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Food-Saver in Hückeswagen unterwegs

Hückeswagener retten Lebensmittel : Kreatives mit gerettetem Brot anstellen

Die Bäckerei von Polheim ist einer der Betriebe in der Schloss-Stadt, die von den Foodsavern angefahren werden. Für von Polheims ist es ein Ärgernis, wenn ihre Backwaren im Müll landen müssten. So ist die Back-Arbeit nicht umsonst.

Melanie Kirschsieper hält am Etapler Platz gegenüber der Bäckerei von Jörg von Polheim. In regelmäßigen Abständen ist sie hier, um Brote, Brötchen, Teilchen und Gebäck zu retten. Die junge Mutter ist Foodsaverin, hat mit anderen Mitstreitern vor anderthalb Jahren die Hückeswagener Gruppe gegründet. Und sie ist oft unterwegs, fährt kooperierende Lebensmittelhändler an, um dort Lebensmittel zu retten, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, aber grundsätzlich noch verzehrbar sind. Seit April führt sie selbst oder einer ihrer Kollegen zweimal in der Woche der Weg zur Bäckerei von Polheim.

„Es gibt Betriebe, da kann man auch alleine hinfahren, weil es einfach überschaubar ist, was wir dort abholen. Bei anderen wiederum müssen wir mit mehreren Personen sein“, sagt Kirschsieper.

Von Polheims Frau Sabine wartet schon auf die Lebensmittelretterin. „Heute ist es ein bisschen mehr als üblich“, sagt sie und deutet auf die Bleche hinter der Glasvitrine und die Körbe, in denen sich immer noch Brötchen befinden. „Wenn wir heute einen richtig schönen Sommertag mit Grillwetter hätten, dann wäre nicht mehr viel übrig“, sagt Sabine von Polheim. Ihr Mann ergänzt: „Das ist ja die große Schwierigkeit – die Kalkulation.“ Den Bäckermeister ärgert jedes Brötchen, das in der Tonne landet. „Ich bin schließlich dafür die Nacht über in der Backstube gestanden, Landwirte haben für die Rohstoffe gearbeitet – und das soll dann in die Mülltonne? Es ist aber auch eine Frage der Erziehung“, sagt er. Genau wie seine Frau sei er in der Kindheit zur Sparsamkeit erzogen worden: „Lebensmittel werden einfach nicht weggeworfen“, lautet seine Überzeugung.

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So geben sie nach Feierabend ihre übriggebliebenen Backwaren gerne ab. Und das beinahe an jedem Tag der Arbeitswoche, sagt Sabine von Polheim und schmunzelt. „Es kommen Vereine, die für Veranstaltungen die Reste holen, dazu geben wir an zwei Tagen an die Islandtafel ab, und es kommt auch meine Schwester, die als Sozialarbeiterin in Gummersbach arbeitet.“ Und nun eben an zwei Tagen in der Woche auch noch die Foodsaver. „Eine unserer Töchter hat die Zusammenarbeit eingefädelt“, sagt Jörg von Polheim. Die Eltern seien im April im Urlaub gewesen, die Tochter, die in Mainz studiert, habe damals im Laden ausgeholfen. „Sie kennt das Prinzip des Lebensmittelrettens aus Mainz und hat uns überredet, mitzumachen“, sagt Jörg von Polheim. Das klappt so gut, dass die von Polheims für privat und den Laden nur eine normale Biotonne brauchen.

Die Zahl der Lebensmittelretter in der Schloss-Stadt wächst. Und mit ihr auch die Ideen, was man mit den nicht mehr ganz taufrischen Lebensmitteln anfangen könnte. „Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt“, sagt Kirschsieper. So mache sie gerne Käsebrot aus den Laiben, die sie rettet. „Ganz einfach den Brotlaib wie die Kruste eines Bratens rautenförmig und tief einschneiden, Käsescheiben hineinlegen, etwas Kräuter und Öl drüber träufeln und für zehn Minuten in den Ofen stellen – einfach und köstlich!“

Aus altem Baguette könne man wunderbar Brotchips machen. Auch besondere Techniken wie Einkochen, Entsaften oder Fermentieren würden die Lebensmittelretter ausprobieren. „Auf unserer Facebook-Seite haben wir dafür eine eigene Gruppe installiert“, sagt Kirschsieper.

An diesem Tag ist die Ausbeute groß, zum einen freut das die Lebensmittelretterin, kann sie doch gleich in der Foodsaver-WhatsApp-Gruppe eine größere Abholung ankündigen. Andererseits wäre es ihr am liebsten, nichts retten zu müssen. „Aber ich bin froh, dass es in gute Hände kommt und die Back-Arbeit nicht umsonst war“, sagt Sabine von Polheim, als sie die dritte kleine Kiste mit süßen Teilchen in Kirschsiepers Kofferraum packt.

Sie freut es auch, dass die Lebensmittelretterin mit sauberen Plastikkisten zur Abholung kommt: „Dann mache ich das noch viel lieber“, sagt sie schmunzelnd, und Kirschsieper ergänzt: „Die Kisten sind lebensmittelecht, das ist mir wichtig beim Abholen.“