Friedhofs-Gebühren in Hückeswagen steigen drastisch

Haupt- und Finanzausschuss Hückeswagen : Friedhofs-Gebühren steigen drastisch

Die Stadt kalkuliert neu. Ergebnis: Vor allem Urnen-Bestattungen auf dem Kamp werden ab 2020 spürbar teurer. Das trifft viele.

Am Ende des Lebens wird’s nochmal richtig teuer: Die Kosten für eine Bestattung können sich schnell zum Preis für einen Kleinwagen summieren. Daran haben die Kommunen ihren Anteil, wenn sie, wie in Hückeswagen, Betreiber der Friedhöfe sind. Denn zu den Kosten für den Bestatter kommen die Gebühren für die Friedhofsnutzung – und die sind hoch. Derzeit arbeitet die Verwaltung, unterstützt durch die Kommunal- und Unternehmensberatung Robert Roller, an einer rechtssicheren Neukalkulation.

Klar ist: Die Gebühren, die die Stadt ihren Bürgern für die Beisetzung Auf dem Kamp abverlangt, werden ab 2020 drastisch steigen. Das wurde Dienstagabend bei einer ersten Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss deutlich. Vor allem Urnen-Bestattungen werden spürbar teurer. Und damit trifft es viele, weil die Bestattungskultur sich geändert hat: War früher die Beerdigung der Regelfall, nimmt seit Jahren die Zahl der Urnenbestattungen deutlich zu. Auch in Hückeswagen werden mehr Tote eingeäschert als im Sarg zu Grabe getragen. Die Konsequenz ist, dass Urnenbestattungen stärker an der Deckung der Gesamtkosten für den Friedhof beteiligt werden müssen als bisher.

Bislang kostet ein Urnen-Wahlgrab auf dem Kamp 450 Euro, ein anonymes Urnengrab 225 Euro. Auf Grundlage der Kostenrechnung wären aber 611 beziehungsweise 680 Euro kostendeckend. Wird das bei der Kalkulation zugrunde gelegt, würden die Gebühren fürs Urnengrab um knapp 36 Prozent, im Fall des anonymen Urnengrabes sogar um gut 200 Prozent steigen. Unterm Strich wird das nicht annähernd wettgemacht durch Gebühren-Senkungen an anderer Stelle, etwa bei den Erdbestattungen. Derzeit verlangt die Stadt für ein Wahlgrab 1344 Euro. 1235 Euro könnten es künftig sein, neun Prozent weniger. Dafür werden die Gebühren für Reihen- und Rasengräber sowie anonyme Erdgräber steigen – nach derzeitiger Kalkulation um bis zu 470 Prozent (anonymes Erdgrab).

Friedhofs-Satzung und Kalkulation werden noch weiter im Fachausschuss diskutiert, bevor der Stadtrat neue Gebühren verabschiedet. Dann wird es auch darum gehen, ob die Gesamtkosten für den Friedhof – aktuell knapp 400.000 Euro jährlich – durch Gebühren komplett gedeckt werden müssen oder ob die Stadt sich eine Quersubventionierung aus dem allgemeinen Haushalt leisten kann und wenn ja, in welcher Höhe. Ein Argument dafür ist, dass der Friedhof auch eine öffentliche, der Allgemeinheit dienende Grünfläche ist.

Jedenfalls muss die Stadt konkurrenzfähig bleiben. Der Berater Robert Roller drückte es im Ausschuss so aus: „Für die Bestattung gibt’s keinen Anschluss- und Benutzungszwang.“ Heißt: Kein Hückeswagener muss am Ort beigesetzt werden, weil die Stadt das Angebot Friedhof vorhält. Es gibt Alternativen, mit dem Kolumbarium der Evangelischen Kirchengemeinde auch in Hückeswagen, sonst in Nachbarstädten. Gäbe es aus Kostengründen „Abwanderungen“, hätte die Stadt ein neues Problem: Sinkende Fallzahlen, also weniger Bestattungen auf dem Kamp, würden die Kosten pro Beisetzung und die Gebühren dafür noch weiter steigern.