Hückeswagen: Frech und respektlos, aber "met Hätz"

Hückeswagen: Frech und respektlos, aber "met Hätz"

Bei der 86. Galasitzung der Kolpingsfamilie am Karnevalssonntag sorgten wieder ausschließlich Beiträge aus den eigenen Reihen für Begeisterung im Publikum. Auch war der 2016 verstorbene "Stadtbüttel" Franz Mostert Teil des Programms.

Sitzungspräsident Tobias Bosbach ist mittlerweile länger im Amt als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und zusammen mit seinem Team sorgte er für Unterhaltung - sechs Stunden lang. Schon beim Einzug des Elferrats war die Stimmung unten den etwa 200 fantasievoll gekleideten Narren im Kolpingsaal groß - und daran konnte nicht einmal der gewohnt schief-schöne Gesang Bosbachs rütteln. Was auch daran lag, dass er in seiner viertelstündigen Begrüßung sowohl die Bundes- als auch die Lokalpolitik gekonnt aufs Korn nahm: "Der Schulz-Zug war nur bla-bla-bla, der Wähler, der will Jamaika", hieß es da etwa. Oder: "Tausendmal sondiert, tausendmal ist nix passiert, tausendundeine Nacht - der Lindner hat's verkackt."

Lokal betrachtet ging es am Sonntagabend hingegen vor allem um die Schulpolitik. Diese hatten sich fast alle Mitwirkenden zentimeterdick aufs Bütten-Manuskript geschrieben. "Ich werde jetzt mal vernünftig Schule machen", sagte etwa Bosbach und zeichnete anschließend ein buntes Bild vom Gebaren der Helikopter-Eltern in der ersten "Drive-in-Schule" Deutschlands - der (mit Blick auf die Fraktionschefs von Grünen, CDU und SPD) Egbert-Christian-Grasemann-Grundschule.

Keine Minions, sondern Mini-Bauarbeiter: der Kolping-Nachwuchs. Foto: Meuter Peter

Die Kolping-Kinder und die Kolping-Jugend machten diesbezüglich zwar eine Pause. Aber sowohl überzeugten die einen als Bauarbeiter - was ja durchaus auch ein politisches Thema war - und die anderen als gigantisches Radio. Da wurden munter Themen, wie die Übertragung des Boxkampfs zwischen Uwe "Sonnenkönig" Ufer und Dietmar "das Wiesel" Persian oder die Werbung für die perfekte Hautpflege für das Kleinkind, zusammengeschnitten.

Nach dem kfd-Auftritt von Monika Lübbert und Claudia Eberius als humorvolles Duo Frau Höhneköffel und Immobilienmaklerin Krautwald, stand ein weiterer Höhepunkt an: "de Küttel vam Morjenstern", Michael Loh und Heinz Pohl. Als "Security von Hückeswagens Justizminister Peter Biesenbach", der gut gelaunt als Clown im Publikum saß (siehe Info-Kasten), kommentierten sie gewohnt launig das Lokal- und Weltgeschehen, immer mit Bass und Gitarre in den Händen. Auch hier war die Schule Thema: Zur Melodie des Country-Klassikers "Rawhide" hieß es da: "Tauschen, tauschen, tauschen. . ." und: "Montanus hin, Realschul' her, die Löwen liegen uns doch quer, wo geh'n wir hin, wo sind wir drin - Schultausch!"

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Nach der Pause wurde es kurzzeitig etwas sentimental, das aber auf sehr stilvolle Weise: Stefan Teders präsentierte als "Der Weber vom Island" eine großartige Hückeswagener Variante des "Münchner im Himmel". Da unterhielt er sich nämlich mit keinem Geringeren als dem im November 2016 verstorbenen "Stadtbüttel" Franz Mostert. Dass es ein gutes Jahr nach dessen Tod im Kolpinghaus doch noch einmal "Bekanntmachung!" hieß, sorgte für die eine oder andere Träne im Knopfloch.

Der "Fanfarenzug von 1966", gebildet von Mathias Pohl und Tobias Friedrich, brachte dann den wohl bissigsten Auftritt des Abends auf die Kolping-Bühne. Frech und respektlos, das aber immer "met Hätz", ging es etwa um die Leitung des Kirchenchors: "Wie ist der eigentlich seinen neuen Chorleiter losgeworden?" Den haben sie bei Ebay geschossen. Und so sind sie ihn auch wieder losgeworden." "Ja, wer dumm kauft, der bezahlt eben zweimal." Auch der (aus Brandschutzgründen gesperrte) Ratssaal stand auf ihrer Abschussliste: "Für Brigitte Thiel, die Deppen vom Kreis und alle Ratsmitglieder kommt jetzt das Lied 'Wachet auf, ruft uns die Stimme'."

Ehe das beliebte Männerballett dann auf gewohnt sexy Art das große Finale einläutete, betrat noch Heinz Pohl als Paul Posthorn die Bühne. Trump, Merkel, Schulz und Maybritt Illner suchten Rat beim "letzten analogen Telefonisten". Dazwischen - auch an Posthorn ist die digitale Welt nicht vorübergegangen - gab es herrlich-pointierte Werbung: Schnaff, so hieß der Wasserfuhr-Konzern, der mit Sprüchen wie "Ist die Uniform neu? - Nein, mit Schnaff gewaschen!" oder "Schnaff macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel" durchaus zufrieden sein konnte.

Nach gut sechs Stunden endete eine wunderbare Galasitzung.

(wow)