Hückeswagen: FeG Lindenbergstraße besteht 150 Jahre

Hückeswagen: FeG Lindenbergstraße besteht 150 Jahre

Sie ist die älteste Freie evangelische Gemeinde der Schloss-Stadt: Vor 150 Jahren wurde die FeG Lindenbergstraße gegründet. Das Jubiläum wird in diesem Jahr groß gefeiert. Vorab blickt Pastor Frank Junker auf die Geschichte zurück.

1868 ist das Jahr, in dem der berühmte Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi erscheint. Das US-Repräsentantenhaus beschließt, gegen Präsident Andrew Johnson ein Amtsenthebungsverfahren (von bisher erst zwei) einzuleiten - es scheitert jedoch später am US-Senat. Kaiser Franz Joseph schafft das Kaisertum Österreich ab und ersetzt es durch die Österreichisch-Ungarische Monarchie. Im gleichen Jahr wird die Tabascosoße erfunden, die etwa für den Cocktail "Bloody Mary" ein wichtiger Bestandteil ist. Und zwei Dutzend Hückeswagener gründen eine Freie evangelische Gemeinde.

Foto: Stephan Büllesbach

"Anfang des 19. Jahrhunderts war Bewegung in das kirchliche Leben gekommen", erzählt Frank Junker, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Lindenbergstraße, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Menschen hätten eine große Sehnsucht nach dem echten Glauben gehabt und stärker die Bedeutung der Bibel spüren wollen. "Die Menschen waren zum Teil unzufrieden, was sie damals im kirchlichen Leben vorfanden und vermissten den Aufruf zum Glauben."

Im November 1854 gründete daher Hermann-Heinrich Grafe die erste Freie evangelische Gemeinde in Deutschland. Zwölf Jahre später besuchten sechs Hückeswagener den evangelischen Brüderverein in Elberfeld-Barmen (heute Wuppertal) von Peter Heinhaus aus Heister bei Dhünn - "sie gingen zu Fuß zur Feier des Abendmahls und wieder zurück!", sagt Junker. Heinhaus habe selbst evangelisiert vor allem in Wiehagen, Mickenhagen und Knefelsberg. Zudem schlug er den Hückeswagenern vor, ihr Abendmahl doch am Ort zu feiern - und so gründeten 25 Mitglieder 1868 die erste FeG der Schloss-Stadt.

Damals trafen sie sich noch in Wiehagen, später dann in einem Haus Markstraße / Ecke Bongardstraße. 1881 ließ ein Gemeindemitglied an der Kölner Straße einen Anbau errichten, in dem das Gemeindehaus untergebracht war - heute befindet sich dort laut Junker die Gaststätte "Kö 3". Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch gibt es die Gemeinde an der Ringstraße, wo sie ein Grundstück kaufte - im Februar 1905 feierte sie im neuen Gemeindehaus ihren ersten Gottesdienst.

Allerdings gab es in den Jahren danach "Spannungen in der Gemeinde", wie Junker erzählt. Etwa zwei Drittel der Mitglieder schlossen sich anderen Gemeinden in Hückeswagen an. "Unsere Gemeinde ist dann aber wieder gewachsen und war gut besucht", sagt der Pastor. Es gab später sogar einen Männer-, einen gemischten und einen Gitarrenchor. Und Willi Burghoff war ab 1932 mehr als 40 Jahre Pastor der Gemeinde. Später folgten Wolfgang Ströhle, Gerhard Becker, Günter Hallstein, Kurt Becker und Rik van Breen, ehe Junker 2005 zur Gemeinde stieß. Aktuell hat sie mehr als 130 Mitglieder. Und seit zehn Jahren gibt es in Wipperfürth die Tochtergemeinde Am Stauweiher nahe des Finanzamtes.

Das Gemeindeleben sei aktiv, versichert Junker. Es gebe viele Abend- und Jugendgottesdienste, mitunter auch einen Gästegottesdienst, an den sich ein Mittagessen anschließt. Angebote stehen allen Altersgruppen zur Verfügung, auch würden große Jugendfreizeiten, etwa nach Holland, organisiert. Überhaupt seien die Jugendlichen sehr aktiv, sagt der 55-Jährige. "Wir haben aber das Problem bei der Nachwuchsbetreuung, wie andere auch: Wir suchen Mitarbeiter, die sich um die Kinder und Jugendliche kümmern", berichtet Junker.

Im Jubiläumsjahr sind die Augen jedoch eher auf das Positive innerhalb der Gemeinde ausgerichtet.

(büba)