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Hückeswagen: Flüchtlinge - Stadt stößt an ihre Grenzen

Hückeswagen : Flüchtlinge - Stadt stößt an ihre Grenzen

Durch die großen Konflikte in der Ukraine, im Irak und in Syrien hat die Zahl der Asylbewerber in Deutschland in den vergangenen Wochen dramatisch zu genommen. Auch Hückeswagen stößt an die Grenzen seiner Kapazität.

Noch bis vor acht Jahren unterhielt die Stadt Hückeswagen gleich vier Übergangsheime, in denen zugewiesene Asylbewerber eine vorübergehende Bleibe fanden. Doch nach dem Boom der Flüchtlinge und Aussiedler in den 1980er Jahren war der Zustrom immer weiter abgeebbt. In der Folge entschloss sich die Stadt, nur noch das Übergangsheim in Scheideweg zu behalten. Die Gebäude an der Kölner und der Ewald-Gnau-Straße wurden anderweitig genutzt, das Haus in Kammerforsterhöhe wurde sogar abgerissen. Die damals dort noch wohnenden Asylbewerber wurden auf Wohnungen verteilt, die die Stadt auf dem freien Markt fand - Leerstände gab es genug.

Lange Jahre war es ruhig, so dass das Haus in Scheideweg völlig ausreichend war für die Flüchtlinge aus aller Welt, die der Bund in die Schloss-Stadt schickte. "Dort ist Platz für etwa 36 Menschen", sagte gestern Roland Kissau vom Ordnungsamt auf Anfrage der BM. "Ausgebucht" war das Übergangsheim lange Zeit nicht. Das sieht inzwischen aber völlig anders aus: "Aktuell leben 51 Asylbewerber bei uns", sagte Kissau. Die Männer und Frauen kommen aus der ganzen Welt, etwa aus dem Iran, Irak, Albanien, Georgien, der Mongolei, China, den Philippinen, Eritrea und Bangladesch. Aus dem Bürgerkriegsland Syrien lebt ein Mann in der Schloss-Stadt.

Allerdings können nur 31 Asylbewerber im einzigen Übergangsheim der Stadt untergebracht werden. "Die restlichen Plätze in Scheideweg benötigt das Ordnungsamt, falls wir Obdachlose unterbringen müssen", erläuterte Kissau. Bis vor sieben Jahren hatte die Stadt für sie noch eine Unterkunft am Brunnenweg. Das Haus gehört inzwischen jedoch der Gefährdetenhilfe Scheideweg, die darin ihren Jugendtreff für Wiehagen eingerichtet hat.

Von den übrigen 20 Asylbewerbern, die in Hückeswagen leben, zogen 13 in städtische Mietwohnungen auf dem Fürstenberg. Zwei Familien mit insgesamt sieben Personen haben sich laut Kissau selbst private Wohnungen angemietet.

Wie es weitergeht, konnte Kissau nicht sagen. Mit Blick auf die Tendenz der vorigen Monate geht er jedoch davon aus, dass die Zahl der Asylbewerber in der Schloss-Stadt weiter steigen wird. "In der vorigen Woche sind acht, in dieser drei neue hinzugekommen." Seit Anfang Juni ist die Zahl der Zuweisungen um 16 gestiegen. Mit Blick auf die Unterbringungssituation meinte der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts: "Wir ächzen auch schon."

Das gilt auch in Bezug auf die Finanzierung der Flüchtlinge. Das Land bezuschusst die Kosten für die Unterbringung, Lebenshaltung und ärztliche Versorgung mit mehr als 91 Millionen Euro in diesem Jahr. Aufgeschlüsselt nach sämtlichen Städten und Gemeinden erhält Hückeswagen jedoch nur 85 000 Euro, den Rest muss die Stadt selber tragen. Dafür hatte die Kämmerei zu Jahresbeginn rund 235 000 Euro im Haushalt veranschlagt, doch das Geld war bereits in der ersten Jahreshälfte aufgebraucht. So stimmte der Rat im Juni zu, weitere rund 200 000 Euro zu bewilligen. "Das könnte bis Jahresende aber knapp werden", befürchtet Kissau.

(RP)