Forensischer Bildervergleich überführt Temposünder

Blitzer in Hückeswagen : Forensischer Bildervergleich überführt Raser

Ein 27-Jähriger wird in Hückeswagen geblitzt, bestreitet aber, der Fahrer gewesen zu sein.

Der Normalfall sieht so aus: Man fährt zu schnell mit dem Auto, wird geblitzt, bekommt ein paar Tage später Post, bezahlt die Knolle – das Thema ist vom Tisch. Wenn man damit jedoch nicht einverstanden ist, kann man Einspruch erheben. So hatte das ein Duisburger gemacht, der als Halter eines Autos ermittelt wurde, das im Juni 2018 mit 23 Stundenkilometern zu schnell von der stationären Tempomessanlage in Kammerforsterhöhe geblitzt worden war. Daraufhin wurde der Sohn als nächster Verwandte im passenden Alter ermittelt. „Ich war das nicht. Ich weiß immer noch nicht genau, worum es hier eigentlich geht“, sagte der 27-Jährige jetzt vor dem Amtsgericht in Wipperfürth. Das Pikante für den jungen Mann war nämlich: Er hatte keinen Führerschein mehr.

Den hatte er schon 2012 abgeben müssen, weil er zu schnell und über rote Ampeln gefahren war. „Ich war damals noch grün hinter den Ohren, aber das ist vorbei“, versicherte der 27-Jährige. Allerdings war er nach diesen Vorfällen schon einmal ohne Führerschein am Steuer erwischt worden, weswegen dieser auf längere Sicht eingezogen worden war. Seither kämpfe er darum, dass er ihn wiederbekomme. „Denn ohne kommt man nicht weit im Leben“, sagte der Angeklagte. Ob er denn wisse, wo er zur Tatzeit gewesen sei, wollte der Richter wissen. „Nein, das ist über ein Jahr her. Keine Ahnung.“

Wenn ein solchermaßen Beschuldigter sage, er sei nicht hinterm Steuer gesessen, müsse man einen Sachverständigen einschalten, betonte der Richter. In diesem Fall war eine forensische Anthropologin aus Rommerskirchen zum Amtsgericht Wipperfürth gekommen. Die Sachverständige wollte ein Vergleichsfoto des Angeklagten machen. Dann würde sie dieses mit der Aufnahme des Blitzers vergleichen und ihr Urteil zu Übereinstimmungen abgeben. Damit war der Angeklagte jedoch zunächst nicht einverstanden. „Müssen die Bilder gemacht werden?“, fragte er. „Ja, Sie müssen diese Maßnahme dulden“, stellte der Richter klar. „Ich kann das auch anordnen. Dann werden Sie für die Aufnahme von der Wachtmeisterei fixiert.“ Daraufhin gab der Angeklagte klein bei.

Nachdem die Bilder angefertigt und ausgedruckt worden waren, verglich die Sachverständige sie mit dem Originalbild der Radarfalle. „Anhand der Merkmale komme ich zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte höchstwahrscheinlich auch auf dem Bild der Radarfalle zu sehen ist“, sagte sie. Das sei die zweithöchste Kategorie. Die höchste, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, würde hingegen kein seriöser Sachverständiger je verwenden. Der Angeklagte blieb jedoch bei seiner Aussage: „Ich kenne mich – das auf dem Bild bin ich nicht.“

Der Richter wiederum gewichtete den Befund der Sachverständigen als „sehr gewichtiges Indiz“. Er sagte: „Ihr Vater war es nicht, auch nicht der Nachbar, der sich das Auto geliehen haben könnte. Und ein drittes Kaninchen haben wir nicht im Hut. Es müsste schon Ihr bislang unbekannter Zwilling gewesen sein.“

Er blieb in seinem Urteil etwas unterhalb der Forderung der Staatsanwältin, die 100 Tagessätze zu je zehn Euro und eine zweijährige Führerscheinsperre verlangt hatte. Er verurteilte den 27-Jährigen zu 80 Tagessätzen zu je zehn Euro und einem Jahr Sperre. „Sie sind einschlägig vorbestraft, da ist eine einjährige Sperre das Minimum“, sagte der Richter. „Für eine erfolgreiche MPU brauchen Sie dieses Jahr ohnehin.“

Mehr von RP ONLINE