„Fahrrad-Bus gibt es auch im nächsten Jahr“

Interview : „Fahrrad-Bus gibt es auch im nächsten Jahr“

Udo Wasserfuhr ist Prokurist bei der Regionalverkehr Köln, die den Bergischen Fahrrad-Bus betreibt. Er spricht er über die Saison.

Herr Wasserfuhr, sind Sie selbst schon mal mit dem Fahrradbus im Bergischen unterwegs

gewesen?
Wasserfuhr Mehr als einmal war ich auf der Trasse unterwegs. Alleine oder mit meiner Frau, mal nur mit dem Rad und mal mit Rad und Fahrradbus. Die Strecke ist einfach zu toll und zu abwechslungsreich, als dass man alles bei einer Fahrt in sich aufnehmen könnte. Nicht nur das Radfahren ist übrigens attraktiv, sondern auch die Busfahrt durch unser schönes Bergisches Land.

Wie sieht die Bilanz der zweiten, jetzt abgelaufenen Saison aus – wird es das Angebot auch im kommenden Jahr geben?

Wasserfuhr Wir haben die Saison ja soeben erst abgeschlossen und sind gerade dabei, die Daten auszuwerten. Wir können jetzt schon sagen, dass wir in der Saison 2018 von März bis Anfang November etwa 4300 Fahrgäste in unseren Bussen der RVK, wupsi und OVAG hatten und unsere Erwartung damit voll erfüllt wurden. In den vier Monaten 2017, Start war am 1. Juli, nutzten 2050 Fahrgäste den FahrradBus. Im gleichen Zeitraum 2018 waren es 2350 Fahrgäste, also etwa 15 Prozent mehr. Natürlich gibt es den Fahrrad-Bus auch im nächsten Jahr. Wir werden am 16. März starten und bis einschließlich 3. November im Einsatz sein.

Wie kam es eigentlich überhaupt zu der Idee, zwischen Leverkusen und Marienheide einen Bus mit langem Fahrrad-Anhänger einzusetzen?

Wasserfuhr Nachdem wir 2010 gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis, der Stadt Wermelskirchen und der Gemeinde Odenthal den „Bergischen Wanderbus“ erfolgreich ins Leben gerufen hatten, und in zeitlicher Nähe hierzu der Radweg auf der alten Bahntrasse zwischen Opladen und Marienheide eröffnet wurde, hatten wir die Idee eines Fahrradbusses entlang dieser Strecke. Als Anfang 2014 die LEADER-Region „Bergisches Wasserland“ – Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis und die Städte und Gemeinden entlang der Talsperren – entstand, haben wir diese Idee als einen der ersten Förderanträge überhaupt bei Leader eingereicht. Er wurde als förderfähig anerkannt und war damit der Türöffner und Teil der Finanzierung, die uns für die Umsetzung noch gefehlt hatte.

Und warum gerade zwischen diesen beiden Strecken?

Wasserfuhr Die Strecke bot sich aus den vorgenannten Gründen an, aber auch, weil in Opladen und Marienheide Bahnanschlüsse bestehen, die ideal für die Erschließung der Trasse sind. Zudem – und das machte die Umsetzung leichter - saßen im Leader-Verein „Bergisches Wasserland“ alle erforderlichen Kooperationspartner an einem Tisch. Schnell haben wir auch Leverkusen und Remscheid für die Idee begeistern können.

Hatte man im Vorfeld Bedenken, ob dieses Angebot angenommen werden würde?

Wasserfuhr Um ehrlich zu sein: nein. Wir wussten, nicht zuletzt aus den Erfahrungen des Bergischen Wanderbusses, dass gute Angebote angenommen werden. Man muss den Menschen Angebote machen, zu denen sie nicht nein sagen können. Dass es sich so bestätigt hat, freut uns natürlich besonders.

Wer nutzt den Bergischen Fahrradbus hauptsächlich?

Wasserfuhr Der Fahrrad-Bus wird überwiegend von Familien oder Paaren genutzt. Sportradler fahren in der Regel die gesamte Strecke mit dem Rad.

Wie ist das Verhältnis von Radlern und „normalen“ Busfahrern im Fahrradbus?

Wasserfuhr Der Fahrrad-Bus wird zu 80 bis 90 Prozent von Radlern genutzt. Vielen Nichtradlern ist offensichtlich nicht bekannt, dass man den Fahrrad-Bus auch ohne Fahrrad nutzen kann. Wir werden daraus für die neue Saison unsere Schlüsse ziehen und die Marketingaktivitäten entsprechend modifizieren. Denn es handelt sich um ein reguläres ÖPNV-Angebot, das ja auch an den Wochenenden Mobilität in einem größeren Raum bietet und vor allem auch für Wanderer sehr attraktiv ist.

Welche Strecken werden am meisten befahren?

Wasserfuhr 75 Prozent nutzen die Fahrten von Opladen Richtung Marienheide. 40 Prozent steigen in Opladen in den Bus. Die meisten Aussteiger gibt es in Marienheide. Mehr als 50 Prozent der Einsteiger in Opladen fahren bis Marienheide. Ansonsten nutzen viele Fahrgäste den Fahrrad-Bus, um die Geländestufe zwischen Bergisch Born und Hückeswagen zu überwinden.

War der lange und heiße Sommer gut für den Fahrradbus?

Wasserfuhr Da wir 2018 fast durchgängig gutes Wetter hatten, gehen wir davon aus, dass auch wir davon profitiert haben. Einige Tage waren sogar fürs Radfahren zu heiß, aber das wäre Klagen auf hohem Niveau.

Haben Sie Feedback von der Bergischen Tourismusagentur Das Bergische zur Saison bekommen?

Wasserfuhr Ja, wir stehen im Austausch mit „Das Bergische“, die auch das Marketing für das Projekt machen. Aus deren Sicht ist die Saison 2018 für den Bergischen Fahrrad-Bus insgesamt erfolgreich verlaufen. Die Nachfrage war dort deutlich spürbar, die Auflage von 50.000 Flyern ist so gut wie komplett verteilt. Die Zugriffszahlen auf die Unterseite „Bergischer FahrradBus“ im Internetauftritt sind gegenüber 2017 um etwa zehn Prozent gestiegen.

Und gibt es auch Feedback von den Städten an der Strecke?

Wasserfuhr Selbstverständlich sind die Städte und Gemeinden als Projektpartner ebenfalls zufrieden mit der ersten kompletten Saison des gemeinsamen Projektes. Die Kommunen berichten nicht nur von positiven Rückmeldungen der Nutzer des neuen Freizeit- und Naherholungsangebotes, sondern auch von Gastronomiebetrieben, die dem Angebot neue Kunden zu verdanken haben. Aber auch vom ADFC, ebenfalls Projektpartner, erhalten wir positive Rückmeldungen.

Gibt es Pläne einer Erweiterung, einer Umorientierung für die Zukunft?

Wasserfuhr Auch gute Angebote kann man verbessern. Deshalb halten wir nach jeder Saison eine Rückschau in der Runde unserer Partner und schauen, was noch besser geht. Das geschieht in den kommenden Wochen. Wir wollen etwa die Beschilderung zur Trasse hin, vor allem aber von der Trasse zu den Haltestellen und den Sehenswürdigkeiten verbessern und auch weitere Tourenvorschläge ausarbeiten. Bei einer Erweiterung, womit wir insbesondere die Angebotsentwicklung auch auf anderen Strecken im Bergischen Land meinen, müssen wir immer im Auge haben, dass das den Steuerzahler Geld kostet. ÖPNV gibt es nicht zum Nulltarif. Deshalb beobachten wir die Förderlandschaft nach wie vor sehr genau. Und wenn wir wieder eine Chance sehen – Stichwort: Regionale 2025 – werden wir sie nutzen.

Das Fahrradfahren ist ja im Bergischen Land über die Jahre immer beliebter geworden – womit ist das zu erklären?

Wasserfuhr Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass das Radfahren durch Pedelecs und E-Bikes gerade im Bergischen einen Quantensprung erfahren hat. Das Mobilitätsverhalten wird im Alltag schon sehr deutlich geprägt durch Staus in den Ballungsräumen, und da wird das Fahrrad zunehmend zu einer Alternative. Bei der Topographie des Bergischen Landes aber erst wirklich, seitdem die Berge und Höhen mit elektrischer Unterstützung auf angenehme Art bezwungen werden können. Das gilt natürlich erst recht für Radfahren als Freizeitbetätigung. Dadurch und durch die gute Vermarktung und Vermittlung der „RadRegionRheinland“ und durch „Das Bergische“ werden touristisch neue Märkte erschlossen. Insofern müssen wir den Nutzen auch volkswirtschaftlich betrachten.

Mehr von RP ONLINE