Hückeswagen: FDP-Ministerin besucht Förderschüler

Hückeswagen : FDP-Ministerin besucht Förderschüler

Landesschulministerin Yvonne Gebauer nahm sich gestern Morgen Zeit für ein Gespräch mit Schülern, Lehrern und Eltern der Förderschule Nordkreis in Hückeswagen. Für Existenzängste gebe es überhaupt keinen Anlass, sagte sie.

Hinter Förderschulen liegen schwierige Jahre: Auf dem Weg zur Inklusion an den Regelschulen sind einige auf der Strecke geblieben, weil sie die gesetzlich festgelegte Mindestschülerzahl nicht mehr erreichten. Letztlich ging es unter rot-grüner Regierung landesweit um die politische Diskussion, ob Förderschulen eine Existenzberechtigung haben.

Diese Diskussion will Schulministerin Yvonne Gebauer nicht fortsetzen. "Wir wollen ein flächendeckendes Förderschulsystem in NRW", sagte die FDP-Politikerin gestern bei ihrem Besuch der Erich-Kästner-Schule (EKS), die vor zwei Jahren zur "Förderschule Nordkreis" wurde. Die Schulen brauchten nach Jahren ständiger Reformvorhaben Sicherheit in der Planung und Ruhe. "Wir wollen die für die Arbeit nötige Ruhe wieder ins System bringen und nehmen das Tempo erstmal raus" sagte sie. Inklusion sei für sie "ein Menschenrecht". Es werde aber immer Kinder geben, die den geschützten Raum einer Förderschule brauchten, weil eine Regelschule sie überfordere.

Das deckt sich mit den Erfahrungen von Schulleiterin Renate Mohr: Die Schüler hätten sich sehr verändert, berichtete sie. Zunehmend kämen Kinder aus gescheiterten Inklusionsprojekten, viele von ihnen mit "starken Problemlagen" und teils schweren psychischen Erkrankungen. Entsprechend hoch seien die Herausforderungen für die Lehrer. Vor diesem Hintergrund wünschen sich die Pädagogen dringend mehr Lehrer für weniger Schüler. Tatsächlich sei aber die Schüler-Lehrer-Relation schlechter geworden, kritisierte Mohr. Immer seltener sei eine Doppelbesetzung mit Lehrern möglich, obwohl sie für die unter schweren Problemen leidenden Kinder und Jugendlichen mit hohem Förderbedarf dringend notwendig sei.

Mehr Lehrer für einen noch stärker individualisierten Unterricht: Das steht auch für die Eltern an oberster Stelle: Sonja Riese, Vorsitzende der Schulpflegschaft, gab der Ministerin einen offenen Brief mit. Darin kritisieren die Eltern viel zu volle Klassen von bis zu 19 Schülern. "Es wurde vermutlich erwartet, dass sich durch die Inklusion die Schülerzahlen an den Förderschulen reduzieren würden. Genau das Gegenteil ist der Fall. Noch vor zwei bis drei Jahren hatten die Klassen eine Stärke von zehn bis 14 Schülern. Hier war sowohl für die Kinder als auch für die Lehrer ein effizientes und an den Bedürfnissen der Schüler ausgerichtetes Arbeiten möglich", schreiben die Eltern. Heute werde nicht mehr gelehrt, sondern verwahrt. So empfänden viele Lehrer die Arbeit als schwierig, belastend und unbefriedigend. "Wir bitten Sie, das Schulgesetz zu überprüfen und zum Wohle unserer Kinder zu überarbeiten. Denn jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und individuelle Förderung", fordern die Eltern. Yvonne Gebauer sagte zu, sich mit den Argumenten der Eltern zu befassen und in einer Stellungnahme darauf zu reagieren.

Bei allen kritischen Anmerkungen gab es auch Positives zu berichten: Die Kollegien der früheren Armin-Maiwald-Schule in Rade und der Erich-Kästner-Schule seien gut zusammengewachsen. Gemeinsam seien neue und zukunftsweisende Konzepte entwickelt worden. "Wir haben viel geschafft und tun alle unsere Arbeit unheimlich gerne. Bei allen Problemen ist das Kollegium hoch motiviert", sagte Mohr.

Für Existenzängste gibt es aus Sicht von Yvonne Gebauer keinen Grund: "Ihre Schule ist stabil", sagte sie. Ihr Lob galt der guten Zusammenarbeit des Kollegiums mit den Regelschulen in Hückeswagen und Rade: Dieser Austausch sei enorm wichtig. Vor allem der Kontakt zur Hückeswagener Realschule ist seit Jahren eng: Lehrer der EKS unterrichten dort regelmäßig, umgekehrt gestalten Realschullehrer den Unterricht an der EKS mit.

(bn)
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