konnte wieder in den Brauchtumskalender der Stadt aufgenommen werden.

Zeitungen erschienen noch nicht. Die aktuellen Geschehnisse vor Ort und in der Welt aber hatte Rektor Wilhelm Stuckmann als Stadtchronist niedergeschrieben. Der Bergische Geschichtsverein hat 1995 Teile der Stuckmann-Chronik für die Zeit von 1939 bis 1946 in einem Buchband herausgegeben. Darin heißt es im Absatz "Im Wonnemonat Mai" (1945 d. Red.):

"Am letzten Mai ist Fronleichnam. Die traditionelle Fronleichnamsprozession, die im III. Reich verboten worden war, wurde heute wieder bei schönem Wetter und unter sehr starker Beteiligung von nah und fern durchgeführt. Unter der Bevölkerung herrschte große Freude über die wiedererlangte Freiheit in der Ausübung ihrer religiösen Gebräuche. Zwei Musikkapellen begleiteten den festlichen Umzug, der allerdings diesmal doch nicht durch die ganze Stadt ziehen durfte, sich vielmehr auf den oberen Stadtteil beschränken musste."

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  • Wachtendonk : Prozessionen zu Fronleichnam
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Viele Zeitzeugen erinnern sich an die besondere Atmosphäre, die von der "Hückeswagener Gottestracht" in früheren Jahren ausging. 1948 intonierten bereits drei Kapellen die zum Teil uralten Sakramentslieder an Fronleichnam. Das Rosenkranzgebet unterwegs leiteten die "Brudermeister" ein. Der Pfarrcäcilienchor sang mit Bläserbegleitung die "Hückeswagener Psalmen". Vier Honoratioren in Schwarz trugen den Baldachin über dem Allerheiligsten, weitere vier Kirchenvorstände die Ampeln mit brennenden Kerzen. Der Platz vor dem Marienhospital war ein Blumenmeer, kunstvoll zu einem Teppich drapiert.

Von dort zog die Prozession, der in der Kirche ein feierliches "Leviten"-Hochamt vorausgegangen war, zu den vier Segensaltären. Während der gesamten Prozession – sie dauerte in der Regel zwei Stunden – hatten drei Ministranten hoch oben im Kirchturm eine wichtige Arbeit zu verrichten. Sie bewegten die Glockenklöppel zum so genannten Baiern: zwei lange, drei kurze Schläge.

Die Militärregierung ließ es nicht zu, dass, wie vor dem Jahr 1933, zu den vier Prozessionssegen mit Böllern Salut geschossen wurde. Dafür bliesen die Musiker aus Hückeswagen, Wipperfürth und Radevormwald den traditionellen "Hückeswagener Prozessions-Tusch".

(RP)
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