Hückeswagen: Fortbildung über unterschiedliche Bildungssysteme in vielen Ländern

Hückeswagen: Fortbildung über unterschiedliche Bildungssysteme in vielen Ländern

Mit einem Fachforum sensibilisierte das Kommunale Integrationszentrum Oberbergischer Kreis jetzt für die Unterschiedlichkeit von Bildungssystemen in verschiedenen Ländern. Lehrkräfte, Mitarbeiter der Schulsozialarbeit und Fachkräfte des Offenen Ganztags erfuhren, wie Unterricht, Bildungswege und Ausbildungsübergänge in den Herkunftsländern von Geflüchteten aussehen. Die Referenten machten deutlich, dass unterschiedlichen Erfahrungen mit Bildung und Ausbildung zu Missverständnissen im Schulalltag führen können.

"Stellen Sie sich vor, Sie sind bisher immer für Ihre Arbeit bezahlt worden, aber jetzt sollen Sie arbeiten, ohne dafür Geld zu erhalten - wie würden Sie sich fühlen?", fragte Mousa Othman von der "Kausa"-Servicestelle Essen, die Selbstständige und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Fragen zum Thema Ausbildung berät und unterstützt. Das passiere, weil in Ländern wie dem Irak, Iran, Afghanistan oder Syrien weder der Begriff noch die Bedeutung des Wortes Praktikum bekannt sind. Ebenfalls unbekannt sei die duale Form der Ausbildung. In der bildungsferneren Gesellschaftsschicht, in der kein Zugang zur allgemeinbildenden Oberstufe bestehe, würden Kinder ab sechs Jahren bereits mitarbeiten, zum Beispiel in der Werkstatt des Vaters. So komme ein 20-Jähriger, der geflüchtet ist, leicht auf zwölf Jahre Berufserfahrung - hier angekommen, soll er aber an kleinen Prüfstücken unter Beweis stellen, ob er für eine Ausbildung geeignet ist. Das führe zu Unverständnis und Frustration. "Hier hilft nur, unermüdlich Überzeugungsarbeit zu leisten", empfahl Othman. "Denn in den Herkunftsländern des Nahen und Fernen Ostens bedeutet eine Ausbildung zu absolvieren soviel wie keinen Zugang zum Arbeitsmarkt zu haben und keine soziale Anerkennung zu bekommen."

In der Abschlussrunde wurde deutlich, wie wichtig der Erwerb der deutschen Sprache und der beruflichen Fachsprache für den Übergang in die Ausbildung und in den Arbeitsmarkt ist: "Das Sprachniveau B 2 ist ein absolutes Muss, um eine Ausbildung beginnen zu können", sagte Othman. Die jungen Erwachsenen sollten Deutsch möglichst in Kommunikations- und Handlungszusammenhängen lernen. Reiner Grammatikunterricht bringe niemanden weiter, sich in einem Betrieb mit anderen Menschen zu verständigen aber schon. "Eine durchgängige Sprachbildung muss sprachliche und fachliche Inhalte verknüpfen und erfolgt auf der außerschulischen Ebene", sagte Birgit Pempera vom Fachbereich Integration durch Bildung.

(rue)