Feuer in der Innenstadt von Hückeswagen Dachstuhlbrand sorgt für einen Großeinsatz der Feuerwehr

Update | Hückeswagen · Großeinsatz für die Hückeswagener Feuerwehr am Freitagmorgen: Gegen 8.20 Uhr war ein Feuer im Dachgeschoss eines Fachwerkhauses an der Heidenstraße ausgebrochen. Mehr als 80 Einsatzkräfte bekämpften die Flammen.

Hückeswagen: Dachstuhlbrand sorgt für einen Großeinsatz der Feuerwehr
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Dachgeschoss eines Fachwerkhauses in Hückeswagen ausgebrannt

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Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Großbrand in der Innenstadt: Am Freitagmorgen brach gegen 8.20 Uhr ein Feuer im Dachgeschoss eines alten, bergischen Fachwerkhauses an der Heidenstraße aus. Mehr als 80 Einsatzkräfte aus allen Hückeswagener Einheiten sowie weitere Kräfte aus Radevormwald, Wipperfürth und vom Oberbergischen Kreis bekämpften die Flammen auch unter Atemschutz. Ein Feuerwehrmann verletzte sich durch herabfallende Ziegel, die 14 in dem Haus Heidenstraße 2 gemeldeten Bewohner blieben unverletzt. Zur Brandursache konnte die Polizei bislang noch nichts sagen. Pressesprecher Michael Tietze vertröstete auf kommende Woche. Dann könne eventuell mit Ergebnissen gerechnet werden.

Die Feuerwehr konzentrierte sich bei ihrem Einsatz darauf, dass die Flammen nicht auf das Haus Heidenstraße 4 übergriffen, was letztendlich auch gelang. Wegen des enormen Ausmaßes und weil an einem Freitagmorgen viele freiwillige Feuerwehrleute bei der Arbeit sind, wurden sogleich auch Kräfte aus den umliegenden Kommunen alarmiert – außerdem der Atemschutzcontainer des Kreises angefordert. „Vormittags ist immer ein schlechter Zeitpunkt für so einen großen Brand, da müssen wir Kollegen aus den benachbarten Städten mit alarmieren“, sagte Einsatzleiterin Silke Lemmen. Sie ist stellvertretende Wehrleiterin in Hückeswagen und Gruppenführerin der Einheit Holte.

Als die Feuerwehr am Einsatzort eintraf, brannte der Dachstuhl der Heidenstraße 2 bereits lichterloh, die Flammen schlugen den Einsatzkräften entgegen, berichtete Silke Lemmen. Der obere Teil des Gebäudes habe im Vollbrand gestanden. Deshalb habe man sofort Kräfte nachgeordert. Vermutet wurde, dass der Brand im unteren Bereich des Dachgeschosses ausgebrochen war, das Gebäude ist auf einer Länge von mindestens 30 Metern drei- und zweigeschossig. Zwischen den Häusern Nummer 2 und 4 gibt es eine Brandschutzmauer vom Keller bis unters Dach, deshalb richtete die Feuerwehr ihr Augenmerk vor allem auf die Rettung der einen Haushälfte.

„Bei einem Dachgeschossbrand ist es üblich, dass man mit zwei Drehleitern von zwei Seiten aus den Brand bekämpft“, berichtete Kreisbrandmeister Wilfried Fischer, der seine Kollegen vor Ort unterstützte und Hilfestellung gab. Nach Angaben von Silke Lemmen war lange Zeit unklar, ob sich noch Menschen in dem Brandhaus befanden. Bürgermeister Dietmar Persian, der sich am Unglücksort über den Einsatz informierte, berichtete, dass laut Angaben aus dem Ordnungsamt 14 Personen für das Haus gemeldet sind, niemand wurde nach ersten Erkenntnissen verletzt.

Da bei einem Brand eines solchen Ausmaßes die zur Verfügung stehenden Wasserleitungen oft überlastet sind, sorgte die Einheit Stolte für eine Leitung zum Stadtparkteich schräg gegenüber und leitete das Wasser aus dem Ententeich zum Unglücksort. Nach gut zwei Stunden hatten die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle.

Um noch gezielter vorgehen zu können und mögliche Glutnester vorzeitig zu entdecken, kam auch die Drohne der Hückeswagener Feuerwehr zum Einsatz, die die Firma Pflitsch den Rettern im Juli gespendet hatte. „Das ist sehr sinnvoll, weil wir noch viel genauer arbeiten können“, meinte Silke Lemmen. Mario Moritz ist der Einheitsführer für die Drohnenstaffel bei der Feuerwehr. Er steuerte das Gerät gut sichtbar über dem Brandhaus. „Ich kann die einzelnen Bereiche des Hauses für die Nachlöscharbeiten abfliegen und erkennen, wo sich vielleicht noch Hitze sammelt und Glutnester sind“, berichtete er. Seine wertvollen Informationen gab er dann umgehend an die vorrückenden Trupps in dem Brandhaus weiter.

Während des Einsatzes entdeckten die Einsatzkräfte eine Katze in dem Brandhaus, die sich aber glücklicherweise in einem rauchfreien Raum befand, wie Wilfried Fischer mitteilte. Das Tier sei zu scheu gewesen und habe sich nicht einfangen lassen.

Nachbarn und Passanten beobachteten am Freitagmorgen den Großeinsatz der Feuerwehr. Unter ihnen auch Vincenzo Pitingaro, der ganz unten im Unglückshaus Nummer 2 lebt. Seit 40 Jahren. „Niemals ist so etwas passiert“, sagte er sichtlich geschockt mit bangem Blick auf die andere Straßenseite. Dichter Rauch steigt noch immer aus dem Gebäude, in dem er lebt. Ein Anruf habe ihn am Freitagmorgen aus dem Schlaf gerissen und vor dem Brand gewarnt. Schnell zog sich der Hückeswagener etwas an und rannte aus dem Haus. Mitnehmen konnte er nichts. Papier, Geld, Erinnerungen – „ich habe nichts mehr“, sagte er. Er sei jetzt wohl heimatlos.

Auch Uwe Biere steht fassungslos an der Kreuzung Bachstraße/Heidenstraße/Friedrichstraße und verfolgt die Rettungsmaßnahmen. Er ist der Eigentümer des Hauses Nummer 4, das die Feuerwehr versucht zu retten. Er hoffe auf die Brandschutzmauer, die zwischen den beiden Häusern vom Keller bis unter die Dachziegeln reiche. „Die Nachbarin von gegenüber rief mich auf der Arbeit an und informierte mich über das Feuer“, berichtete Biere. Sofort eilte er zum Unglücksort und bangte um sein Zuhause.

In dem Unglückshaus wohnen nach seinen Angaben viele Menschen, es gebe drei Haustüren, viele Stockwerke und mindestens sechs Wohnungen in dem lang gezogenen Gebäude. „Früher war das eine Weberei. Textilfabrikant Friedrich Bockhacker hat das Haus erbaut, das muss zwischen 1832 und 1860 gewesen sein“, berichtete Biere, der zumindest einen großen Wasserschaden für sein Haus befürchtete. „Die Situation ist absolut belastend, denn in dem Haus ist ja alles drin, was einem gehört“, sagte er nachdenklich. Am Nachmittag dann vorsichtige Entwarnung für ihn: In seinem Haus scheint es nicht gebrannt zu haben, auch Wasser sei wohl nicht eingedrungen. Trotzdem kann er erst am Montag wieder in sein Haus, weil das THW die zerstörte Eingangstür sichern muss. „Ich atme also nur bedingt auf. Meine Sorge ist: Was passiert mit meinem Haus, wenn das Nachbarhaus abgerissen werden muss?“, fragt er.

Damit die Einsatzkräfte etwas Warmes zu trinken bekommen, verteilt Friedel Thiemann vom CVJM Kannen mit heißem Kaffee. Was zunächst als private Initiative begann, ergänzte die evangelische Kirchengemeinde, in dem sie ihr Gemeindehaus an der Lindenbergstraße öffnete – „für Menschen, die vielleicht Zuflucht suchen“, sagte Thiemann. Bürgermeister Dietmar Persian telefonierte derweil viel, denn weil das Brandhaus wohl unbewohnbar ist, muss nun geklärt werden, wo die Bewohner unterkommen. „Das sieht echt übel aus“, sagte Persian mit Blick auf das Unglückshaus: „Das ist eine Tragödie für die Menschen, die dort wohnen.“

Kurz nach Mittag kam dann die erlösende Nachricht aus dem Ordnungsamt: Mitarbeiter Roland Kissau teilte mit, dass alle Bewohner untergebracht sind – 13 bei Freunden, Familien und Verwandten und einer durch die Stadt. Außerdem berichtete Kissau, dass die Heidenstraße übers Wochenende gesperrt bleibt. Das Haus sei zwar nicht akut einsturzgefährdet, aber es könnten immer mal wieder Teile des Gebäudes auf die Straße fallen. Und das sei schlichtweg zu gefährlich. Deshalb sei die Einfahrt für Autos nur von oben von der Ringstraße möglich bis zum Brandhaus, aber nicht von unten von der Bachstraße. Für Fußgänger ist der Bereich in beide Richtungen gesperrt – mithin auch für die Schulkinder, „die sich am Montag einen anderen Weg suchen müssen“, sagte Kissau.

Am Nachmittag zwei Stunden vor Eröffnung des Weihnachtsmarktes „Hüttenzauber“ zeigte sich Bürgermeister Dietmar Persian erleichtert über den dann doch noch unterm Strich glimpflich verlaufenen Brand. „Ich bin sehr dankbar, dass niemand ernsthafter verletzt wurde“, sagte er. Sein Dank richtete sich an alle Einsatzkräfte und Helfer, die eine wirklich gute Arbeit geleistet hätten. „Das hätte alles auch durchaus schlimmer enden können, aber das schnelle Eingreifen und das kluge Handeln aller habe das verhindert“, lobte er den Einsatz aller Kräfte.

Der Dachstuhl eines Fachwerkhauses in der Heidenstraße in Hückeswagen brennt. Rettungsdienst und sechs Einheiten der Feuerwehr waren vor Ort im Einsatz.

Der Dachstuhl eines Fachwerkhauses in der Heidenstraße in Hückeswagen brennt. Rettungsdienst und sechs Einheiten der Feuerwehr waren vor Ort im Einsatz.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Kurz nach 15 Uhr war auch die Feuer damit beschäftigt, den Einsatz langsam zu beenden. „Wir sind noch vor Ort und erledigen letzte Arbeiten“, sagte Silke Lemmen. Das Feuer sei endgültig gelöscht, und eine letzte Runde mit der Drohne samt Wärmebildkamera habe auch keine Glutnester mehr gezeigt. Deshalb müsse die Feuerwehr auch keine Brandwache einrichten. „Das THW sichert jetzt das Gebäude, damit da niemand reinkommt, ein Bausachverständiger hat geprüft, dass das Haus derzeit nicht akut einsturzgefährdet ist“, sagte sie. Somit endete nach knapp acht Stunden der Einsatz der Feuerwehr. Auch die Anwohner durften sich freuen: Sie bekamen am frühen Nachmittag den Strom zurück, der am Morgen wegen des Brandes ausgeschaltet worden war. Die Sperrung der Bachstraße konnte bereits am späten Vormittag wieder aufgehoben werden, sagte Silke Lemmen.

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